Emmy Beckmann
Politikerin, Hamburgs erste Oberschulrätin
12.4.1880 Wandsbek - 24.12.1967 Hamburg
Die Zwillingsschwestern Emmy und Hanna lebten zusammen in der Oberstraße 68. Emmy wurde 1926 Schulleiterin der damaligen Helene-Lange Oberrealschule, ihre Schwester trat 1927 ihre Nachfolge an, als Emmy zu Hamburgs ersten Oberschulrätin benannt wurde. Emmy war u.a. 1915 Gründungsmitglied des Stadtbundes hamburgischer Frauenvereine, gab die Quellenhefte zum Frauenleben in der Geschichte heraus, gehörte 1946 zu den Mitbegründerinnen des Hamburger Frauenringes. Von 1921-1933 war sie für die Deutsche Demokratische Partei Bürgerschaftsabgeordnete. 1933 von den Nazis ihrer Schulämter enthoben, zogen sich die Schwestern in die innere Emigration zurück. Nach 1945-1949 wieder als Oberschulrätin eingesetzt, war Emmy von 1949-1957 FDP-Bürgerschaftsabgeordnete. 1953 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz. 1957 verlieh ihr der Senat den Professorentitel.
Olga Brandt-Knack
Ballettmeisterin, Bürgerschaftsabgeordnete
29.6.1885 Hamburg - 1.8.1978 Hamburg
Im Alter von 10 Jahren begann Olga Brandt-Knack in der Kindertanzschule des Hamburger Stadttheaters ihre tänzerische Laufbahn, avancierte 1907 zur Solotänzerin und 1922 zur Leiterin des Balletts. Olga Brandt-Knack, in den zwanziger Jahren einige Jahre verheiratet mit Prof. Dr. Andreas Knack, dem Leiter des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek, versuchte eine Synthese von klassischem Ballett und Ausdruckstanz herzustellen. 1908 gründete sie den Deutschen Tänzerbund und setzte sich als seine Sprecherin für die Belange ihrer BerufskollegInnen ein. 1918 trat sie der SPD bei. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gründete sie zusammen mit dem Schauspieler Adolf Johannsson den Arbeiter-Sprech- und Bewegungschor. 1932 initierte sie zusammen mit Lola Rogge und anderen die Vereinigung Tanz in Hamburg. Bereits 1932 verlor Olga Brandt-Knack wegen ihrer politischen Betätigung ihre Stellung als Ballettmeisterin. Später wurde sie unter Gestapo-Aufsicht gestellt und vorübergehend verhaftet. Während der Naziherrschaft verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Sprechstundenhilfe. Gleich nach dem Krieg trat sie wieder der SPD bei, gründete die Jugendorganisation "Die Falken" mit, arbeitete seit 1948 als Frauenreferentin der Gewerkschaft Kunst und war von 1946 bis 1953 Bürgerschaftsabgeordnete (SPD).
Minna Froböse (geb. Schierloh)
Stifterin: Ernst und Minna Froböse Stiftung
22.2.1848 Hamburg - 8.7.1917 Hamburg
Minna Froböse, Tochter des Weinhändlers Claus Schierloh erlernte den Beruf einer Schirmmacherin und heiratete den Schirmfabrikanten Ernst August Froböse. Das kinderlose Ehepaar widmete sich wohltätigen Aufgaben. Ernst Froböse spendete große Summen seines Vermögens der Arbeitslosenfürsorge. Minna Froböse, die ihren Mann um drei Jahre überlebte, gab einen großen Teil ihres Erbes an bedürftige Kriegsversehrte aus dem Ersten Weltkrieg und deren Familien. Der Gedanke zu der 1917 gegründeten Ernst und Minna Froböse Stiftung kam Minna Froböse, weil sie sich um Soldatenkinder gekümmert und später auch Kriegsverletzte im Marinelazarett besucht hatte. Heute unterstützt die Stiftung Menschen, die durch Krankheit in eine finanzielle Notlage geraten sind.
Hanna Glinzer
Direktorin der Schule des Paulsenstiftes
23.2.1874 Hamburg - 1.4.1961 Hamburg
Ihre Pflegegroßmutter war Emilie Wüstenfeld, ihre Mutter Marie Glinzer geb. Hartner, Leiterin (1868-1878) der von Emilie Wüstenfeld gegründeten Gewerbeschule für Mädchen. Hanna Glinzer, ebenfalls Lehrerin, übernahm mit 37 Jahren von ihrer Vorgängerin Anna Wohlwill die Leitung der Schule des Paulsenstiftes, eine staatlich anerkannte halböffentliche höhere Mädchenschule, gegründet vom HH Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege, der nur Frauen in seiner Schule beschäftigen wollte. Hanna Glinzer setzte sich für die Durchsetzung dieser Forderung ein. 1908 wurde das Gesetz erlassen, LehrerInnenstellen geschlechtsparitätisch zu besetzen. Vier Jahre später erhielt auch die Paulsenstiftschule die Vorgabe, ein drittel männlicher Lehrkräfte zu beschäftigen. Der Schulvorstand kam der Forderung zwar nach: doch er stellte die Lehrer nur nebenamtlich ein, was bedeutete: Nebenamtliche durften nicht mehr als ein Drittel der Gesamtstunden unterrichten. Hanna Glinzer war führend in der Hamburger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. Sie gehörte zu denen, die die restriktive Politik der Nationalsozialisten voraussahen. Als ihre Befürchtungen eintrafen, sah sie in der völligen Verstaatlichung ihrer Schule die einzige Möglichkeit, ihre Schule zu retten. Als dies 1937 geschah, musste Hanna Glinzer aus dem Schuldienst ausscheiden. Sie hatte sich geweigert, den Treueeid auf Hitler zu schwören.
Marie Glinzer
Lehrerin, Leiterin der von Emilie Wüstenfeld gegründeten Gewerbeschule für Mädchen
3.12.1843 Hamburg - 6.12.1921 Hamburg
Nach dem frühen Tod ihres Vaters wurde die 12jährige Marie Hartner als Pflegetochter in den Haushalt Emilie Wüstenfelds aufgenommen, um ihrer einzigen Tochter Marie Gesellschaft zu leisten. Sie besuchte die Schule des von Charlotte Paulsen und Emilie Wüstenfeld gegründeten "Frauenvereins zur Unterstützung der Armenpflege". 1860 begann ihre Ausbildung zur Erzieherin. Im Alter von 16 Jahren kam Marie Hartner zu Bertha Ronge gesch. Traun, geb. Meyer (siehe Grabsteine: Antonie Traun und Margarethe Meyer Schurz) nach London, bei der sie die Arbeit in einem Fröbelschen Kindergarten kennen lernen sollte. 1861 engagierte Emilie Wüstenfelds Freundin Malwida von Meysenbug Marie Hartner als Gehilfin für die Erziehung der neunjährigen Olga Herzen, Tochter des im Londoner Exil lebenden russischen Revolutionärs Alexander Herzen. Nach vier Jahren Aufenthalt im Ausland kehrte Marie Hartner 1864 nach Hamburg zurück, wo sie zunächst bei der Familie Kortmann (siehe Grabstein: Marie Kortmann), dann wieder bei Emilie Wüstenfeld wohnte. Marie Hartner begann ihre Ausbildung zur gewerblichen Lehrerin. Am 3. November 1866 weihte sie die vom Hamburger Verein zur Unterstützung der Armenpflege gegründete Schule des Paulsenstifts mit ein (siehe: Grabstein Anna Wohlwill) und unterrichtete an der neuen "Industrieklasse". Marie Hartner wurde 1867 mit der Leitung der Klasse betraut, die sich im dritten Stock des Hauses Großer Burstah 12/16 zu Hamburgs ersten Gewerbeschule für Mädchen entwickelte. Schneidertische und Nähmaschinen waren die erste Ausrüstung. Hand- und Maschinennäherei, Wäsche und Kleiderzuschneiden und -anfertigen waren die ersten Arbeiten, Musterentwerfen und Zierhandarbeiten, alle Ausbesserungen, Waschen und Plätten traten hinzu. Zeichnen, Körperzeichnen, Zeichnen nach Pflanzenmodellen und nach der Natur, Malen, Porzellan- und Holzmalerei, Lithographie wurden eingeführt. Die Anfangsgründe der Physik und Chemie, Deutsch, Rechnen und Elementargeometrie, Buchführung und Schreiben traten hinzu. Man arbeitete für Kunden. Im Herbst 1867 kam Dr. Ernst Glinzer aus Kassel als Lehrer an die Baugewerkschule nach Hamburg und unterrichtete auch an der Gewerbeschule für Mädchen. Marie Hartner und Ernst Glinzer wurden am 2.6.1870 standesamtlich getraut. Marie Glinzer wurde Mutter von 3 Kindern, Otto (Arzt, geb. 1871), Hanna (siehe Grabstein: Hanna Glinzer) und Dora (geb. 1878). Sie setzte ihre Arbeit als Lehrerin fort. Nach dem Tod von Emilie Wüstenfeld kollidierten die Pläne des Vorstandes des Frauenvereins mit Marie Glinzers Auffassungen. Um seiner Frau weiteren Ärger zu ersparen, kündigte Ernst Glinzer die Stelle seiner Frau, was seine Frau sehr kränkte. Die Arbeit der Schulleitung hatte Marie Glinzer besser vertragen als die der Hausfrau und Mutter. Der Abschied von der Erwerbsarbeit war Marie Glinzer zeitlebens nahegegangen.
Erna Hammond-Norden
Kriegerwitwe, die Frau an seiner Seite
24.5.1906 Hamburg-6.1.1979 Hamburg
Im Jahre 2005 erinnerte Deutschland mit Feierlichkeiten an das Kriegsende vor 60 Jahren. Der Verein Garten der Frauen gedenkt mit dem Grabstein von Erna Hammond-Norden den vielen tausend Kriegerwitwen des Zweiten Weltkriegs. Sie und die vielen anderen Frauen waren es, die nach den oft unerträglichen Belastungen, Ängsten und Entbehrungen während des Zweiten Weltkriegs einen wesentlichen Anteil am Aufbau des neuen demokratischen Deutschlands hatten. Bei Kriegsende lebten in Deutschland 7,3 Millionen Menschen - mehr Frauen als Männer. Das neue Deutschland brauchte die Frauen als Überlebensarbeiterinnen.
Erna Hammond-Norden, geb. Michel, aus einer Arbeiterfamilie stammend, musste nach ihrer Ausbildung zur Dekorateurin schon früh zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. So blieb denn auch ihr Wunsch, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, unerfüllt. Auf einem "Künstlerfest" im Hamburger Curiohaus lernte sie ihren späteren Mann Wilhelm Hammond-Norden kennen. Er, von Beruf Steinmetzmeister, war gleichzeitig Schriftsteller und Theaterkritiker. 1932 heiratete das Paar. Und obwohl bald darauf die Nazis die Macht ergriffen, begann für Erna die wohl schönste Zeit ihres Lebens. Man lebte sparsam und gesund, war ständiger Gast im Reformhaus, ebenso in den Hamburger Theatern und im legendären Bronzekeller. Das Paar war Mitglied der SPD. Zu seinen Freunden gehörten Hans Leip, Eugen Roth, Helmut Gmelin, Hans Harbek u.a. 1934 wurden die Tochter Renate und 1938 der Sohn Henning geboren. 1939 mit Kriegsbeginn erhielt Wilhelm Hammond-Norden den Einberufungsbefehl. Für seine Frau begann nun die schwere Zeit: Zwei Kleinkinder im Haus und der Mann im Krieg. Der Familienbetrieb lag durch verfehlte Betriebspolitik des Schwiegervaters darnieder und wurde zum Schleuderpreis von einem Wettbewerber übernommen. Und dann kam die schreckliche Nachricht: Ihr Mann wurde nach den Kämpfen um Stalingrad vermisst. Lange Jahre forschte Erna nach seinem Verbleib. Zahllose Gespräche mit heimkehrenden Soldaten wurden geführt, Briefe geschrieben - und immer wieder Hoffnung. Von ihrer kleinen Rente konnte sie sich und ihre beiden Kinder nicht ernähren. So übernahm sie neben der Erziehung ihrer Kinder die Büroarbeit in der nicht mehr der Familie gehörenden Steinmetzfirma. 1955 ließ der neue Firmenbesitzer ihren Mann für tot erklären, um den Namen Wilhelm Hammond-Norden aus dem Handelsregister löschen zu können. Für Erna Hammond-Norden ein Schock. Doch sie konnte nach zähen Verhandlungen erreichen, dass ihr Sohn als Partner in die Firma aufgenommen wurde. Im Alter erkrankte Erna Hammond-Norden an Hautkrebs. Kurz vor ihrem Tod am 6. Januar 1979 wünschte sie sich von ihrem Sohn sein Steinmetzmeisterstück als Grabstein.
Julie Hansen
Bibliothekarin
30.6.1883 Hamburg - 5.2.1959 Hamburg
Wenige Monate vor ihrer Geburt starb ihr Vater, Kapitän Hansen, beim Untergang der „Cimbria“. Auch ohne den Ernährer gelang es der Witwe, dass ihre drei Kinder Privatschulen besuchen konnten, indem diese z. B. Stipendien erhielten. Julia Hansen erfuhr die Erziehung einer „höheren Tochter“. Doch mit ihrem Wunsch, auf eigenen Füßen zu stehen und einem Beruf nachzugehen, ging sie in Opposition zum Leben einer „höheren Tochter“. 1918 wurde Julia Hansen Leiterin der Barmbeker Bücherhalle - Hamburgs vierten Bücherhalle. Das Verhältnis der Leserschaft zu ihrer Bücherhalle und ihrer Bibliothekarin war sehr vertraut. Besonders zur Jugend hatte Julia Hansen ein besonders gutes Verhältnis. Sie konnte die Jugendlichen fürs Lesen begeistern. Ab 1914 widmete sich Julia Hansen auch der Bibliothekarinnenausbildung. Bereits 1910 hatte sie öffentlich die Gründung einer Bibliotheksschule angeregt, was jedoch am Mangel an geeigneten Dozenten scheiterte. 1940 erhielt Julia Hansen neben Marie Friedrichs die Leitung des gesamten Praktikantinnenunterrichts. Julia Hansen lebte in der Burgstraße, wo sie mit ihrer Freundin Anni Eschrich zusammen wohnte.
Franziska Jahns
Kindermädchen der Familie Warburg
8.7.1850 Hamburg - 24.2.1907 Hamburg
Franziska Jahns, die in einem Waisenhaus aufgewachsen war, kam 1869 im Alter von 19 Jahren als Kindermädchen in das Haus des Ehepaares Moritz und Charlotte Warburg am Mittelweg 17. Damals waren bereits Aby (1866), Max (1867) und Paul (1868) Warburg geboren. Später folgten dann noch: Felix (1871), Olga (1873) und die Zwillinge Fritz und Louise (1879). Die rothaarige junge Frau schenkte den Warburgkindern ihre ganze Zuneigung. Sie war der Gegenpol zu Charlotte Warburg, die ein strenges, aus Leistungsdruck bestehendes mütterliches Regiment führte. Franziska Jahns zeigte sich den Kindern gegenüber warmherzig und gefühlvoll, schenkte ihnen ihre volle Zuwendung - räumte sogar das von den Kindern liegen gelassene Spielzeug weg - und war die einzige in der Familie, die mit den Wutausbrüchen und Augenblickslaunen des jungen Aby Warburg fertig wurde. Franziska Jahns, die nicht dem jüdischen Glauben angehörte, lernte sogar Hebräisch, um mit den Kindern die Gebete sprechen zu können. Im Winter 1906/07 erkrankte Franziska Jahns an Influenza. Diese Krankheit schwächte sie so sehr, dass sie am 24. Februar 1907 an einem Schlaganfall verstarb. 38 Jahre war sie - wie es in der von dem Bankier Moritz Warburg aufgesetzten Anzeige zu Franziska Jahns Tod heißt: "die treue Freundin unseres Hauses, die wir schmerzlich vermissen werden". In seinen privaten Unterlagen ist nachzulesen, dass Franziska Jahns: "38 Jahre mit uns Freud und Leid geteilt hatte und durch ihr feines, taktvolles Wesen die Vertraute aller geworden war".



Das Grabmal schuf 1908 Richard Luksch, Bildhauer und Professor an der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Zwei kniende Frauenskulpturen: die "Trauer" und die "Hoffnung" sitzen sich in etwa 1 ½ Meter Abstand gegenüber. Zwischen ihnen befindet sich ein in der Mitte geöffneter Steinrahmen. Franziska Jahns wurde damals zwischen den Figuren beigesetzt, so dass die nach unten blickende "Trauer" und die ihr Gesicht nach oben wendende "Hoffnung" an Franziska Jahns Kopfende saßen. In dem Steinrahmen sind glasierte Keramik-Sterne eingelassen. Zwischen den mit den Handflächen auf dem Steinrahmen ruhenden Händen der "Trauernden" liegt ein einziger Stern. Zwischen den ebenfalls auf dem Steinrahmen liegenden Händen der "Hoffenden", deren Handflächen geöffnet sind, sind drei Sterne zu finden. Die "Trauernde" bewahrt den einen und einzigen Stern, während die "Hoffende" weitere Sterne zu erwarten scheint.
Bertha Keyser
Schwester der Straßenmission
24.6.1868 Maroldsweisach - 21.12.1964 Hamburg
Bertha Keyser, aus einem einfachen gläubigen Elternhaus stammend, gründete ein eigenes Missionswerk, welches durch Spenden finanziert wurde.
Ihre erste Unterkunft für die Straßenjugend und für Obdachlose errichtete sie 1914 am Alten Steinweg 25. Es kamen Armenspeisungen, Straßengottesdienste, Gefängnis- und Krankenbesuche sowie die Betreuung von Prostituierten hinzu.
Weil sich die Nachbarschaft über den starken Betrieb in den Unterkünften beschwerte, suchte Bertha Keyser immer wieder neue Bleiben. So errichtete sie z. B. 1927 in der Winkelstraße 17 das Frauenobdachlosenheim "Fels des Heils". Die letzte Unterkunft nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Ladenwohnung im Bäckerbreitergang 7.
Marie Kortmann
Lehrerin, Leiterin des Vereins zur Förderung von Frauenbildung und Frauenstudium
20.5.1851 -16.10.1937 Hamburg
Marie Kortmann, Tochter von Pauline Kortmann und Nichte Emilie Wüstenfelds unterrichtete bereits als 17-Jährige an der von ihrer Tante 1867 gegründeten Mädchen-Gewerbeschule und nutzte ihr Zeichentalent und ihre musikalische Begabung, um dort und später auch an privaten Mädchenschulen Kunstunterricht zu geben.
Wie ihre Mutter, die für den "Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege" tätig gewesen war, widmete sich auch Marie Kortmann diesem Verein und wurde 1914 dessen Vorsitzende. Außerdem war sie von 1898 bis 1907 Leiterin der 1895 von der "Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins" gegründeten "Abteilung für Frauenbildung", deren Ziel die Erweiterung des Mädchenbildungswesens war. Weil die Schulbehörde sowohl die Einrichtung von Latein- und Mathematikkursen zur ersten Vorbereitung auf die Oberlehrerinnenprüfung als auch die Einführung von Haushaltungsschulen mit Tages- und Abendkursen für Volksschülerinnen ablehnte, richtete die "Abteilung für Frauenbildung" selbst Latein- und Mathekurse ein und eröffnete 1898 die erste Haushaltungsschule. Marie Kortmann als Vorsitzende des "Hamburgischen Vereins zur Förderung von Frauenbildung und Frauenstudium" wirkte auch entscheidend bei der Gründung eines Realgymnasiums für Mädchen mit. Ostern 1901 wurde die erste Obertertia mit 22 Schülerinnen eröffnet. 1917 wurde das Realgymnasium in ein humanistisches Gymnasium umgewandelt. Marie Kortmann war maßgeblich bei der Beschaffung der Gelder für dieses Unternehmen beteiligt.
Marie Kortmann blieb unverheiratet und lebte mit Hanna und Dora Glinzer, die ebenfalls unverheiratet blieben, zusammen im Juratenweg 4. Dora Glinzer führte für ihre Schwester Hanna und für Marie Kortmann den gemeinsamen Haushalt.
Yvonne Mewes
Lehrerin, leistete Widerstand gegen das NS-Regime
22.12.1900 - 6.1.1945 Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
Yvonne Mewes, Lehrerin an der Hamburger Schule Curschmannstraße, weigerte sich 1942, in der Kinderlandverschickung als Lehrerin zu arbeiten, weil sie befürchtete, dort nationalsozialistische Propaganda in ihren Unterricht einbringen zu müssen. Es folgten mehrere Versetzungen. Ihre Kündigung wurde nicht angenommen. An ihr sollte ein Exempel statuiert werden. Der Fall ging an die Gestapo, die sie in die Haftanstalt Fuhlsbüttel brachte. Dort kam sie für längere Zeit in Dunkelhaft und erhielt keine Nahrung. Einen Tag vor Weihnachten 1944 wurde sie ins KZ-Ravensbrück gebracht. Wenige Wochen später starb sie an Hungertyphus. Die sie denunzierenden Beamten der Schulbehörde wurden in einem 1950 geführten Prozess mangels Beweise freigesprochen.
Antonie (Toni) Milberg
Gründerin und Leiterin einer höheren Mädchenschule, der Milberg Kursusschule
13.11.1854 Hamburg - 1.9.1908 Wildungen
Schon als Kind hatte Toni Milberg, aus einer Kaufmannsfamilie stammend, den Wunsch, Lehrerin zu werden. Nach dem Lehrerinnenexamen, 1876 am Königlichen Lehrerinnen-Seminar zu Callenberg, leitete sie im Hause des Hamburger Hauptpastors Calinich den damals für höhere Töchter üblichen Privatunterricht im kleinen Kreis - Kurse genannt - die er für seine Töchter eingerichtet hatte. Gleichzeitig machte sie ihr Vorsteherinnen-Examen und baute nach dem Tod Calinichs aus diesen und weiteren von ihr entwickelten Kursen die Milbergsche Kursusschule auf, die sich später auf einem von Toni Milberg erworbenen Grundstück in der Klopstockstr. 17 befand. Toni Milberg leitete die Schule über 25 Jahre lang zusammen mit ihrer Freundin Martha Krecke.
Mathilde Möller
Urheberin der Bewegungsspiele für Mädchen
20.1.1867Altona - 9.2.1925 Hamburg
Mathilde Möller arbeitete in Hamburg als Lehrerin. In ihrer Zeit als Lehrkraft an der Mädchenvolksschule Lutterothstraße im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel hatte sie eine bahnbrechende Idee. Sie initiierte als erste Lehrkraft die Bewegungsspiele für Mädchen. So zog sie Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts mit ihren Schülerinnen in den Sternschanzenpark, um sie im Schlag- und Wurfball zu unterrichten. Das war damals ein sehr gewagtes Unterfangen. Mathilde Möller hatte schwere Kämpfe gegen die Gleichgültigkeit der Eltern wie der Kollegen und Kolleginnen aus der Lehrerschaft zu bestehen. Man hielt diese Sportübung zwar für Jungen, aber nicht für Mädchen geeignet. Doch Mathilde Möller ließ sich nicht beirren und vertrat öffentlich die Meinung, dass Mädchen diese Übungen zu ihrer Ertüchtigung viel nötiger hätten als Jungen. Der Protest gegen diese angeblich unweiblichen Sportübungen ging sogar so weit, dass Schuljungen diese Sportstunden störten, weshalb sie längere Zeit unter polizeilichem Schutz durchgeführt werden mussten. Doch im Laufe der Jahre gelang es dem von Mathilde Möller gegründeten "Verein für Jugendspiele für Mädchen" dem neuen Gedanken Verbreitung zu verschaffen. Heute sind solche sportlichen Spiele eine Selbstverständlichkeit für Mädchen und Frauen.




Erna Mohr beobachtete und untersuchte das Verhalten von Baumratten.
Dr. h.c. Erna Mohr
Zoologin von internationalem Rang
11.7.1894 Hamburg - 10.9.1968 Hamburg
Im Alter von 18 Jahren nahm die Lehrerstocher am Zoologischen Museum am Steintorplatz in Hamburg eine Tätigkeit als Spinnenzeichnerin an. Auch während ihrer späteren Arbeit als Lehrerin war Erna Mohr am Zoologischen Museum tätig. 1934 wurde Erna Mohr aus dem Schuldienst beurlaubt und übernahm die Museumsabteilung für niedere Wirbeltiere. Sie bewies enormes didaktisches Talent bei der Neugestaltung der öffentlichen Schausammlung. 1936 übernahm Erna Mohr auch die Leitung der Abteilung für höhere Wirbeltiere. Noch heute besteht der von ihr zusammengetragene Grundstock der wissenschaftlichen Sammlung. Über 400 Veröffentlichungen gibt es von ihr. Ihre Manuskripte trug sie, gekleidet in einem Lodenmantel und Wanderschuhen, in einer Plastik-Einkaufstasche zu ihren Verlegern. Erna Mohr erhielt hohe Auszeichnungen. Sie befasste sich mit dem "Knacken" der Rentiere beim Laufen, schrieb über Ohrtaschen am Säugetierohr, setzte sich für das vom Aussterben bedrohte europäische Wisent ein , wurde "Wisent-Mama" genannt und war die erste Zuchtbuchführerin aller in Zoos lebenden Wisente. Sie war der erste Mensch, der Fledermausbabys mit einer Puppennuckelflasche großzog, hielt im Zoologischen Museum Baumratten und erforschte deren Verhalten. Erna Mohr war eine der PionierInnen auf dem Gebiet der Verhaltensforschung von Säugetieren.

Domenica Anita Niehoff

Photo: Günter Zint
Kämpferin für die Rechte der Huren, Streetworkerin, St.Paulis großes Herz
3.08.1945 Köln - 12.02. 2009 Hamburg-Altona
Domenica Niehoff, Tochter einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters, wuchs bis zu ihrem 14. Lebensjahr zusammen mit ihrem Bruder in einem katholischen Waisenhaus auf. Nach einer Ausbildung als Buchhalterin heiratete sie 1962 einen Bordellbesitzer. 1972 begann sie, in der Herbertstraße auf St. Pauli als Prostituierte zu arbeiten. Sie war Inspiration und Muse für viele Künstler.
Anfang der 80er Jahre erlangte Domenica bundesweit Berühmtheit, weil sie sich öffentlich als Hure bekannte und sich als eine der Ersten für die Legalisierung der Prostitution engagierte. Ihre Berühmtheit nutzten viele so genannte Prominente zur eigenen Selbstdarstellung. 1990 stieg sie endgültig aus der Prostitution aus. Obwohl sie sich für die Akzeptanz der Huren stark machte, sah sie klarsichtig die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen und Ausbeutungsverhältnisse in der Prostitution. "Sie war wütend auf diejenigen, die die Prostitution glorifizierten", so der Photograph Günter Zint, mit dem Domenica eng befreundet war.
1991 begann Domenica, als Streetworkerin in Hamburg-St.Georg zu arbeiten. Sie war Mitinitiatorin des Hilfsprojektes "Ragazza e.V." und betreute bis 1997 drogenabhängige Mädchen auf dem Straßenstrich.
1998 eröffnete Domenica eine Kneipe am Hamburger Fischmarkt, die sie bis zum Jahr 2000 betrieb.
Nach dem Tod ihres Bruders 2001 lebte sie in dessen Haus in Boos in der Eifel, bevor es sie 2008 wieder auf den Hamburger Kiez zurückzog. Dort wohnte sie in der Talstraße und war bis zu ihrem Tod immer wieder Anlaufstelle für Bedürftige. Sie starb an einem Lungenleiden. Information zum Grabstein
Dr. Ellen Simon
Jugendamtsleiterin
16.7.1895 Nordhausen bei Erfurt -13.7.1982 Berlin
Dr. Ellen Simon, Schwester von Lola Toepke, studierte nach bestandenem Abitur im Jahre 1915 Volkswirtschaft, Jura, Philosophie und Psychologie. 1921 promovierte sie in Jura über das Thema "Schutzerziehung und Besserungserziehung". Von 1925 bis 1931 war sie Abteilungsleiterin des Jugendamtes und des Landesjugendamtes in Hamburg. 1931, nach dem Tod der Mutter Anna Simon, zog sie nach Königsberg, um dort die Leitung des Jugendamtes zu übernehmen. 1932 führte sie den ersten Arbeitsdienst für erwebslose Mädchen ein. Wegen ihrer Parteizugehörigkeit (seit 1930) zur SPD wurde sie 1933 von den Nazis ihres Amtes enthoben. Im selben Jahr emigrierte sie in die Schweiz, arbeitete dort als Dozentin an einer Schwesternschule und als Privatpflegerin und ging 1938 nach London. Dort war sie als Sozialarbeiterin im East End tätig, hielt Verbindung zur bekennenden Kirche in Deutschland und kehrte im Mai 1948 nach Deutschland zurück. Nachdem sie 1950 in den USA einen Ausbildungskursus für Einzelfallhilfe absolviert hatte, wurde sie 1951/52 Lehrbeauftragte für Vormundschaftsrecht an der Universität Frankfurt/Main. Von 1953 bis 1960 arbeitete sie als Leiterin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin. Dr. Ellen Simon war Gründungsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Beiratsmitglied im deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. Bis zu ihrem Tod lebte die unverheiratet und kinderlos Gebliebene in Westberlin.
Recherchen Dr. Stephan Heinemann, Potsdam
Elsa Teuffert (geb. Jansen)
Bürgerschaftsabgeordnete der FDP
12.6.1888 Hamburg - 10.3.1974 Hamburg
Elsa Teuffert betreute ehrenamtlich von 1923 bis 1933 die durch die Inflation um ihre Ersparnisse gebrachten Menschen und setzte sich für die Wiedergutmachung des "Inflationsunrechtes" ein. 1946 trat sie der FDP bei und machte politische Karriere. Von 1951 bis 1954 war sie Bezirksabgeordnete in Hamburg-Altona, von 1953 bis 1954 Deputierte der Baubehörde und von 1953 bis 1959 Vorsitzende der FDP-Landesfrauengruppe. Von 1954 bis 1957 war Elsa Teuffert für den Hamburg Block (CDU, FDP, Deutsche Partei, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten) und von 1958 bis 1966 für die FDP Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Außerdem war sie in den 50-er Jahren Vorstandsmitglied des Hamburger Frauenringes.
Antonie Wilhelmine Traun (geb. Westphal)
Gründerin des Vereins "Die Sozialen Hilfsgruppen"; Mitbegründerin des "Bundes Hamburgischer Hausfrauen" und des "Stadtbundes Hamburgischer Frauenvereine"
6.12.1850 Hamburg - 28.10.1924 Hamburg
Antonie Westphal war die älteste Tochter Carl Wilhelm Ludwig Westphal, Kaufmann und Mitinhaber der Firma G.W.A. Westphal Sohn & Co. Die Teefirma besteht noch heute und hat ihren Sitz in der Speicherstadt. Einer ihrer fünf Geschwister war der Senator Otto Westphal (Wirtschaft und Verkehr). Im Alter von 21 Jahren heiratete Antonie Westphal den acht Jahre älteren Kaufmann und Harburger Fabrikanten Otto Traun. Dessen Mutter war Bertha Traun geb. Meyer. Sie hatte sich für die Selbstständigkeit und Rechte der Frauen stark gemacht, und mit Emilie Wüstenfeld 1850 die Hochschule für das weibliche Geschlecht gegründet. In zweiter Ehe heiratete sie 1851 den Prediger der Deutschkatholiken Johannes Ronge, der ebenfalls für die Emanzipation der Frau eintrat.
Wie ihre Schwiegermutter wurde auch Antonie Traun eine Anhängerin und Aktivistin der bürgerlichen Frauenbewegung. Als sie mit 48 Jahren Mitglied des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins" wurde, hatte sie in 26 Jahren sechs Kinder geboren, von denen eins im Alter von einem Jahr gestorben war. Und als Antonie Traun 1900 den Verein "Die sozialen Hilfsgruppen" gründete, waren die jüngeren Kinder 19, 17 und 11 Jahre alt. Ihr ältestes Kind war bereits verheiratet und hatte sie schon zur Großmutter gemacht. Die "Sozialen Hilfsgruppen" waren ein Zweigverein des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Ortsgruppe Hamburg". Ihr Ziel war: "Frauen und Mädchen zur tatkräftigen, persönlichen Teilhabe an solchen Unternehmungen heran zuführen, die das Elend der ärmeren Volksklassen zu lindern bestimmt sind." Durch diese gemeinnützige Tätigkeit sollten die weiblichen Vereinsmitglieder auch eine Bereicherung des eigenen Lebens und innere Befriedigung erlangen.
1907, ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes, wurde Antonie Traun Mitglied des Hauptvorstandes des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins", acht Jahre später, 1915, Mitbegründerin des "Bundes Hamburgischer Hausfrauen" und nach einem weiteren Jahr, im Alter von 66 Jahren Mitbegründerin des "Stadtbundes Hamburgischer Frauenvereine". Ziel des Hausfrauenbundes war: die Vertretung der volkswirtschaftlichen Interessen der Hausfrauen als Konsumenten und Produzenten. Der Bund wollte die Arbeit der Hausfrau mit der Tätigkeit in anderen Berufen gleichsetzen. Dieser Passus wurde jedoch 1918 gestrichen, denn gegen Ende des Ersten Weltkriegs entwickelten sich die Hausfrauenvereine immer mehr zu nationalistischen, konservativen Frauenvereinigungen. Die Ausdehnung des Ersten Weltkrieges machte es für die bürgerlichen Frauenverbände notwendig, ihre losen Verbindungen in eine straffe Zusammenfassung aller Hamburgischer Frauenvereine umzuwandeln. Deshalb wurde der "Stadtbund Hamburgischer Frauenvereine" gegründet, dessen Ziel es war, die gemeinsamen Interessen der angeschlossenen Frauenvereine zu vertreten und zu stärken. Antonie Traun starb acht Jahre, nachdem sie den Stadtbund mitbegründet hatte, im Alter von 73 Jahren.
Anna Wilhelmine Catharina Veldkamp
"Mutter Veldkamp"
5.7.1865 Hamburg - 13.12.1944 Hamburg
"Mutter Veldkamp" besaß das renommierte, 1200 Sitzplätze fassende Café Veldkamp auf dem Hamburger Dom, ursprünglich gegründet von der Großmutter 1821 als Zuckerwarenhandel in Groningen. Nachdem sie nach Hamburg übergesiedelt war, errichtete ihre Tochter ein kleines Dom-Café, das die Enkelin erbte. „Mutter Veldkamp“ heiratete 1900 ihren Konditor, mit dem sie drei Söhne bekam. Mit ihrer holländischen Haube aus Gold, Brüsseler Spitzen und mit Brillanten besetzten Ohreisen, thronte sie hinter der Kasse. Ihren Namen „Mutter Veldkamp“ erhielt sie, weil sie Hamburgs Waisenkinder finanziell unterstützte und einen Tag während der jährlichen Domzeit ihr Café schloss, um die Waisenkinder kostenlos mit Kakao und Kuchen zu bewirten. Als Mutter Veldkamp starb, standen bei ihrer Beerdigung die Waisenkinder mit Kerzen in der Hand an ihrem Grab.
Paula Westendorf geb. Gühlk
Politikerin, Bürgerschaftsabgeordnete
26.10.1893 Hamburg - 3.10.1980 Hamburg
Die politische Karriere der geschiedenen Frau mit vier Kindern begann gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits in der ersten Wahlperiode im November 1946 wurde Paula Westendorf für die SPD als Abgeordnete in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, der sie bis 1953 angehörte.
Paula Westendorf setzte sich besonders für die Straffreiheit bei Abtreibung und für die soziale Indikation ein und forderte in diesem Zusammenhang die Einrichtung öffentlicher Ehe- und Sexualberatungsstellen. Als einseitigen Machtausdruck des Staates lehnte sie Strafverfolgung wegen Abtreibung ab und gab zu bedenken, dass Verbote die Menschheit nicht erzögen, weil Moral nicht befohlen werden könne.
Auf ihre Initiative hin wurde dann in den Räumen des Gesundheitsamtes eine öffentliche Ehe- und Sexualberatungsstelle eingerichtet, die als erste ihrer Art in den Westzonen im August 1948 eröffnet wurde.
Auch ihr Einsatz zur Freigabe des Vertriebes von Verhütungsmitteln hatte Erfolg. Am 1. Juni 1948 gab der Senat bekannt, dass die Polizeiverordnung des früheren Reichsinnenministers vom Juni 1941 über "Verfahren, Mittel und Gegenstände zum Schwangerschaftsabbruch" - worunter auch Verhütungsmittel fielen - aufgehoben sei.
Anna Cunigunde Wohlwill
Schöpferin der Schule des Paulsenstiftes
20.6.1841 Seesen - 30.12.1919 Hamburg
Länger als ein halbes Jahrhundert war Anna Wohlwill Lehrerin und viereinhalb Jahrzehnte leitete sie die Schule des Paulsenstiftes. „Wer nicht mehr selbst lernt, der lehrt nicht gut und hört auf, zu erziehen“ war ihr Leitspruch. Ohne jemals eine Prüfung abgelegt zu haben - Bildungsanstalten für Lehrerinnen gab es damals noch nicht - unterrichtete sie seit ihrem 15. Lebensjahr die Kinder des Paulsenstifts. Als sie mit 25 Jahren die Schulleitung übernahm, war die Schule keine Armenschule mehr, sondern entwickelte sich zu einer privaten höheren Mädchenschule. 1906 wurde die Anna-Wohlwill-Stiftung gegründet, die Freistellen für begabte Schülerinnen aus ärmeren Familien vergab. Im selben Jahr erhielt Anna Wohlwill als erste Frau vom Senat eine goldene Denkmünze.
Hilde Wulff
Jugendwohlfahrtspflegerin
7.1.1898 Dortmund - 23.7.1972 Hamburg
Sie half während der Zeit des NS-Regimes bedrängten und gefährdeten Menschen. Hilde Wulff erkrankte im Alter von zwei Jahren an Kinderlähmung und war dadurch zeitlebens körperbehindert. Sie engagierte sich im Rahmen ihrer Berufsausbildung im Selbsthilfebund der Körperbehinderten. Sie setzte sich zunächst in Düsseldorf und dann in Berlin insbesondere für eine ordentliche Schulbildung körperbehinderter Kinder ein. 1931 gründete sie in Berlin eine erste eigene Einrichtung für Kinder. Im Zuge der "Gleichschaltung" des Selbsthilfebundes durch die Nationalsozialisten trat Hilde Wulff aus dem Bund aus und verlegte ihre Arbeit mit körperbehinderten Kindern 1935 nach Hamburg-Volksdorf. Hier half sie vielen Bedrängten und Gefährdeten. Ihr Volksdorfer Heim führte sie bis 1964 selbst und übergab es dann der Martha Stiftung, die ihre Lebensarbeit seitdem weiterführt.