Molly und Helene Cramer
Malerinnen
25.6.1852 Hamburg - 18.1.1936 Hamburg
13.12.1844 Hamburg - 14.4.1916 Hamburg
Die Schwestern waren die Töchter des wohlhabenden Kaufmanns Cesar Cramer. Erst nach dessen Tod 1882 begannen sie mit ihrer künstlerischen Ausbildung, da er seinen Töchtern untersagt hatte, Malerinnen zu werden. Sie ließen sich bei dem Antwerpener Maler Eugéne Joors ausbilden und malten Still-leben. Molly malte später auch Landschaften und Portraits, Helene hauptsächlich Blumenstillleben. Die Schwestern waren mit ihren Werken auf den großen deutschen Ausstellungen vertreten und unterstützten Mitglieder des Hamburger Künstlerclubs von 1897. Ihr Elternhaus in der Karlstraße 18 wurde zu einem beliebten Treffpunkt von Maler/innen- und Kunstfreundinnen und -freunden. Molly konnte sich durch Ausstellungen in Budapest, London, Moskau und Chicago internationales Ansehen verschaffen.
Marie Hirsch - alias Adalbert Meinhardt

Schriftstellerin und Übersetzerin
12.3.1848 Hamburg - 17.11.1911 Hamburg
Marie Hirschs Bücher handeln von glücksuchenden Menschen. Es siegt immer die Besinnung auf die innere Pflicht und Würde. Häufig sind es die Frauen, denen das gelingt, die sich im Streit zwischen Liebe, Stolz und Würde auf letztere besinnen. Marie Hirsch kam aus einer großbürgerlichen Familie und veröffentlichte ihre Romane unter einem männlichen Pseudonym. "Das Pseudonym hatte ich angenommen, um möglichst unentdeckt und ungestört arbeiten zu können. Später, als es doch bekannt ward, hätte ich viel lieber meinen eigenen Namen auf den Titel meiner Bücher gesetzt, doch mußte ich mich dem Wunsche meiner Verleger fügen und den männlichen Schriftstellernamen beibehalten." In einem ihrer Romane heißt es: Vor dem kritischen Auge eines Rezensenten habe nur die männliche Autorschaft Bestand.


Erni Kaufmann (geb. Handke)
Musikerin in Damenorchestern
3.6.1906 Witten a. d. Ruhr - 11.10.1957 Hamburg
Die musikalische Begabung der Geschwister Erni und Adolf Handke (31.12.1908-11.3.1975) zeigte sich schon früh. Ernis Bruder Adolf war von 1938 bis 1952 Erster Waldhornist im Berliner Philharmonischen Orchester, Ernis musikalische berufliche Laufbahn begann und endete in Hamburg in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Erni Handke spielte professionell Geige, Saxophon und Akkordeon. Sie trat u. a. mit dem Deutschen Damenorchester der Lissi vom Uhlenborn und mit dem Meistergeiger Ernesto Arcari aus Neapel im "Damen Attraktions-Orchester" auf. Sie gastierte mit den Damenorchestern u. a. im Haus Vaterland in Hamburg, einem "Konzertkaffee" mit Varieté und einem Tanzraum, in dem internationale Tanzkapellen auftraten. Das Repertoire der Damenorchester reichte von der U- bis zur E-Musik. Neben ihren künstlerischen Fertigkeiten hatten die Musikerinnen jung, schlank, elegant und äußerst attraktiv zu sein, um den Geschmack des zahlungskräftigen männlichen Publikums zu befriedigen. Gleichzeitig mussten die Musikerinnen, um in diesem Unterhaltungsgenre bestehen zu können, gefestigte Persönlichkeiten sein, die über selbstbewusste künstlerische Souveränität gepaart mit einem dezenten bescheidenen weiblichen Auftreten verfügten. Letzteres war von besonderer Überlebensnotwendigkeit, um sich gegen die immer wieder aufkommenden Verdächtigungen der Prostitution zu erwehren. Ihre sittsame, unschuldige und elegante-dezente Erscheinung wurde auch durch ihre Kleidung unterstrichen. Oft traten die Musikerinnen in Trachten oder in langen weißen ohne raffinierten Schnitt geschneiderten Kleidern auf.
Männliche Musiker sahen in den Damenorchestern oft eine Konkurrenz, die sie mit unlauteren Mitteln bekämpften. So unterstellten sie den Damen sittenloses und unmoralisches Verhalten, diskriminierten ihre Tätigkeiten als minderwertige künstlerische Arbeit und traten für ein Verbot von Damenkapellen ein. Doch solche Verbote konnten nicht durchgesetzt werden, denn die Damen galten als eigenes Unterhaltungsgenre mit einer besonderen Anziehungskraft, die männliche Musiker nicht aufweisen konnten. Allerdings schlug sich dies weder in der Höhe der Gagen noch in der gesellschaftlichen Anerkennung der Musikerinnen nieder. So schrieb Erni Kaufmann am 12. März 1927 aus Köln an ihre Familie: "Wir ziehen weit umher in der Welt, spielen und singen für weniges Geld. Menschen sieht in uns keiner. Zigeuner."
Die Engagements lagen zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten. In jeder neuen Stadt, in der die Musikerinnen auftraten, mussten sie bei der Meldebehörde vorstellig werden und ihr Führungszeugnis vorweisen. Auch kam es vor, dass sie ihren sittlich-moralischen Lebenswandel zu erklären hatten.
Im April 1942 heiratete Erni Handke Schorsch Kaufmann. Er wurde 1945 als Soldat im Zweiten Weltkrieg getötet.
Wilhelmine Marstrand (Antonia Josefina)
Pianistin und Pädagogin
7.8.1843 Donaueschingen - 16.8.1903 Spiez am Thuner See
Mit 16 Jahren begann Wilhelmine Marstrand ihr Studium am Stuttgarter Konservatorium. Sie gab erfolgreich Konzerte in verschiedenen Städten. 1868 zog sie nach Hamburg. Dort führte sie sich mit Johann Nepomuk Hummels a-moll-Konzert in der Philharmonie ein. Sie begann zu unterrichten und wurde Mitglied des Kollegiums am Hamburger Konservatorium. "Wilhelmine Marstrand war ein echter Charakter von merkwürdiger Festigkeit. Manches wäre nicht zustande gekommen, wenn sie sich nicht energisch und selbstlos dafür gemüht hätte. Mit nie ermüdender Fürsorge und mit heiligem Eifer arbeitete sie daran, die Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und sie immer mehr einzuführen in die Herrlichkeit der von ihr über alles geliebten Kunst."
Lola Rogge
Tanzpädagogin, Choreographin, Tänzerin
20.3.1908 Altona - 13.1.1990 Hamburg
1927 gründete sie die nach ihr benannte Lola Rogge Schule, deren Leitung sie 1977 ihrer Tochter Christiane Meyer-Rogge-Turner übergab. Lola Rogge führte die Hamburger Labanschule, die ihr Lehrer Rudolf von Laban, einer der Protagonisten des modernen Ausdruckstanzes, gegründet hatte, weiter. Neben der ihr wichtigen pädagogischen Arbeit, die die Basis für den heutigen Beruf der Lehrerin/Lehrers für Tanz und Tänzerische Gymnastik schuf, wirkte Lola Rogge als Tanzregisseurin am Deutschen Schauspielhaus. Unter ihren selbstständigen choreographischen Arbeiten schätzte sie das 1950 uraufgeführte Tanz-Requiem "Vita Nostra" am meisten. Zur Musik der zeitgenössischen Komponistin Aleida Montijn verwirklichte sie ihr Gelöbnis im letzten Kriegsjahr, ein Mahnmal gegen Krieg und Terror zu choreograhieren, sollte sie mit ihrer Familie den Krieg überleben.
Emmy Ruben (geb. Geister)
Mäzenin
7.2.1875 Hamburg - 4.6.1955 Hamburg
In der Zeit des Nationalsozialismus galten Bilder vieler Künstlerinnen und Künstler als entartet und wurden aus den Museen entfernt. Die Mäzenin Emmy Ruben ließ sich davon nicht beeindrucken. Mit dem Ankauf von Bildern half sie nicht nur finanziell, sondern stärkte damit auch das Selbstbewußtsein der Künstlerinnen und Künstler.
Ihr Mann, der Kaufmann Albert Ruben, mit dem sie drei Kinder bekam, hatte sie an das Mäzenatentum herangeführt, was sie nach seinem Tod im Jahre 1926 fortsetzte.
1948 schenkte Emmy Ruben, die u. a. Mitglied der "Frauenliga für Frieden und Freiheit" und der "GEDOK" (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen) war, ihre Kunstsammlung von 146 Exponaten der Hamburger Kunsthalle.
Amelie Ruths
Malerin der Vierlande und der Halligen
28.4.1871 Hamburg - 3.4.1956 Hamburg
Amelie Ruths entstammte einer bürgerlichen Familie und besuchte die Höhere Töchterschule von Helene Bonfort und Anna Meinertz. Als sie 24 Jahre alt war, starb ihr Vater und sein Bruder, der bekannte Landschaftsmaler Valentin Ruths zog zur Familie in die heutige Heinrich-Hertz-Straße. Seit etwa ihrem vierzehnten Lebensjahr hatte Amelie Ruths bei ihm Zeichen- und Malunterricht erhalten. Nun drängte er sie, das Zeichenlehrerinnenexamen zu machen, damit sie ihre Existenz sichere. Nach dem dreijährigen Besuch der Gewerbeschule für Mädchen mit dem Abschluss als Zeichenlehrerin arbeitete sie ab 1890 an verschiedenen Schulen. Als Valentin Ruths um 1900 erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1905. Im selben Jahr beschickte sie zum ersten Mal eine Ausstellung. Der Erfolg motivierte sie und mit Hilfe der kleinen Erbschaft von ihrem Onkel erlernte sie bei dem Belgier Henri Luyten Freilichtmalerei und studierte in Paris den Impressionismus. Doch ihre Liebe galt der Nordseeküste, den Vierlanden und besonders den Halligen, die sie 1920 zuerst besuchte. In der Malerei ging es ihr um Licht und Farbe. Selbst als sie so schwer erkrankte, dass sie 1929 vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, hielt sie an der Halligmalerei fest. Privat lebte sie mit ihren fünf Jahre jüngeren Geschwistern Frieda und Rudolph zusammen, die beide als Lehrer/in tätig waren. 1937 zogen sie in die Erikastraße 174. 1944 starb der Bruder. Als Amelie Ruths 1956 ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, erlitt ihre Schwester einen Herzschlag. Amelie Ruths, der man davon nichts erzählte, starb einen Monat später. Bilder von Amelie Ruths befinden sich z. B. in der Kunsthalle und im hamburgmuseum. Jedes Bild war für sie ein Stück erlebte Natur, das mittlerweile nicht mehr existierte.
Anna Marie Simon
Schriftstellerin, Pseudonym: Mania Korff
25.6.1864 Walsrode - 14.4.1931 Hamburg
Anna Simon war die Mutter von Leonore Toepke und Ellen Simon. Geboren als Tochter des Textilkaufmanns Julius Seckel und seiner Ehefrau Helene geb. Seckelsohn erkrankte Anna im Alter von sieben Jahren schwer und musste jahrelang das Bett hüten. Unregelmäßig erhielt sie Privatunterricht. Ihre Liebe galt der Literatur. Nach ihrer Genesung wollte sie Medizin studieren, doch ihre Eltern empfanden diesen Beruf als zu anstrengend für ihre Tochter. In dieser Zeit lernte sie Georg Simon kennen. 1889 heiratete das Paar. Es unternahm viele Reisen. Auf einer dieser Reisen nach Schweden lernte Anna Simon einige Schriftsteller kennen. Durch diese angeregt begann auch sie eine schriftstellerische Laufbahn. 1897 erschien in einem Erfurter Verlag ihr erster Roman. Die Themen ihrer Romane behandelten Liebe, Leid, Krankheit, Freude und Tod. Später beschäftigte sie sich literarisch auch mit sozialen Fragen, so mit dem Leben von Arbeiterfrauen. Anna Simon veröffentlichte unter dem Pseudonym Mania Korff. Sie hatte Erfolg. 1897 trat Anna Simon mit ihrem Mann und ihren drei Kindern zum Christentum über. Nach dem Tod ihres Mannes Ende 1903, der es bis zum Landgerichtsrat gebracht hatte, schrieb Anna Simon keine größeren Werke mehr. Zunehmende gesundheitliche Probleme waren wohl die Ursache. Nach dem Ersten Weltkrieg zog sie mit ihren beiden Töchtern (der Sohn war verstorben) nach Hamburg in den Uhlenhorsterweg 30, später dann an den Andreasbrunnen 8.
Recherchen Dr. Stephan Heinemann, Potsdam
Leonore (Lola) Toepke geb. Simon
Bildhauerin
4.7.1891 Leopoldshall - 3.1.1945 im KZ Stutthoff
Lola Toepke war die Tochter der Schriftstellerin Anna Marie Simon. Lolas Ehe währte nur kurz. Sie besuchte die Landeskunstschule bei J.M. Bossard. 1928 hatte sie ein eigenes Atelier in der Breiten Straße 14. Sie arbeitete vorwiegend in Ton und Gips und schuf Portraits, figürliche Plastiken und Büsten. Ihre Vorbilder waren Barlach und Rodin. Nach dem Tod ihrer Mutter und Wegzug ihrer Schwester Ellen Simon zog Lola Toepke nach 1933 in die Lübecker Str. 82, wo sie auch ihrer künstlerischen Arbeit nachging. Lola Toepke wurde wegen ihrer jüdischen Abstammung am 25.4.1933 unehrenhaft aus der Hamburger Künstlerschaft und 1938 aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgestoßen. Sie durfte nicht mehr ausstellen. Am 6.12.1941 wurde sie ins Konzentrationslager Riga deportiert und von dort am 1.10.1944 ins KZ Stutthof.
Recherchen Dr. Stephan Heinemann, Potsdam
Edith Weiss-Mann (geb. Weiss)
Cembalistin, Klavierpädagogin, Musikkritikerin
11.5.1885 Hamburg - 18.5.1951 Westfield/New Jersey, USA
Edith Weiss-Mann war eine der ersten Cembalistinnen. Die Kaufmannstochter kam mit 15 Jahren an die Berliner Hochschule für Musik. Nach dem Examen gab sie privaten Klavierunterricht, bildete an der Hamburger Universität Musiklehrerinnen und -lehrer aus, wirkte 1923 beim Aufbau der Volksmusikschule mit und gründete 1925 die Vereinigung zur Pflege alter Musik in Hamburg. 1933 auf Grund ihrer jüdischen Abstammung als Lehrkraft entlassen, durfte sie nicht mehr öffentlich auftreten. 1939 emigrierte Edith Weiss-Mann zu ihrem Sohn in die USA, wo sie sich erfolgreich eine neue Karriere aufbaute. Nach ihrem Tod wurde ihre Urne in der Grabanlage ihrer Schwiegereltern - sie war mit dem Kunstmaler Wilhelm Mann verheiratet gewesen - beigesetzt.
Gretchen Wohlwill
Malerin der Hamburgischen Sezession
27.11.1878 Hamburg - 17.5.1962 Hamburg
Pflicht, Güte und Nächstenliebe war das Lebensmotto der Malerin Gretchen Wohlwill. Ihre Eltern, der Vater Chemiker, wandten sich vom jüdischen Glauben ab. In den Geburtsscheinen ihrer Kinder stand "konfessionslos". Nach ihrer Kunstausbildung machte sie das Zeichenlehrerinnenexamen, arbeitete ab 1910 als Kunsterzieherin an der Emilie-Wüstenfeld-Schule und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Hamburgischen Sezession. 1933 wurde sie aus dem Schuldienst entlassen und aus der Hamburgischen Künstlerschaft ausgeschlossen. 1937 wurden vier ihrer Arbeiten als entartet beschlagnahmt, 1938 ihre für die Emilie-Wüstenfeld-Schule gemalten Wandbilder übermalt. 1940 emigrierte sie nach Portugal, kehrte 1952 nach Hamburg zurück und errang als Künstlerin Anerkennung und Auszeichnungen.
Henny Wolff
Konzert- und Oratoriensängerin, Gesangspädagogin
3.2.1896 Köln - 29.1.1965 Hamburg
Da die Mutter Konzertsängerin und Gesangspädagogin war und der Vater als Musikkritiker arbeitete, hatte Henny Wolff schon als Sechsjährige den Wunsch, Sängerin zu werden. Zwischen ihrem zehnten und sechszehnten Lebensjahr erhielt sie Unterricht am Kölner Konservatorium. Als Bach- und Händel-Interpretin gelangte die Sopranistin zu Weltruhm. Daneben standen Lieder von Brahms und Werke der Moderne auf ihrem Programm. Zeitlebens arbeitete Henny Wolff auch als Gesangspädagogin. Von 1914 bis 1916 lehrte sie am Bonner Konservatorium, ging 1922 nach Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hamburg. Dort leitete sie von 1950 bis 1964 die Klasse für Sologesang an der Musikhochschule. 1958 erhielt sie die Brahms-Medaille.