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| Steine der Erinnerung |
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Die Spirale symbolisiert das immer wiederkehrende Leben. So erinnern die in solcher Form aufgestellten Steine an Frauen, die keinen Grabstein mehr haben.
Frauen dem Vergessen entreißen, sich ihrer wieder erinnern ist der Sinn, diese Steine im Garten der Frauen aufzustellen.
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Dr. Margarete Adam |
Hochschullehrerin, leistete Widerstand gegen das NS-Regime, ohne einer Widerstandsgruppe anzugehören
13.07. 1885 - starb in den letzten Januartagen 1946 in Berlin |
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| Dr. Margarete Adam, Dozentin an der Hamburger Universität und an der Volkshochschule in Hamburg, entstammte einer deutsch-nationalen Familie und war überzeugte Katholikin. In den ersten Jahren der Herrschaft des Nationalsozialismus wandte sie sich in Briefen und Flugblättern an Reichswehroffiziere und bekannte Personen des öffentlichen Lebens in der Hoffnung, dass diese Menschen bereit und imstande seien, Hitler zu stürzen. 1937 wurde Dr. Margarete Adam verhaftet und zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie kam in die Frauengefängnisse Lübeck-Lauerhof und Cottbus und dort in Einzelhaft. 1944 wurde sie wegen Haftunfähigkeit in das Krankenhaus Rosstal bei Dresden und später in die Berliner Charité gebracht, wo sie in den letzten Tagen des Januars 1946 starb.
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| Marie Bautz geb. Bachmann |
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SPD-Bürgerschaftsabgeordnete
1.2.1879 Eppishofen bei Augsburg - 30.12.1929 Hamburg |
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Marie Bautz arbeitete zuerst als Dienstmädchen und später bis zu ihrer Verheiratung im Jahre 1900 als Fabrikarbeiterin. 1907 kam sie nach Hamburg und wurde 1913 Geschäftsführerin im Verband der Hausangestellten.
Nachdem 1918 die Frauen das aktive und passive Wahlrecht erkämpft hatten, wurden 1919 bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft zum ersten Mal Frauen in die Bürgerschaft gewählt. 168 Männer und siebzehn Frauen zogen 1919 in die Bürgerschaft ein. Unter ihnen war auch Marie Bautz. Sie und weitere acht Frauen gehörten der SPD-Fraktion an., vier Frauen der DDP (Deutsche Demokratische Partei), zwei der USPD (Unabhängige sozialdemokratische Partei), eine der DVP (Deutsche Volkspartei) und eine weitere der DNVP (Deutschnationale Volkspartei). Schwerpunkte der Politik der weiblichen Bürgerschaftsabgeordneten waren die Bereiche Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege, Bevölkerungspolitik und Gesundheitsfürsorge, Jugendpflege und Schulpolitik sowie Ehe- und Familienrecht.
Obwohl Frauen nun das aktive und passive Wahlrecht besaßen, blieben sie im Parlament in der Minderheit und erhielten kaum aussichtsreiche Listenplätze. Frauen waren als Politikerinnen nicht gefragt.
Marie Bautz war von 1919 bis 1924 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und Deputierte der Behörde für Öffentliche Jugendfürsorge.
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Helene Bonfort und Anna Meinertz |
Lebensgefährtinnen, Gründerinnen der Hamburger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins
10.3.1854 Hamburg - 5.6.1940 München; 29.12.1840 Düsseldorf - 10.9.1922 Hamburg |
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Helene Bonfort, aus einem liberalen jüdischen Elternhaus stammend - die Mutter war Mitbegründerin der Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht - wurde Lehrerin. Sie lebte mit ihrer Lebensgefährtin und Berufskollegin Anna Meinertz zusammen. Die beiden hatten sich in Düsseldorf kennen gelernt, wo Anna Meinertz, Tochter eines höheren Beamten, bereits im Alter von 16 Jahren als Lehrerin begann, um ihre früh verwitwete Mutter zu unterstützen.
Das Frauenpaar übernahm in Hamburg die Leitung einer höheren Töchterschule, gründete die erste Volkslesehalle und 1896 die HH Ortsgruppe des Allgem. Deutschen Frauenvereins, deren Vorsitzende Helene Bonfort von 1896-1900 und von 1904-1916 war. Der Verein bot Frauen z. B. Rechtsschutz und gab Berufsberatung. Er kümmerte sich um Frauenbildung und -studium, um Heimarbeiterinneninteressen und um soziale Belange. Anna Meinertz gründete den Ausschuss für die Vorbereitung der Dienstmädchenlehranstalt "Annaheim" in Altona und diverse Kinderhorte.
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| Laura Bromberg |
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Aktiv in der bürgerlichen Frauenbewegung
15.12.1852 - 20.12.1927 Hamburg |
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Laura Bromberg war die zweite Vorsitzende der 1896 von der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins gegründeten Rechtsberatungsstelle für Frauen am Brandsende 5. Hier wurde "von Frau zu Frau" beraten. Um kompetent Auskunft zu geben, mussten sich die beratenden Frauen in wichtige juristische Fragen selbst einarbeiten. Dies konnten sich nur wirtschaftlich unabhängige bzw. nicht auf Erwerbsarbeit angewiesene Frauen leisten, da nur sie die entsprechende Zeit für das Selbststudium erübrigen konnten.
Laura Bromberg muss ihrer ehrenamtliche Tätigkeit hoch engagiert nachgegangen sein. Der Hamburgische Correspondent schrieb in einem Nachruf über sie: "Hier tätig zu sein, hier mit jener scharf logischen und in aller Wirrnis der meist mit bedeutend mehr Breitschweifigkeit als Klarheit von den Klientinnen (aller Gesellschaftsschichten) vorgetragenen Klagen, den Kernpunkt erkennenden Art der Sache auf den Grund zu gehen und ihren Schützlingen mit weitsichtigem, lebenserfahrenem Rat und Tat beizustehen, war Laura Brombergs selbstverständliche, liebgewordene Pflicht."
Laura Bromberg war in noch weiteren Frauenvereinen tätig. Sie war Mitbegründerin des Frauenvereins zur Unterstützung der Armenpflege. Außerdem war sie im Vorstand der Stellenvermittlung für weibliches Hauspersonal, die ihren Sitz in der ABC-Straße 57 hatte und 1900 von der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen gegründet worden war, um den damals bestehenden Mangel an Dienstmädchen zu beheben und eine "Hebung des Dienstbotenstandes" zu erreichen. Um Letzteres voranzutreiben, wies die Stellenvermittlung Arbeitgeberinnen auf ihre Vorbildfunktion hin.
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Clémence Budow |
Frauenpolitikerin
8.12.1908 Riga - 10.5.1995 Hamburg |
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| Clémence Budow, geboren in Riga als Tochter einer Lübecker Kaufmannsfamilie, machte in Hamburg Abitur und erlernte den Sekretärinnenberuf.
Der erste Intendant der NORAG (NDR) stellte sie als Vorzimmerdame ein. Zusammen mit seiner Frau produzierte sie die erste Frauenfunksendung.
Später wurde sie Chefredakteurin der größten Hausfrauenzeitung. Der Krieg nahm ihr den Mann. Sein Tod machte sie zur Pazifistin.
Sie kümmerte sich um Kriegsgräber, vor allem von Frauen und leitete die Heimkehrerhilfe der DHG. Von 1953-1957 war sie Bürgerschaftsabgeordnete.
Als langjährige Vorsitzende des Verbandes weiblicher Angestellter war sie Gründungsmitglied des Landesfrauenrats, Vorsitzende seines juristischen
Trägerverbandes und viele Jahre im Ausstellungsausschuss der Messe DU UND DEINE WELT tätig. Für ihr frauenpolitisches Engagement erhielt sie den Ehrenpreis
des Landesfrauenrats und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
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| Bertha Dehn |
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Geigerin
23.11.1881 Hamburg - 17.4.1953 Hamburg |
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1915 wurde Bertha Dehn ans Hamburger Stadttheater verpflichtet. Als einzige Frau saß sie im Orchestergraben und spielte die Erste Geige. Sie war das sechste von acht Kindern eines Arztehepaares und arbeitete ab 1909 als Musiklehrerin.
Dass für ihre Degradierung vom Ersten ans Zweite Pult bei der Umwandlung des Orchesters im Jahre 1932 und für ihre Kündigung im September 1933 ihre jüdische Herkunft ausschlaggebend war, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Dass es Bertha Dehn gelang, durch Gutachten ihre Kündigung in eine frühzeitige Pensionierung aus Krankheitsgründen umzuwandeln, spricht nicht dagegen, denn eine solche Lösung erwirkte der damalige Operndirektor Albert Ruch auch für andere jüdische Mitglieder des Hauses. Bertha Dehn war aber offenbar wirklich schwer krank. Die Anfeindungen der Nazis mögen die Lebensenergie dieser sensiblen Künstlerin in ganz besonderer Weise getroffen haben. Nach ihrer Pensionierung wirkte sie im Jüdischen Kammerorchester mit. Kurz vor ihrer vorgesehenen Deportation in das KZ Lodz emigrierte Bertha Dehn 1941 nach Ecuador zu ihrem Bruder. Sie gab Geigen- und Sprachunterricht, spielte in einem Streichquartett, lebte zwei Jahre in Brasilien und kehrte 1948 nach Hamburg zurück, wo sie in einer Wohnung im Jüdischen Altersheim lebte.
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Ingeborg Eggert-Sander |
Journalistin, aktiv in Frauenverbänden
22.6.1922 Kiel - 12.4.2005 Seevetal |
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| Ingeborg Eggert, älteste Tochter des Oberleutnants zur See und Vizeadmirals Friedrich Ruge und seiner Frau Ruth geb. Greeff, wuchs mit vier Geschwistern auf. Ihre erste Auslandsreise führte sie 1937 mit ihrem Vater sechs Wochen nach England. 1940 machte sie Abitur, heiratete im Zweiten Weltkrieg, bekam zwei Kinder, ließ sich bald scheiden und arbeitete als Fremdsprachensekretärin. Von 1949 bis 1952 war sie Mitarbeiterin des "Naval Historical Team" in Bremerhaven, in dem ehemalige hochrangige deutsche Marineoffiziere Kriegserfahrungen aufarbeiteten. In diesen Jahren schrieb sie erste Fachartikel im Bereich Seefahrt und arbeitete an den Büchern ihres Vaters mit, der auch international Anerkennung als Militärhistoriker gefunden hatte. 1953 dann die zweite Ehe. Ingeborg Eggert bekam zwei weitere Kinder und war nun überwiegend die Ernährerin der Familie. 1954 trat sie dem Deutsch-.Amerikanischen Frauenclub in Bremerhaven bei, dessen Vorstandsmitglied sie ab 1956 wurde. Im selben Jahr gründete sie für die Amerikaner im Land Bremen die Zeitschrift "Your German Companion", deren alleinverantwortliche Redakteurin sie wurde. Sie schrieb zahlreiche Artikel über Schifffahrt und Wirtschaft. 1957 erfolgte eine erneute Scheidung. Nun war sie alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Ab 1965 lebte Ingeborg Eggert in Hamburg und wurde dort als Journalistin, Redakteurin und Lektorin tätig. Zwölf Jahre war sie bei der Zeitschrift "Yacht" für die Schlussredaktion zuständig - anfangs als einzige Redakteurin in einem spezialisierten Männerteam. Auch in Hamburg übte sie überwiegend Vorstandsfunktion im Deutsch-Amerikanischen Frauenclub aus. 1974 unternahm sie mit ihrem Vater, den ersten Inspekteur der Bundesmarine und späteren Professor an der Universität Tübingen, eine mehrwöchige Amerikareise. Von 1975 bis 1979 war sie Vorstandsmitglied im Dachverband der Deutsch-Amerikanischen Clubs und zuständig für Norddeutschland und Berlin, ab 1983 Delegierte im Landesfrauenrat Hamburg und seit 1985 Vorsitzende des Kuratoriums der Hamburger Bibliothek für Frauenfragen und Vorstandsmitglied des Hamburger Verbandes für Fraueninteressen. Ingeborg Eggert machte sich durch ihren unermüdlichen und kenntnisreichen Einsatz für den Auf- und Ausbau der "Hamburger Bibliothek für Frauenfragen" des Landesfrauenrates verdient und erhielt 1989 den Zitronenjette Preis des Landesfrauenrates. 1984 ging sie ihre vierte Ehe ein. Mit Helmut Sander war sie bis zu seinem Tod glücklich verheiratet. Am Ende ihres Lebens war Ingeborg Eggert, die auch Gründungsmitglied des Vereins Garten der Frauen war, Jörg Hillmann beim Verfassen einer Biographie über ihren Vater behilflich. Sie selbst schrieb darin ein persönliches Kapitel über ihren Vater.
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| Emma Ender (geb. Behle) |
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Frauenrechtlerin, Bürgerschaftsabgeordnete (Deutsche Volks Partei)
2.8.1875 Frankfurt a. M. - 25.2.1954 Hamburg |
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| Der Vater, ein wohlhabender Kaufmann, verbot seiner Tochter, einen Beruf zu erlernen. Mit 25 Jahren heiratete Emma Ender und schloss sich dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) an. Dort widmete sich die kinderlos Gebliebene der Kinder- und Jugendarbeit. Sie war u.a. von 1910-1919 Vorsitzende des Verbandes Hamburger Mädchenhorte, von 1907-1916 stellvertretende Vorsitzende des ADF Ortsgruppe Hamburg. Im Ersten Weltkrieg gehörte sie zu den Gründerinnen des Frauenausschusses der Hamburger Kriegshilfe. Emma Ender setzte sich für das Frauenwahlrecht ein und gründete den Wahlwerbeausschuss des Stadtbundes Hamburger Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie war. Von 1919-1924 war sie Bürgerschaftsabgeordnete der DVP, ab 1924 Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauen. Als Gegnerin des Nationalsozialismus zog sich Emma Ender 1933 aus dem öffentlichen Leben zurück. |
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Klara Fricke (geb. Magers) |
ehrenamtlich tätig im Sozialbereich
4.2.1871 Hamburg - 16.10.1951 Hamburg |
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| Durch ihre wohlhabenden sozial engagierten Eltern und ihren ehrenamtlich in der Armenfürsorge tätigen Ehemann, beeinflusst, sah die kinderlose Klara Fricke ihr Betätigungsfeld in der Jugendpflege. Anfang des 20. Jhds. wurde sie zur Armen- und Waisenpflegerin ernannt.
Sie war Leiterin eines Mädchenhortes auf St. Pauli, 1912 Mitbegründerin und ab 1915 Vorsitzende des Verbandes für Waisenpflege, Armenpflege und Vormundschaft, von 1916-1934 Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und von 1924-1933 Vorsitzende des Ausschusses zur Förderung der Jugendwohlfahrt. 1919 wurde sie als erste ehrenamtlich tätige Frau in die Vormundschaftsbehörde aufgenommen. In der NS-Zeit zog sie sich aus der ehrenamtlichen Arbeit zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Mitbegründerin des Hamburger Frauenrings. |
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| Martha Golembiewski |
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Verfolgte des Nazi-Regimes
16.2.1900 Kreis Mühlheim - 25.9.1943 Hamburg |
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| Martha Golembiewski starb im KZ-Fuhlsbüttel und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in einem, heute nicht mehr vorhandenen, Reihengrab beigesetzt. Ihre Akten weisen sie als "Wiedereindeutschungsfähige" aus. Obwohl bei Mühlheim geboren, scheint Martha Golembiewski in Polen gewohnt zu haben. Die 1939 im annektierten Polen lebenden Menschen wurden nach "Deutschstämmige", "Eindeutschungsfähige" oder "Fremdvölkische" eingeteilt. Wer ökonomischen Nutzen brachte, wurde "eingedeutscht" und ins Deutsche Reich verschleppt. Martha Golembiewski kam nach Hamburg, wo sie in der Isestraße 41 als Hausangestellte arbeitete. Ihre Inhaftierung ins KZ-Fuhlsbüttel veranlasste das "Ausländerreferat" II E.2. der Gestapo. Es gab als Inhaftierungsgrund oft "Arbeitsvertragsbruch" an, obwohl meist politische Gründe zur Inhaftierung führten. |
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Erna Hoffmann |
Opfer der Euthanasie
11.8.1892 Hamburg - 27.10.1942 Pfafferode |
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Ende April 1938 wurde Erna Hoffmann als eine von mehreren Hundert Patientinnen der "Irrenanstalt" Hamburg Langenhorn
in das Krankenhaus für Behinderte und psychisch Kranke nach Rickling/Schleswig-Holstein verlegt, wo die Versorgung der
PatientInnen u. a. kostengünstiger war. Die Hamburger "Irrenanstalten" Langenhorn und Friedrichsberg wurden zur Aufnahme
"wertvollerer" Kranker benutzt, denn im Nationalsozialismus galten Behinderte und psychisch Kranke als "wertlos". Deshalb
wurde die Vernichtung "unwerten Lebens", bewusst verursacht z. B. durch mangelhafte Versorgung und schlechte Behandlung
als "normal" angesehen. 1941 sollte auch Rickling nicht mehr als Heim für Behinderte und psychisch Kranke dienen. So wurden
am 25. und 28. Nov. 1941 170 Hamburger Patientinnen, die in Rickling untergebracht waren, darunter auch Erna Hoffmann,
in die Heil- und Pflegeanstalt Pfafferode/Thüringen abtransportiert. Dort wurden Menschen direkt mit Gift getötet, oder
man ließ sie durch Nahrungsentzug verhungern. Nur zehn der Frauen aus Rickling überlebten das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.
Erna Hoffmanns Schicksal steht für die Frauen, die zwischen November 1941 und dem Kriegsende 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt
durch Nahrungsentzug verhungert sind.
Erna Hoffmann steht für eine große Anzahl Hamburger Frauen, die als Opfer der Euthanasie systematisch durch Nahrungsentzug getötet wurden. Deshalb wurde der kompakte Stein ausgehöhlt und mit Glassplittern gefüllt, die an die durchscheinenden verhungerten Körper erinnern sollen. Die Glasstäbe werden begrenzt und eingeschlossen durch Eisenstäbe, was das zwangsweise Eingesperrtsein dieser Frauen versinnbildlicht. |
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| Gertrud Lockmann (geb. Buschow) |
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aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime, Bürgerschaftsabgeordnete (SPD)
29.4.1895 Hamburg - 10.9.1962 Hamburg |
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| Gertrud Lockmann, gelernte Buchhalterin und seit ihrem 17. Lebensjahr Mitglied der SPD, leitete gemeinsam mit ihrem Mann , mit dem sie ein Kind hatte und von dem sie sich später scheiden ließ, das Genesungsheim der Betriebskrankenkasse für staatliche Angestellte in Goslar. Da sie den offiziellen Kurs der SPD im Kampf gegen den Nationalsozialismus ablehnte, schloss sie sich 1931 der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an. 1933 verlor sie aus politischen Gründen ihren Arbeitsplatz, musste vor der Gestapo fliehen, tauchte ein Jahr lang unter und knüpfte Kontakt zur Widerstandsgruppe "Bästlein-Jacob-Abshagen". Als Bürgerschaftsabgeordnete von 1946-1950 und von 1957-1961 setzte sie sich für die Interessen der Hausfrauen ein. 1951 erhielt sie als zweite Hamburger Sozialdemokratin ein Bundestagsmandat. |
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Elfriede Lohse-Wächtler |
Malerin; NS-Euthanasieopfer
4.12.1899 Dresden - 31.7.1940 Pirma |
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Aufgewachsen in einem bürgerlichen Elternhaus, versuchten die Eltern die künstlerische Laufbahn ihrer Tochter zu verhindern. 1915 begann sie ein Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule Dresden. Der Vater wollte, dass sie "Mode und weibliche Handarbeiten" studiere, was in seinen Augen einem "züchtigen Weibe" entsprach. Doch Elfriede Wächtler hatte ihren eigenen Kopf und wechselte 1916 das Fach, studierte "Angewandte Graphik", um freischaffende Künstlerin zu werden und verließ das Elternhaus. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Batikarbeiten. Elfriede Wächtler verkehrte in der Dresdner Boheme und war eine Anhängerin des Dadaismus. Sie schnitt sich die Zöpfe ab, trug Herrenhüte und Männerhosen, rauchte Pfeife und Zigarren und gab sich den männlichen Namen "Nikolaus", um dem Makel der damaligen verpönten "Frauenkunst" entgegenzuwirken. Sie fand Anschluss bei der Dresdner "Sezession Gruppe 1919". 1921 heiratete sie den Maler und Opernsänger Kurt Lohse - ein unglückliche Verbindung, er soll verschwenderisch und rücksichtslos gewesen sein. 1925 zog das Paar nach Hamburg. Ein Jahr später trennte es sich. Kurt Lohse zog zu seiner Freundin, die 1927 das erste von fünf Kindern mit ihm bekam. Für Elfriede Lohse-Wächtler, die aus wirtschaftlichen Gründen mehrmals abgetrieben hatte, ein tiefer Schock.
Elfriede Lohse-Wächtler lebte in finanziell engen Verhältnissen. Dennoch hatte sie in Hamburg eine ihrer kreativsten Schaffenszeiten. Zwischen 1927 und 1931 entstanden einige ihrer Hauptwerke in Öl, Pastell und Aquarell. Sie malte Portraits, Paarbeziehungen, Bilder aus dem Prostituierten- und Arbeitermilieu. 1929 erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und kam in die psychiatrische Klinik Hamburg-Friedrichsberg. Dort malte sie die "Friedrichsberger Köpfe", ca. 60 Zeichnungen und Pastelle als Kopf- und Körperstudien von psychisch Kranken. Die Bilder erhielten gute Kritiken. Elfriede Lohse- Wächtler wurde bekannt, was sich finanziell nicht auswirkte. Bis 1931 nahm sie an zahlreichen Ausstellungen teil u. a. in der Hamburger Kunsthalle. 1931 wurde sie obdachlos, übernachtete in Bahnhofswartehallen und kehrte schließlich in ihr Elternhaus zurück, wo die Spannungen mit ihren Eltern wieder auftraten. 1932 ließ ihr Vater sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf einweisen. Die Diagnose: Schizophrenie. Anfangs konnte sie noch schöpferisch tätig sein. Doch nachdem sich Kurt Lohse 1935 von ihr wegen ihrer "unheilbaren Geisteskrankheit" scheiden ließ, sie entmündigt und zwangssterilisiert wurde, zerbrach ihre Schaffenskraft. 1937 diffamierten die Nazis Elfriede Lohse-Wächtlers Kunst als "entartet". 1940 kam sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Pirma-Sonnenschein und wurde dort im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion T4 getötet.
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| Margarethe Meyer Schurz |
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Wegbereiterin des Kindergartens in den USA
27.8.1833 Hamburg - 15.3.1876 New York |
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Margarethe Meyer Schurz war die jüngste Tochter des vermögenden Hamburger Kaufmanns Heinrich Christian Meyer. Durch ihre älteren Schwestern Amalie (verh. Westendarp) und Bertha (gesch. Traun, verh. Ronge) kam sie früh mit den Fragen der Zeit um Demokratie, Freiheit, Bürgerrechte, Frauenbildung und Kindererziehung nach Fröbels Leitsätzen in Berührung. 1849/50 war sie eine Schülerin Friedrich Fröbels und besuchte die Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht. Sie heiratete den im Londoner Exil lebenden Anhänger der bürgerlichen Revolution von 1848 Carl Schurz, den späteren US-Innenminister. Das Paar wanderte in die USA aus, wo Margarethe Meyer Schurz in ihrem Wohnhaus in Watertown 1856 einen Kindergarten gründete. Später fand sie ein kleines Haus im Stadtzentrum - es wurde der erste Kindergarten in den USA. Mit ihm gab Margarethe Meyer Schurz den Impuls zu einem neuen und neuartigen Erziehungssystem in den USA und öffnete den Kindergarten-Gedanken einem ganzen Kontinent. Margarethe Meyer Schurz starb in New York nach der Geburt ihres fünften Kindes an Kindbettfieber. Ihr Leichnam wurde nach Hamburg überführt und in der Meyerschen Familiengruft beigesetzt, der Sarg 1914 auf dem Ohlsdorfer Friedhof umgebettet. Das einstige Kindergarten-Gebäude in Watertown wurde 1957 zu einem Museum.
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Dr. Martha Muchow |
Psychologin
25.9.1892 Hamburg - 29.9.1933 Hamburg |
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| Ursprünglich Lehrerin, schloss Martha Muchow ein Studium der Psychologie ab und arbeitete am psychologischen Institut der Universität Hamburg, wo ihr Schwerpunkt in der Einführung eines sozialpädagogischen Praktikums in der LehrerInnenausbildung lag. Als sie nach Lehrtätigkeiten in den USA nach Hamburg zurückkehrte, hatten die Nazis die Macht ergriffen. Es folgten scharfe Auseinandersetzungen mit der Landesunterrichtsbehörde, weil Martha Muchow die Erziehungsmethoden der Nazis aus humanitären Gründen nicht mittrug. Deshalb sollte sie in den Schuldienst zurückkehren. In dieser Zeit starb auch noch ihre Mutter. Die Verzweifelte hatte keine Zeit zur Trauer und zum Rückzug. Täglich baten Verfolgte und Geächtete um ihren Beistand. Zwei Tage nach ihrer Suspendierung vom Institut unternahm sie einen Suizidversuch, an dessen Folgen sie verstarb. |
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| Margarethe Münch (geb. Wille) |
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Gründerin und erste Leiterin der Hamburger Kinderpflegerinnenschule
12.4.1894 Hamburg - 13.1.1930 Hamburg |
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Margarethe Münch war das vierte von fünf Kindern einer 1898 im 30. Lebensjahr verstorbenen Hausfrau und eines Kaufmanns. Sie besuchte ab 1900 die höhere Töchterschule von Gude Kuk und bis 1911 das Kindergärtnerinnen-Seminar des Fröbel-Hauses. Nach verschiedenen Anstellungen übernahm sie 1914 die Leitung der Warteschule im Waisenhaus der Stadt Hamburg. Von 1915 bis 1916 folgte die Fachausbildung im Kindergärtnerinnen-Seminar des Fröbel-Hauses mit der staatlichen Prüfung zur Kindergärtnerin. Nach erneut verschiedenen Anstellungen arbeitete sie von April bis Dezember 1918 als Technische Lehrerin an der Kinderpflegerinnenschule des Fröbelvereins. 1919 erreichte sie nach einjährigem Besuch des Lyzeums der Klosterschule den Lyceal-Abschluss. Danach konnte sie die Fachausbildung zur Jugendleiterin im staatlichen Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin absolvieren und arbeitete anschließend als aufsichtführende Jugendleiterin für die Vereinigten Fröbelkindergärten.
Auf Anregung und mit der Unterstützung mehrerer Hamburger Bürgerinnen (u.a. Anna Warburg) erarbeitete sie ab Februar 1922 den Lehrplan für eine private Kinderpflegerinnenschule mit angeschlossenem Internat, durch deren Besuch Mädchen aus "einfachen" Verhältnissen eine Berufsausbildung ermöglicht werden sollte. Im Mai 1922 wurde die Hamburger Kinderpflegerinnenschule mit Margarethe Münch als Leiterin eröffnet.
Am 28.12.1923 heiratete Margarethe Münch den Bibliothekar Walter Münch. Trotz der Geburt ihrer Tochter Maria am 11.08.1924 arbeitete sie weiter als Lehrerin und Leiterin der Schule. Am 1.5.1927 übernahm die Berufsschulbehörde die Kinderpflegerinnenschule. Die Schulleitung verblieb bei Margarethe Münch bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1930. |
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Elisabeth Pape |
Gründerin des Verbandes für Altersschutz
5.9.1870 Hamburg - 15.2.1964 Hamburg |
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| Elisabeth Pape setzte sich als Lehrerin (tätig von 1889-1929, dann Wechsel in die Verwaltung der Oberschulbehörde)
für die Gleichberechtigung der Lehrerinnen ein. Sie unternahm als erste weibl. Lehrkraft auf eigene Kosten mit ihren Schülerinnen eine
Klassenreise und konnte in den 20-er Jahren das vom Allgm. Deutschen Lehrerinnenverein schon lange geforderte Klassenlehreramt für Frauen
in den höheren Klassen des Mädchenschulwesens durchsetzen. 1920 gründete sie den Verband für Altersschutz und ließ das Rentnerheim Fiefstücken
errichten. Sie war Vorstandsmitglied des Hamburger Seehospitals Nordheim Stiftung in Sahlenburg, Ehrenmitglied des Verb. Dt. Landschulheime und
erhielt 1952 für ihre Arbeit im Dienste der Wohltätigkeit das Bundesverdienstkreuz. Von 1921-1932 war sie Bürgerschaftsabgeordnete der Deutschen Volks Partei. |
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| Margaretha Rothe |
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Medizinstudentin, leiste Widerstand gegen das NS-Regime
13.6.1919 Hamburg-15.4.1945 Leipzig |
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| Margaretha Rothe, seit 1936 Schülerin der Lichtwarkschule, nahm zeitweilig am privaten "Lesekreis" der Lehrerin Erna Stahl teil. 1937, nach Aufhebung der Koedukation an der Lichtwarkschule wechselte Margaretha Rothe zur Klosterschule, an der sie 1938 Abitur machte. Als Medizinstudentin suchte sie am Universitätskrankenhaus Eppendorf Kontakt zu oppositionellen Kommilitonen und wagte den Schritt in den Widerstand. Sie druckte und verteilte Streuzettel mit Frequenzen und Sendezeiten ausländischer Rundfunksender. 1941/42 erweiterte sich ihr Freundeskreis, zu ihm stießen u. a. der Chemiestudent Hans Leipelt und Reinhold Meyer, Junior-Chef der Buchhandlung des Rauen Hauses am Jungfernstieg, wo sich im Keller nachts der Kreis traf. Durch Margaretha Rothes Kommilitonin Traute Lafrenz, die in München Kontakt zu Hans und Sophie Scholl hatte, gelangten einige Flugblätter der "Weißen Rose" nach Hamburg, wo der Freundeskreis sie verbreitete. Seine Treffen flogen durch Verrat auf. Seit Ende 1943 kamen Margaretha Rothe und über dreißig weitere Personen - später "Hamburger Zweig der Weißen Rose" genannt - ins Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel. Von dort wurde Margaretha Rothe im November 1944 über Berlin und Cottbus nach Leipzig transportiert, wo sie schwer erkrankt am 10.2.1945 ins Frauengefängnis Leipzig kam und von dort einen Monat später ins dortige Krankenhaus. Hier starb sie am 15.4. an den Folgen einer Lungentuberkulose.
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| Dieser Stein ist nach einer Idee einer Schülerin des Margaretha Rothe Gymnasiums aus Hamburg entworfen und hergestellt worden. Die Schülerinnen und Schüler hatten zum Leben und Wirken von Margaretha Rothe geforscht und dafür 2005 den Bertinipreis erhalten. Der Stein ist in der Mitte ausgehöhlt. Da Margaretha Rothe Widerstand gegen das NS-Regime leistete, indem sie in Hamburg die Flugblätter der Geschwister Scholl heimlich verteilte, wurde in die Steinaushöhlung eine aus Metall geformte Schwalbe hineingehängt. Diese Schwalbe versinnbildlicht ein zu einer Schwalbe gefaltetes Flugblatt der Geschwister Scholl, das aus der Öffnung, gemeint ist hier das Zellenfenster, hinter dem Margaretha Rothe saß, in die Freiheit fliegt.
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Hedwig von Schlichting |
Erste Oberin im AK Eppendorf, Gründerin des Schwesterns-Verein der Allgemeinen Staatskrankenanstalten
29.10.1861 Berlin - 14.11.1924 Hamburg |
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| Ausgebildet als Krankenpflegerin kam die Tochter eines Generals 1894 ans AK Eppendorf, wurde dort die erste Oberin und baute einen eigenständigen Schwesternverband auf. Wegen ihres Durchsetzungsvermögens hinsichtlich ihrer Vorstellungen im Bereich des Pflegepersonals kam es zu Konflikten mit dem Krankenhausdirektor Prof. Rumpf. Da das Kollegium jedoch Hedwig von Schlichting in ihrer Funktionsausübung bestärkte, trat der Direktor von seinem Amt zurück. Ein Jahr später verließ Hedwig von Schlichtig 1902 das Krankenhaus, weil der zuständige Bürgerschaftsausschuss die Ursache des Konfliktes in der Doppelfunktion der Oberin als Leiterin des Schwestern-Vereins und der Schwesternschule sowie als Oberin des Krankenhauses sah. |
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| Ingrid Schulze-Sievers geb. Sievers |
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Diplom-Volkswirtin ausgezeichnet mit der Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes
4.8.1918 Königsberg - 15.12.1999 Hamburg |
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| 5 Monate nach der Gründung des Akademikerinnenbunds Hamburg e.V. (ABH) im Februar 1948 wurde Ingrid Schulze-Sievers dessen Mitglied und war während ihrer 51jährigen Mitgliedschaft über 30 Jahre, davon 12 Jahre als erste Vorsitzende, für ihn, sowie auf internationaler Ebene (Federation of University Women, IFUW) tätig. 9 Jahre arbeitete sie im Finance Committee der IFUW. Sie machte den ABH über die Landesgrenzen hinaus bekannt, arbeitete mit am Aufbau der Studentenberatung der Universität Hamburg, die bundesweit zum Modell wurde, setzte sich als zweite Kuratoriumsvorsitzende der "Stiftung Hamburger Studentinnenheime" für Frauenfördermaßnahmen ein und war dem Landesfrauenrat Hamburg eng verbunden. Durch ihre Wirtschaftskenntnisse, Sprachbegabung und Eloquenz erreichte sie viele Menschen und sorgte so für ein lebendiges Verbandsleben. |
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Erna Stahl |
Reformpädagogin und Schulleiterin
15.2.1900 Hamburg-13.6.1980 Hamburg |
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| Erna Stahl, seit 1928 begeisterte Pädagogin an der Lichtwarkschule, an der damals der ungewöhnliche Weg der Koedukation beschritten wurde, setzte ihren Unterricht oftmals in ihrer Wohnung fort. Nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 brachte sie ihren Schützlingen an diesen "Leseabenden" die "verbotene Literatur" nahe. 1935 wurde Erna Stahl an die Oberrealschule für Mädchen im Alstertal strafversetzt, wo sie ihre Kollegin Hilde Ahlgrimm kennen lernte und sich zwischen ihnen eine Lebensfreundschaft entwickelte. Ihre gemeinsamen Briefe unterschrieben sie mit "Stahlgrimm". Bis 1938 lud Erna Stahl ihre ehemaligen SchülerInnen, darunter Margaretha Rothe, zu ihren "Leseabenden" ein. Am 4.12.1943 wurde Erna Stahl verhaftet, kam u.a. für elf Monate in Einzelhaft und in verschiedene Gefängnisse, zuletzt nach Bayreuth, wo sie am 14.4.1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde und in Hamburg Leiterin der Oberschule für Mädchen im Alstertal (heute Gymnasium Alstertal) wurde. 1948 führte sie die Koedukation wieder ein. Durch den von ihr und Hilde Ahlgrimm 1950 konzipierten zweizügigen, mit Erstklässlern beginnenden "Schulversuch" innerhalb der Oberschule Alstertal wurde die erste frühe Form einer gemeinschaftlichen kooperativen Gesamtschule verwirklicht. Dies führte in einem neu erbauten Schulgebäude 1958 zur Gründung der Albert-Schweitzer-Schule
(heute: Albert-Schweitzer-Gymnasium), die sie bis zu ihrer Pensionierung 1965 leitete. |
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| Helma Steinbach |
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Gewerkschaftsfunktionärin
1.12.1847 Hamburg-7.7.1918 Glünsing/Lauenburg |
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| Als Tochter einer verarmten Kaufmannsfamilie wuchs Helma Steinbach unter großen Entbehrungen auf. Eine vermutlich aus finanziellen Gründen geschlossene Ehe löste sie schon bald wieder auf. Helma Steinbach verdiente ihren Lebensunterhalt als Wirtschafterin, Näherin, Schneiderin, Plätterin und Vorleserin. Um sich politisch und allgemein zu bilden, ließ sich in vielen Betrieben die Arbeiterschaft von KollegInnen aus Büchern und Zeitungen vorlesen. Bei dieser Tätigkeit lernte Helma Steinbach den späteren Gewerkschaftsfunktionär und Reichstagsabgeordneten Adolf von Elm kennen. Mehr als dreißig Jahre sollte ihre Freundschaft dauern. Helma Steinbach agitierte die Arbeiterinnen, sich in Berufsfachvereinen zusammenzuschließen, wenn sie bessere Arbeitsbedingungen erreichen wollten und gründete 1890 den Zentralverein der Plätterinnen. Ende des 19. Jhds. forderte sie mit Erfolg die Gewerkschaften zur Aufnahme auch von weiblichen Mitgliedern auf. Helma Steinbach war 1899 die einzige Frau unter den Mitbegründern der Konsumgenossenschaft „Produktion“, derem Aufsichtsrat sie bis zu ihrem Tode angehörte. Nachdem 1908 duch die Abschaffung des Vereinsgesetzes den Frauen der Beitritt in Parteien nicht mehr verboten war, forderte Helma Steinbach die Frauen auf, nun Seite an Seite mit den Männern zu marschieren und weder Sonderrechte zu verlangen, noch eigene Arbeiterinnen- und Frauenbildungsvereine sowie Frauengewerkschaften zu gründen. |
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Hanna und Olga Stolten |
Mitbegründerinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
17.12.1888-24.12.1942; 30.8.1885-20.12.1974 Hamburg |
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| Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie führten die Schwestern Hanna und Olga nach dem Tod der Eltern einen gemeinsamen Haushalt. Olga, Mutter eines Kindes und Hausangestellte, war später als AWO- und Frauensekretärin im SPD- Bezirksvorstand HH tätig. Hanna, gelernte Verkäuferin, arbeitete als Fürsorgerin der Jugendbehörde.1933-1942 führten die beiden einen Zeitungskiosk. 1920 mitbegründeten sie die Ortsgruppe der AWO, deren Vorstand Hanna von 1930-1933 angehörte. Hanna war von 1926-1933 Erste Vorsitzende der Fachgruppe sozialistischer Fürsorgerinnen der Hamburger AWO, Olga von 1919-1925 Frauenleiterin des Distriks Barmbek. 1925 war Hanna und 1927 Olga Delegierte der SPD auf dem Reichsparteitag und der Reichsfrauenkonferenz. Hanna gehörte von 1928-1932 der Bürgerschaft an.
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| Käthe Tennigkeit geb. Schlichting |
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Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime
2.4.1903 Hamburg - 20.4.1944 Hamburg |
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| Die Gymnastiklehrerin u.a. für die Frauengruppe der "Produktion" und Angestellte des Transportarbeiterverbandes und der Bäckergewerkschaft, für die sie die gewerkschaftliche Frauenarbeit leistete, war in der Zeit des Nationalsozialismus mit ihrem Mann Richard Mitglied der KPD-Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen. Das Ehepaar lebte in einem Haus am Moschlauer Kamp 24 in Berne. Dort fanden während der NS-Zeit illegale politische Schulungs- und Diskussionsabende statt. 1943 betreute Käthe Tennigkeit die bei ihnen illegal wohnenden, von der Gestapo gesuchten, Hafturlauber und Widerstandskämpfer Gustav Bruhn und Max Heyckendorf. Am 24.2.1944 nahm die Gestapo das Ehepaar in Haft. Käthe Tennigkeit starb im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel. Ihr Mann verstarb am 12.12.1944 im KZ Neuengamme. Sie hinterließen einen achtjährigen Sohn.
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Margaretha Treuge |
Direktorin der Sozialen Frauenschule in Hamburg
4.8.1876 Elbing - 2.4.1962 Hamburg |
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| Nach dem frühen Tod der Eltern aufgewachsen bei Verwandten, besuchte Margaretha Treuge das Lehrerinnenseminar, absolvierte eine dreijährige Berufsausbildung, um die Befähigung zum Studium zu erhalten, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie und wurde in Berlin Lehrerin. Sie schloss sich dem Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein an, schrieb eine „Einführung in die Bürgerkunde - ein Lehrbuch für Frauenschulen“, mit dem Schwerpunkt der Darstellung der kommunalen Selbstverwaltung, denn diese unterste politische Ebene hielt sie für Frauen, die ja erst seit kurzem das Wahlrecht besaßen, für besonders geeignet, da auf dieser politischen Ebene die Arbeit im sozialen Bereich oft im Vordergrund stand. 1920 übernahm Margaretha Treuge von Gertrud Bäumer die Leitung der Hamburger Doppellehranstalt Soziale Frauenschule und Sozialpädagogisches Institut. Die vom Senat 1926 verlangte Einrichtung von Nachschullehrgängen für männliche Angestellte der Wohlfahrtsbehörde fiel Margaretha Treuge sehr schwer. Für sie war die Sozialpädagogik ein typisch weibliches Berufsfeld. Im Herbst 1933 wurde Margaretha Treuge, die Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei war, von den Nationalsozialisten ihres Amtes enthoben. 1946 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Hamburger Frauenrings und initiierte 1949 mit anderen die Bildung der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen.
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Gunda Werner: frauenliebende Frauen
Emily Ruete geb. Salme Prinzessin von Oman und Sansibar: Zuwanderin |
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2007 wurde das "Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle" begangen. Es erinnerte an die von der EU im Jahre 2000 verabschiedeten Gleichstellungsrichtlinien und das deutsche Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Diese Gesetze verbieten Diskriminierung auf Grund der ethnischen Herkunft, der sexuellen Orientierung, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder des Alters. Wesentlich älter sind die Rechtsvorschriften für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Doch Gesetze allein reichen nicht aus, um Diskriminierungen zu verhindern. Die Menschen müssen sensibilisiert werden für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung, um diesen sozialen Gruppen die gleichen Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe zukommen zu lassen. Darum erinnert der Verein Garten der Frauen e.V. mit seinen historischen Grab- und den Erinnerungssteinen immer wieder an Frauen, die wegen ihrer Religion, Weltanschauung, Behinderung oder ihres Geschlechts diskriminiert wurden. Mit dem Erinnerungsstein für Gunda Werner und Emily Ruete will der Verein Garten der Frauen e.V. ein Zeichen für die Chancengleichheit homosexueller Frauen und Männer und von Zuwanderinnen und Zuwanderern setzen.
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Der Stein ist als Säule gestaltet, auf der Symbole geformt wurden. Auf dem abgeschrägten oberen Teil der Säule befindet sich eine drehbare Steinkugel. Sie soll die Weltkugel darstellen und somit das Thema Migration/Zuwanderung verdeutlichen. Stellvertretend für alle Zuwanderinnen und Zuwanderer wird dabei an die Prinzessin von Oman und Sansibar erinnert. Mit diesem Erinnerungsstein steht das erste und einzige Denkmal in Hamburg, das die Antidiskriminierung von Migrantinnen und Migranten zum Thema hat.
Auf der Steinkugel, die die Weltkugel symbolisiert, sind rundherum Schmetterlinge eingraviert. Der Schmetterling ist das Symbol der Lebenserneuerung, das Prinzip der ewigen Wandlung. Seine Flügel erinnern dabei an die Doppelaxt. Die auf der Weltkugel abgebildeten Schmetterlinge entsprechen den doppelaxtförmigen Schmetterlingsdarstellungen auf mykenischen Vasen. Die Doppelaxt ist seit der Neuen Frauenbewegung gleichzeitig auch ein Symbol für frauenliebende Frauen, in Erinnerung an den reinen Frauenstaat von Lesbos. Somit verdeutlicht das Symbol der Schmetterlinge das Thema "frauenliebende Frauen" und steht für die Antidiskriminierung von Homosexuellen. Mit diesem Erinnerungsstein steht das erste und einzige Denkmal in Hamburg, das die Antidiskriminierung von Homosexuellen zum Thema hat.
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Emily Ruete geb. Salme Prinzessin von Oman und Sansibar |
Zuwanderin
30.8.1844 Sansibar - 29.2.1924 Jena |
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| Geboren als Tochter des Sultans von Oman und Sansibar und von Dschilsidan, einer seiner 75 Nebenfrauen, lebte Salme nach dem Tod ihrer Eltern - sie war damals 15 Jahre alt - auf einem ihrer Landsitze, wo sie ihren späteren Mann, den Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete kennen lernte. Wegen ihrer Liebe zu einem Fremden erlitt Salme Repressalien. 1866 verließ sie ihre Heimat, erhielt christlichen Religionsunterricht, wurde auf den Namen Emily getauft und heiratete Heinrich Ruete. Das Paar bekam drei Kinder. Ihr jüngstes Kind war drei Monate alt, als Heinrich Ruete starb. Die deutschen Ehegesetze erlaubten der Frau nicht die Selbstverwaltung ihres Erbes. Emily erhielt zwei Vormünder. Durch ihren Übertritt zum Christentum hatte sie nach muslimischem Recht auch die Ansprüche auf ihre heimische Erbschaft verloren. Sie versuchte mit Arabischunterricht Geld zu verdienen, später mit der Veröffentlichung ihrer von ihr auf Deutsch verfassten Memoiren. 1872 verließ sie Hamburg. Zuletzt lebte sie in Jena. Ihr Leichnam wurde neben ihrem Mann auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Die Hoffnung, ihre Heimat wiederzusehen und sich mit ihrer Familie zu versöhnen, gab Emily nie auf. Ihr Gefühl der Heimatlosigkeit beschrieb sie so: "Ich verließ meine Heimat als vollkommene Araberin und als gute Mohammedanerin und was bin ich heute? Eine schlechte Christin und etwas mehr als eine halbe Deutsche."
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| Gunda Werner |
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Streiterin für Frauenrechte und Frauenbildung
8.7.1951 Hamburg - 22.1.2000 Hamburg |
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| Geboren in einer Nachkriegslaubenkolonie erlernte Gunda Werner den Beruf der Werbekauffrau und erstritt sich bei ihrem Lernherrn das Recht, im Büro Hosen zu tragen. Am Hansa-Kolleg holte sie auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte dann Philosophie und Theologie. In dieser Zeit entdeckte Gunda Werner die Frauen für sich. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Helga Braun beteiligte sie sich maßgeblich am Aufbau des Frauenbildungszentrums DenkTräume, organisierte mehrere Frauenwochen mit, arbeitete als Referentin für Frauenprojekte im Senatsamt für die Gleichstellung, trat in der Kabarettgruppe "Frauen lachen gemeinsam e.V." auf und baute die FrauenAnstiftung mit auf - eine politische, weltweit Frauenbildungsarbeit betreibende Stiftung. Bei deren Überführung in die Heinrich-Böll-Stiftung kämpfte Gunda Werner für den Erhalt des frauenpolitischen Stiftungsprofils. In den letzten Jahren vor ihrem Tod, der auch die elfjährige Liebesbeziehung mit ihrer Lebensgefährtin Annette Hecker beendete, wirkte sie als Referentin für Geschlechterdemokratie in dieser Stiftung und setzte u. a. durch, dass die Herstellung der Chancengleichheit für Frauen und Männer zu den vertraglich festgelegten Aufgaben aller Mitarbeitenden gehört. Als intellektuelle und leidenschaftliche Querdenkerin erfuhr Gunda Werner immer wieder schmerzlich, als "zu anders" wahrgenommen und sogar angefeindet zu werden - auch von Frauen. Deshalb stritt sie für Demokratie, Minderheitenschutz und Respekt im Umgang miteinander.
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| Zitronenjette und Vogeljette |
| Hamburger "Originale" |
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Menschen, die nicht der Norm entsprechen, scheinen häufig gleichsam Faszination wie auch Gefühle der Abwehr hervorzurufen. Mit der Etikettierung dieser Menschen als "Originale" weist die Bevölkerung ihnen einen Platz zu. Dennoch bleiben diese "anderen" Menschen durch den ihnen zugewiesenen Platz als "Original" außerhalb der Gesellschaft.
Originale werden zwar berühmt, viele von ihnen aber gleichzeitig auch verlacht. Dieses Los hatte auch die Zitronenjette zu tragen. Die Bevölkerung machte sich über ihre Kleinwüchsigkeit, ihren so genannten Schwachsinn und ihre Alkoholkrankheit lustig.
Auch Vogeljette wurde zum Hamburger Original. Auch sie galt als "anders" und nicht einzuordnen, wurde deshalb auffällig und als verrückt erklärt.
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Vogeljette (Lydia Adelheid Hellenbrecht) |
| 13.12.1844 Hamburg - 30.1.1920 Hamburg |
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| Gewandet in einem langen schwarzen Kleid, das Gesicht durch einen hauteng getragenen weißen Schleier fast verdeckt, auf dem Kopf ein Häubchen, traf man Vogeljette auf St. Georgs Plätzen an, wo sie die Vögel mit Brotwürfeln fütterte, die sie zuvor in einen mitgebrachten, mit Wasser gefüllten kleinen Eimer, gestippt hatte. Viele empfanden Vogeljettes Verhalten als ver-rückt und meinten, Vogeljette glaube, ihr verstorbener Mann sei als Spatz wiedergeboren worden. Im Alter von 30 Jahren hatte Vogeljette den 20 Jahre älteren Schreiber Johann Hellenbrecht geheiratet. Neun Jahre später starb er an der Cholera. Seitdem ging Vogeljette in Trauerkleidung und fütterte die Vögel aus Tierliebe. Damit glaubte sie, dem Andenken ihres verstorbenen Mannes gerecht zu werden, da auch er sehr tierlieb gewesen war. Sie kannte die Nachrede der Leute, ließ sich aber nicht beirren.
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Zitronenjette (Johanne Henriette Marie Müller) |
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| 18.7.1841 Dessau - 8.7.1916 Hamburg |
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Mit einem Korb voller Zitronen zog Zitronenjette durch Hamburgs Straßen und Kneipen. Sie war arm und lebte vom Verdienst ihrer verkauften Zitronen.Viele ihrer Kundinnen und Kunden hauten beim Bezahlen der Ware Zitronenjette übers Ohr. Und auch nur wenige dachten daran, was man ihr seelisch antat, wenn sie zum Gespött der Straßenjugend wurde, die grölend hinter ihr herlief. Verkaufte Zitronenjette abends in den Kneipen ihre Zitronen, machten sich die Kneipenbesucher einen Spaß daraus, ihr ein großes Glas Schnaps zu spendieren. Die Folge war: Zitronenjette wurde alkoholkrank. 1894 wurde sie von der Polizei in die "Irrenanstalt Friedrichsberg" eingeliefert, wo sie bis zu ihrem Tode lebte.
Ihr Leiden gab Stoff für eine Lokalposse, die 1900, noch zu Zitronenjettes Lebzeiten, aufgeführt wurde. Erst in Paul Möhrings 1940 vefasstem feinfühligen Theaterstück wurde ihr angemessen gedacht.
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