Steine der Erinnerung
Die Spirale symbolisiert das immer wiederkehrende Leben. So erinnern die in solcher Form aufgestellten Steine an Frauen, die keinen Grabstein mehr haben.
Frauen dem Vergessen entreißen, sich ihrer wieder erinnern ist der Sinn, diese Steine im Garten der Frauen aufzustellen.
Dr. Margarete Adam
Hochschullehrerin, leistete Widerstand gegen das NS-Regime, ohne einer Widerstandsgruppe anzugehören
13.07. 1885 - starb in den letzten Januartagen 1946 in Berlin
Dr. Margarete Adam, Dozentin an der Hamburger Universität und an der Volkshochschule in Hamburg, entstammte einer deutsch-nationalen Familie und war überzeugte Katholikin. In den ersten Jahren der Herrschaft des Nationalsozialismus wandte sie sich in Briefen und Flugblättern an Reichswehroffiziere und bekannte Personen des öffentlichen Lebens in der Hoffnung, dass diese Menschen bereit und imstande seien, Hitler zu stürzen. 1937 wurde Dr. Margarete Adam verhaftet und zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie kam in die Frauengefängnisse Lübeck-Lauerhof und Cottbus und dort in Einzelhaft. 1944 wurde sie wegen Haftunfähigkeit in das Krankenhaus Rosstal bei Dresden und später in die Berliner Charité gebracht, wo sie in den letzten Tagen des Januars 1946 starb.
Mara Arndt
"Der Engel der Gefangenen"
15.12.1900 Palmnicken/Samland - 2.6.1964 Hamburg
Vor dem Zweiten Weltkrieg betrieb Mara Arndt eine kleine Buchhandlung mit Antiquariat in der Französischen Straße in Königsberg. Während des Krieges floh sie nach Dänemark und begann dort mit der Flüchtlingsbetreuung, was zu ihrer weiteren Lebensaufgabe wurde. Von Dänemark kam sie über Bremen nach Hamburg und baute hier eine private Vermisstenkartei auf. Ihr Organisationstalent und ihre unermüdlich tätige Nächstenliebe waren dabei ihre einzigen Hilfsmittel. Sie schickte Briefe und Pakete in die Gefangenenlager und wurde für Tausende von Häftlingen westlicher und östlicher Kriegsgefangenenlager die einzige Hoffnung. Mara Arndt gelang die Freilassung von über 4500 Kriegsgefangenen. Wegen ihres Engagements wurde sie jahrelang diffamiert und sogar der Spionage für den "Osten" verdächtigt. 1960 bekam sie das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie lebte von einer sehr geringen Rente in der Pestalozzistraße 29 b.
Marie Bautz geb. Bachmann
SPD-Bürgerschaftsabgeordnete
1.2.1879 Eppishofen bei Augsburg - 30.12.1929 Hamburg
Marie Bautz arbeitete zuerst als Dienstmädchen und später bis zu ihrer Verheiratung im Jahre 1900 als Fabrikarbeiterin. 1907 kam sie nach Hamburg und wurde 1913 Geschäftsführerin im Verband der Hausangestellten.
Nachdem 1918 die Frauen das aktive und passive Wahlrecht erkämpft hatten, wurden 1919 bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft zum ersten Mal Frauen in die Bürgerschaft gewählt. 168 Männer und siebzehn Frauen zogen 1919 in die Bürgerschaft ein. Unter ihnen war auch Marie Bautz. Sie und weitere acht Frauen gehörten der SPD-Fraktion an., vier Frauen der DDP (Deutsche Demokratische Partei), zwei der USPD (Unabhängige sozialdemokratische Partei), eine der DVP (Deutsche Volkspartei) und eine weitere der DNVP (Deutschnationale Volkspartei). Schwerpunkte der Politik der weiblichen Bürgerschaftsabgeordneten waren die Bereiche Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege, Bevölkerungspolitik und Gesundheitsfürsorge, Jugendpflege und Schulpolitik sowie Ehe- und Familienrecht.
Obwohl Frauen nun das aktive und passive Wahlrecht besaßen, blieben sie im Parlament in der Minderheit und erhielten kaum aussichtsreiche Listenplätze. Frauen waren als Politikerinnen nicht gefragt.
Marie Bautz war von 1919 bis 1924 Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und Deputierte der Behörde für Öffentliche Jugendfürsorge.
Uschi Beese, geb. Roggenbau
Landesvorsitzende der Hamburger Guttempler
8. 7. 1930 Hamburg - 26 1. 2008 Hamburg
Die Anwaltsgehilfin Uschi Beese war seit 1958 mit dem Buchhändler Heinz Jacob Beese (gest. 1999) verheiratet, der einen Buchladen in Hamburg-Bergedorf betrieb, wo das Ehepaar seine erste gemeinsame Wohnung bezog, bevor es vier Jahre später 1961 nach Wandsbek in die Walddörferstraße 42 (später in Nr. 214) zog.
Ihr gemeinsamer Kinderwunsch erfüllte sich leider nicht. Nach drei Fehlgeburten gab das Paar ihn auf Anraten der Ärzte auf. Vielleicht war dies ein Auslöser für die spätere Alkoholerkrankung.
Wegen seines immer größer werdenden Alkoholproblems musste Heinz Beese schließlich die Buchhandlung aufgeben, was Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Auch Uschi Beese hatte mit dem Alhohol Probleme und bezeichnete sich als alkoholgefährdet.
Nach der "Trockenschleuderung" von Heinz Beese im AK Alsterdorf lernte das Ehepaar Beese Walter Zwang kennen, Suchtberater im Guttemplerhaus am Moorkamp, woraufhin Uschi Beese im April 1976 Mitglied der Guttempler-Gemeinschaft in Hamburg St. Georg wurde. Ihr Ehemann folgte ihr im August desselben Jahres.
Die ehrenamtliche Arbeit in der Guttempler-Organisation wurde für das Ehepaar Beese zur Lebensaufgabe. Es stieg in die Selbsthilfegruppenarbeit ein und gründete seine eigene Gesprächsgruppe im Guttemplerhaus St. Georg.
Im Oktober 1980 wurde die Guttempler-Gemeinschaft "Wandsbek" gegründet, deren Leiter Heinz Beese und deren Schriftführerin Uschi Beese wurde. Das Ehepaar Beese organisierte dort ebenfalls eine Gesprächsgruppe, zeitweise leitete es sogar zwei Gruppen. Außerdem unternahm es viele Jahre lang gemeinsam Hausbesuche bei Menschen in Not.
Einige Jahre später zog sich Heinz Beese aus der Gesprächsgruppenarbeit zurück. Uschi Beese managte nun diese Gruppen allein. Auch gab Heinz Beese wegen seiner beruflichen Arbeitsbelastung die Leitung der Guttempler-Gemeinschaft "Wandsbek" an seine Frau ab.
Uschi Beese, die den Sinn ihres Lebens darin sah, Menschen zu helfen, von der Alkoholsucht frei zu kommen, stellte die Guttempler im Allgemeinen Krankenhaus Eilbek vor. Dafür war sie jeden Sonntag um 10.00 Uhr dort anwesend und ansprechbar. Nur sehr selten war sie verhindert. Als die Guttempler-Gemeinschaft "Wandsbek" 1988 insgesamt 93 Mitglieder besaß, gründete Uschi Beese noch im selben Jahr die Gemeinschaft "Eilbek". Darüber hinaus führte Uschi Beeses Gemeinschaft die Guttempler im Allgemeinen Krankenhaus Alsterdorf ein, woraus sich auf dem Gelände des Krankenhauses die zweite Gesprächsgruppe der Guttempler-Gemeinschaft "Wandsbek" etablierte. 1997 folgte die Gemeinschaft "Alstersterne".
Uschi Beeses Lebensaufgabe war und blieb die offene Gesprächsgruppenarbeit. Zu jeder Tages- und Nachtzeit war sie für ratsuchende GuttemplerInnen erreichbar. Später wurde Uschi Beese Distrikttemplerin (Landesvorsitzende) in Hamburg und leitete den Distrikt einige Jahre. 1999 verlieh ihr der Hamburger Senat die Medaille für herausragende ehrenamtliche Tätigkeiten.
Durch Uschi Beeses Engagement wurden im Laufe der Jahre mehrere hundert Menschen für ihr weiteres Leben "trocken". Aus dem Kreis der Gesprächsgruppenteilnehmenden und deren Angehörigen wurden viele Menschen dauerhaft Mitglieder im Deutschen Guttempler Orden Hamburg.
Bis zwei Wochen vor ihrem Tod am 26. Januar 2008 war Uschi Beese in "ihrer" Gesprächsgruppe präsent. Wenn auch, bedingt durch ihre schwere Krebserkrankung, nicht immer persönlich, dennoch hielt sie jederzeit telefonisch Kontakt zu ihren Mitmenschen und war für sie da.
Frauen: Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung
Etwa 50.000 bis 60.000 vermeintliche "Hexen" und "Zauberer" fanden während des 16. Und 17. Jahrhunderts in Deutschland den Tod. Das Deutsche Reich bildete das Zentrum der Verfolgung, hier wurden zwischen 20.000 und 30.000 Menschen hingerichtet. Die weitaus meisten Opfer waren Frauen.
Heute erinnern diverse Ortschaften in Deutschland an die unschuldig hingerichteten Opfer der frühneuzeitlichen Hexenprozesse. Dort ist eine Rehabilitation der als sogenannte Hexen hingerichteten Frauen durch die Stadtverordnetenversammlung und durch Kirchen erfolgt. Der Verein Garten der Frauen möchte mit diesem Erinnerungsstein an das Unrecht erinnern, das den als Hexen beschuldigten Frauen in Hamburg angetan wurde.
Die frühneuzeitlichen Hexenprozesse sind ein Beispiel dafür, wie durch Veränderungen von Rechtsnormen geschlechtsspezifische Kriminalität erzeugt werden kann. Ende des 15. Jahrhunderts trat die von der Kirche entwickelte Vorstellung der Frau als Teufelsanhängerin neben die mittelalterliche Rechtstradition, die die schadenstiftende Zauberei unter Strafe stellte, und es entstand ein neuer Typus von Straftäterin: die Hexe.
Mit dem neuen Straftatbestand der Hexerei wurde das Bild der Missetäterin konstruiert, die einen Pakt mit dem Teufel schließe und diesen durch den Geschlechtsakt besiegele. Um sich mit ihren Gefährtinnen zu Tanz und Teufelsanbetung zu treffen, fliege sie auf Besen oder dem in ein Tier verwandelten Teufel zu den nächtlichen Gelagen.
Sie systematische Hexenverfolgung begann mit der Verbreitung des Hexenhammers (1487). In diesem Werk begründete der Dominikanermönch und Inquisitor Heinrich Cramer (Institoris) ausführlich, warum die Töchter Evas besonders anfällig für den Einfluss des Teufels seien, und gab praktische Anweisungen, wie die weltlichen Gerichte die Prozesse durchführen sollten.
Die weltlichen Gerichte übernahmen die neue Hexenlehre; in den frühneuzeitlichen Strafrechtsnormen findet sich daher die Verbindung des von jeher unter Strafe stehenden Schadenzaubers mit dem Delikt des Teufelspaktes.
Das hamburgische Niedergericht verurteilte mindestens 40 Frauen und einige Männer wegen Schadenzauber bzw. Hexerei. Auffällig sind hier die im regionalen Vergleich frühe Verurteilung einer Zauberin bereits im Jahre 1444 und das verhältnismäßig frühe Ende der Prozesse 1642.
Mit der Frühaufklärung endeten die Hexenprozesse. Während die Frau als Hexe - wenn auch mur mittels der Macht des Teufels - eine reale Bedrohung für die Gesellschaft dargestellt hatte, galten "Tränke-Köchinnen" und "Wahrsagerinnen" nun als Betrügerinnen.
Das Konfliktpotenzial des Alltags blieb von diesen herrschaftlichen Deutungsmustern unberührt. Der Begriff der Zauberin blieb - ebenso wie die Bezeichnung als Hure - eine Beschimpfungsformel, um Frauen zu diffamieren. Noch im 20. Jahrhundert konnten Frauen auch in unseren Breiten als "Hexen" gelten, wenn in ihrem Umfeld unerklärliche oder unerwünschte Ereignisse vermeintlich auf ihren Einfluss zurückzugehen schienen.
Abelke Bleken
Einwohnerin Ochsenwerders
(Hamburger Landgebiet)
Am 18. März 1583 auf dem Scheiterhaufen verbrannt
Abelke Bleken bewohnte ein Grundstück am Ochsenwerder Norderdeich. Im Jahre 1577 wurde ihr Hof zusammen mit anderen benachbarten Anwesen dem Hamburger Ratsherrn Johann Huge zugeschrieben. Die Allerheiligflut vom November 1570 hatte schwere Schäden verursacht, so dass Abelke und ihre Nachbarn vermutlich nicht mehr in der Lage waren, ihre Grundstücke selbst zu unterhalten und den Deich zu pflegen. Später pfändete der in Ochsenwerder tätige Landvogt Dirck Gladiator bei einer Deichschau Abelkes Kessel. Ein Kessel war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein zentraler Haushaltsgegenstand, sondern unter Umständen ein repräsentatives Erbstück. Der Verlust wog schwer. Abelke sprach bei der Ehefrau des Vogts vor und bat sie um Rückgabe des Kessels. Diese Bitte wurde ihr abgeschlagen.
Von dem Grundstücksverkauf, der Kesselpfändung und dem Gespräch mit der Vögtin erfahren wir aus Abelkes Urgicht, dem Geständnisprotokoll, in dem der Gerichtsschreiber die Aussagen notierte, die Abelke unter der Folter abgerungen wurden.
Hier heißt es, dass sie und ihre Nachbarin Gesche Schwormstedt Rache am Ratsherrn Huge nehmen wollten, und dass sie mit einem Stab in aller Teufel Namen Löcher in den Bode gestochen habe - so viele Löcher wie Ochsen, deren Tod Johann Huge später zu beklagen hatte. Ferner habe Abelke Huges Kälber getötet, indem sie ihnen Rattengift in den Trog gelegt habe. Auch habe sie sich die Kesselpfändung nicht gefallen lassen wollen und zu dem Vogt Gladiator gesagt, "dass er dies auf dem Bett büßen solle". Daraufhin habe sie ihren Wollgürtel genommen, in aller Teufel Namen Knoten in die beiden Ende geschlagen und Haare des Vogts und Fingernägel der Vögtin hineingebunden. Der Gürtel sei von ihr in den Pferdestall gelegt worden, "damit der Vogt in Krankheit bleiben sollte" - bis der Gürtel gefunden und die Knoten gelöst seien.
Der Vögtin habe sie eine Suppe aus Kohl und Warmbier gegeben, versehen mit dem Hirn einer Katze, die sie in des Vogtes Haus in aller Teufel Namen totgeschlagen habe. Die Vögtin sei am dritten Tag krank geworden und bald danach gestorben.
Die soziale Situation, in der Abelke lebte, war geprägt von der Bedrohung ihrer Lebensgrundlage durch die Natur und von den Konflikten mit den Mächtigen im Ort. Die Zaubermittel, die Abelke in ihrer Urgicht nennt, galten in der frühneuzeitlichen Gesellschaft als wirksame Praktiken zur Behebung von Alltagsproblemen.
Ob Abelke tatsächlich versucht hatte, sich mithilfe dieser Künste zu rächen …?
Zur Hexe wurde sie erst unter der Folter: Sie bekannte, dass sie sich in dem Jahr, als die Ochsen starben, dem Satan ergeben und mit diesem Geschlechtsverkehr gehabt habe. Dabei sei ihr Buhle stets kalt gewesen. Auch sei sie mit anderen zum Hexentanz gegangen. Der Satan sei in der Nacht als Pferd zu ihr gekommen, und sie habe sich auf ihn gesetzt …
"Worauf sie also leben und sterben will."
Helene Bonfort und Anna Meinertz
Lebensgefährtinnen, Gründerinnen der Hamburger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins
10.3.1854 Hamburg - 5.6.1940 München;
29.12.1840 Düsseldorf - 10.9.1922 Hamburg
Helene Bonfort, aus einem liberalen jüdischen Elternhaus stammend - die Mutter war Mitbegründerin der Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht - wurde Lehrerin. Sie lebte mit ihrer Lebensgefährtin und Berufskollegin Anna Meinertz zusammen. Die beiden hatten sich in Düsseldorf kennen gelernt, wo Anna Meinertz, Tochter eines höheren Beamten, bereits im Alter von 16 Jahren als Lehrerin begann, um ihre früh verwitwete Mutter zu unterstützen.
Das Frauenpaar übernahm in Hamburg die Leitung einer höheren Töchterschule, gründete die erste Volkslesehalle und 1896 die HH Ortsgruppe des Allgem. Deutschen Frauenvereins, deren Vorsitzende Helene Bonfort von 1896-1900 und von 1904-1916 war. Der Verein bot Frauen z. B. Rechtsschutz und gab Berufsberatung. Er kümmerte sich um Frauenbildung und -studium, um Heimarbeiterinneninteressen und um soziale Belange. Anna Meinertz gründete den Ausschuss für die Vorbereitung der Dienstmädchenlehranstalt "Annaheim" in Altona und diverse Kinderhorte.
Margarete Braun
Theologin
15.12.1893 Hamburg - 22.4.1966 Hamburg
In der St. Nikolai Kirche am Hopfenmarkt geschah am 19. Februar 1928 etwas für damalige Verhältnisse Außergewöhnliches: Die Theologin Margarete Braun wurde in die Funktion einer Pfarramtshelferin eingesegnet. Damit war sie die zweite Pfarramtshelferin in der Evangelisch-lutherischen Kirche im hamburgischen Staate. Die Tochter eines Oberpostinspektors hatte nach dem Abitur zuerst die Lehrerinnenlaufbahn eingeschlagen. Doch dann studierte sie Theologie. Nachdem sie die erste theologische Prüfung absolviert hatte, arbeitete sie zwischen 1921 und 1925 als Pfarrgehilfin in der Ringgemeinde in Wiesbaden. 1926 kam sie nach Hamburg an die Hauptkirche St. Nikolai, wo sie ihr zweites theologisches Examen bestand. Ihre Stelle als Pfarrgehilfin wurde nun in die einer Pfarramtshelferin umgewandelt. Obwohl sie mit beiden abgelegten theologischen Prüfungen die Voraussetzung erfüllte, um sich Pastorin zu nennen, wurde ihr dies verwehrt. Zu stark war der Widerstand gegen Frauen auf der Kanzel. Der Hauptpastor von St. Michaelis und spätere Bischof Simon Schöffel vertrat vehement die Auffassung, Frauen hätten als Pfarrerinnen in der Kirche nichts zu suchen. An der Spitze der Gemeinde müsse der Mann stehen. Frauen war zwar das Studium der Theologie, das Vikariat und das Ablegen der theologischen Prüfungen erlaubt, doch sie erhielten nur eine Anstellung als Pfarramtshelferin. Laut damaligem Kirchengesetz wurde sie: "(...) Anstalten oder Pfarrämtern ‚mit Berücksichtigung der besonderen Aufgaben an Frauen und Mädchen angegliedert' (§7). (...) Ihr Aufgabenbereich lag (...) in der Wortverkündigung in Andachts- und Bibelstunden vor Frauen und Jugendlichen, im Abhalten von Kindergottesdiensten oder Religionsunterricht, in der Vorbereitung und Mitarbeit (!) am Konfirmationsunterricht sowie in der seelsorgerlichen und sozialen Gemeindearbeit an Frauen und Mädchen (§ 8). (...) Im Falle der Eheschließung schied sie ohne Anspruch auf Ruhegehalt aus dem Dienst der Kirche aus (§18). Die Tätigkeit der Pfarramtshelferin wurde nicht als geistliches Amt verstanden, sie wurde zum Dienst eingesegnet (§12), nicht ordiniert!" schreibt der Historiker Rainer Hering. Margarete Braun wurde das Seitenschiff der St. Nikolai Kirche zugewiesen, wo sie Jugendliche und Frauen kirchlich betreute, mit ihnen Bibelstunden abhielt und vor ihnen predigte. Außerdem wanderte sie mit ihnen und organisierte die Jugendfreizeit. 1934 wurde sie gegen ihren Willen von Landesbischof Simon Schöffel als Pfarramtshelferin für die Betreuung der Frauenabteilung am Krankenhaus Hamburg-Eppendorf und an der Mädchenanstalt in der Feuerbergstraße beordert. Von 1947 bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1959 arbeitete Margarete Braun als Vikarin in Frauen-, Mädchen- und Jugendheimen. Bis 1968 waren Theologinnen in Hamburg von der Mitarbeit in allen führenden und leitenden Gremien der Landeskirche wie Synoden und Kirchenrat ausgeschlossen. Erst 1968 entschied sich die Hamburger Landeskirche, Frauen zum Pfarramt zuzulassen. Es musste allerdings noch weitere zehn Jahre dauern, bis 1978 die rechtliche Gleichstellung der Pastorin für alle Gliedkirchen geltendes Recht wurde.
Zitat: Rainer Hering: Frauen auf der Kanzel? Internet: www.fachpublikationen.de/dokumente/01/07/01008.html
Laura Bromberg
Aktiv in der bürgerlichen Frauenbewegung
15.12.1852 - 20.12.1927 Hamburg
Laura Bromberg war die zweite Vorsitzende der 1896 von der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins gegründeten Rechtsberatungsstelle für Frauen am Brandsende 5. Hier wurde "von Frau zu Frau" beraten. Um kompetent Auskunft zu geben, mussten sich die beratenden Frauen in wichtige juristische Fragen selbst einarbeiten. Dies konnten sich nur wirtschaftlich unabhängige bzw. nicht auf Erwerbsarbeit angewiesene Frauen leisten, da nur sie die entsprechende Zeit für das Selbststudium erübrigen konnten.
Laura Bromberg muss ihrer ehrenamtliche Tätigkeit hoch engagiert nachgegangen sein. Der Hamburgische Correspondent schrieb in einem Nachruf über sie: "Hier tätig zu sein, hier mit jener scharf logischen und in aller Wirrnis der meist mit bedeutend mehr Breitschweifigkeit als Klarheit von den Klientinnen (aller Gesellschaftsschichten) vorgetragenen Klagen, den Kernpunkt erkennenden Art der Sache auf den Grund zu gehen und ihren Schützlingen mit weitsichtigem, lebenserfahrenem Rat und Tat beizustehen, war Laura Brombergs selbstverständliche, liebgewordene Pflicht."
Laura Bromberg war in noch weiteren Frauenvereinen tätig. Sie war Mitbegründerin des Frauenvereins zur Unterstützung der Armenpflege. Außerdem war sie im Vorstand der Stellenvermittlung für weibliches Hauspersonal, die ihren Sitz in der ABC-Straße 57 hatte und 1900 von der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen gegründet worden war, um den damals bestehenden Mangel an Dienstmädchen zu beheben und eine "Hebung des Dienstbotenstandes" zu erreichen. Um Letzteres voranzutreiben, wies die Stellenvermittlung Arbeitgeberinnen auf ihre Vorbildfunktion hin.
Clémence Budow
Frauenpolitikerin
8.12.1908 Riga - 10.5.1995 Hamburg
Clémence Budow, geboren in Riga als Tochter einer Lübecker Kaufmannsfamilie, machte in Hamburg Abitur und erlernte den Sekretärinnenberuf. Der erste Intendant der NORAG (NDR) stellte sie als Vorzimmerdame ein. Zusammen mit seiner Frau produzierte sie die erste Frauenfunksendung. Später wurde sie Chefredakteurin der größten Hausfrauenzeitung. Der Krieg nahm ihr den Mann. Sein Tod machte sie zur Pazifistin. Sie kümmerte sich um Kriegsgräber, vor allem von Frauen und leitete die Heimkehrerhilfe der DHG. Von 1953-1957 war sie Bürgerschaftsabgeordnete. Als langjährige Vorsitzende des Verbandes weiblicher Angestellter war sie Gründungsmitglied des Landesfrauenrats, Vorsitzende seines juristischen Trägerverbandes und viele Jahre im Ausstellungsausschuss der Messe DU UND DEINE WELT tätig. Für ihr frauenpolitisches Engagement erhielt sie den Ehrenpreis des Landesfrauenrats und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Bertha Dehn
Geigerin
23.11.1881 Hamburg - 17.4.1953 Hamburg
1915 wurde Bertha Dehn ans Hamburger Stadttheater verpflichtet. Als einzige Frau saß sie im Orchestergraben und spielte die Erste Geige. Sie war das sechste von acht Kindern eines Arztehepaares und arbeitete ab 1909 als Musiklehrerin.
Dass für ihre Degradierung vom Ersten ans Zweite Pult bei der Umwandlung des Orchesters im Jahre 1932 und für ihre Kündigung im September 1933 ihre jüdische Herkunft ausschlaggebend war, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Dass es Bertha Dehn gelang, durch Gutachten ihre Kündigung in eine frühzeitige Pensionierung aus Krankheitsgründen umzuwandeln, spricht nicht dagegen, denn eine solche Lösung erwirkte der damalige Operndirektor Albert Ruch auch für andere jüdische Mitglieder des Hauses. Bertha Dehn war aber offenbar wirklich schwer krank. Die Anfeindungen der Nazis mögen die Lebensenergie dieser sensiblen Künstlerin in ganz besonderer Weise getroffen haben. Nach ihrer Pensionierung wirkte sie im Jüdischen Kammerorchester mit. Kurz vor ihrer vorgesehenen Deportation in das KZ Lodz emigrierte Bertha Dehn 1941 nach Ecuador zu ihrem Bruder. Sie gab Geigen- und Sprachunterricht, spielte in einem Streichquartett, lebte zwei Jahre in Brasilien und kehrte 1948 nach Hamburg zurück, wo sie in einer Wohnung im Jüdischen Altersheim lebte.
Ingeborg Eggert-Sander
Journalistin, aktiv in Frauenverbänden
22.6.1922 Kiel - 12.4.2005 Seevetal
Ingeborg Eggert, älteste Tochter des Oberleutnants zur See und Vizeadmirals Friedrich Ruge und seiner Frau Ruth geb. Greeff, wuchs mit vier Geschwistern auf. Ihre erste Auslandsreise führte sie 1937 mit ihrem Vater sechs Wochen nach England. 1940 machte sie Abitur, heiratete im Zweiten Weltkrieg, bekam zwei Kinder, ließ sich bald scheiden und arbeitete als Fremdsprachensekretärin. Von 1949 bis 1952 war sie Mitarbeiterin des "Naval Historical Team" in Bremerhaven, in dem ehemalige hochrangige deutsche Marineoffiziere Kriegserfahrungen aufarbeiteten. In diesen Jahren schrieb sie erste Fachartikel im Bereich Seefahrt und arbeitete an den Büchern ihres Vaters mit, der auch international Anerkennung als Militärhistoriker gefunden hatte. 1953 dann die zweite Ehe. Ingeborg Eggert bekam zwei weitere Kinder und war nun überwiegend die Ernährerin der Familie. 1954 trat sie dem Deutsch-.Amerikanischen Frauenclub in Bremerhaven bei, dessen Vorstandsmitglied sie ab 1956 wurde. Im selben Jahr gründete sie für die Amerikaner im Land Bremen die Zeitschrift "Your German Companion", deren alleinverantwortliche Redakteurin sie wurde. Sie schrieb zahlreiche Artikel über Schifffahrt und Wirtschaft. 1957 erfolgte eine erneute Scheidung. Nun war sie alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Ab 1965 lebte Ingeborg Eggert in Hamburg und wurde dort als Journalistin, Redakteurin und Lektorin tätig. Zwölf Jahre war sie bei der Zeitschrift "Yacht" für die Schlussredaktion zuständig - anfangs als einzige Redakteurin in einem spezialisierten Männerteam. Auch in Hamburg übte sie überwiegend Vorstandsfunktion im Deutsch-Amerikanischen Frauenclub aus. 1974 unternahm sie mit ihrem Vater, den ersten Inspekteur der Bundesmarine und späteren Professor an der Universität Tübingen, eine mehrwöchige Amerikareise. Von 1975 bis 1979 war sie Vorstandsmitglied im Dachverband der Deutsch-Amerikanischen Clubs und zuständig für Norddeutschland und Berlin, ab 1983 Delegierte im Landesfrauenrat Hamburg und seit 1985 Vorsitzende des Kuratoriums der Hamburger Bibliothek für Frauenfragen und Vorstandsmitglied des Hamburger Verbandes für Fraueninteressen. Ingeborg Eggert machte sich durch ihren unermüdlichen und kenntnisreichen Einsatz für den Auf- und Ausbau der "Hamburger Bibliothek für Frauenfragen" des Landesfrauenrates verdient und erhielt 1989 den Zitronenjette Preis des Landesfrauenrates. 1984 ging sie ihre vierte Ehe ein. Mit Helmut Sander war sie bis zu seinem Tod glücklich verheiratet. Am Ende ihres Lebens war Ingeborg Eggert, die auch Gründungsmitglied des Vereins Garten der Frauen war, Jörg Hillmann beim Verfassen einer Biographie über ihren Vater behilflich. Sie selbst schrieb darin ein persönliches Kapitel über ihren Vater.
Emma Ender (geb. Behle)
Frauenrechtlerin, Bürgerschaftsabgeordnete (Deutsche Volks Partei)
2.8.1875 Frankfurt a. M. - 25.2.1954 Hamburg
Der Vater, ein wohlhabender Kaufmann, verbot seiner Tochter, einen Beruf zu erlernen. Mit 25 Jahren heiratete Emma Ender und schloss sich dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) an. Dort widmete sich die kinderlos Gebliebene der Kinder- und Jugendarbeit. Sie war u.a. von 1910-1919 Vorsitzende des Verbandes Hamburger Mädchenhorte, von 1907-1916 stellvertretende Vorsitzende des ADF Ortsgruppe Hamburg. Im Ersten Weltkrieg gehörte sie zu den Gründerinnen des Frauenausschusses der Hamburger Kriegshilfe. Emma Ender setzte sich für das Frauenwahlrecht ein und gründete den Wahlwerbeausschuss des Stadtbundes Hamburger Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie war. Von 1919-1924 war sie Bürgerschaftsabgeordnete der DVP, ab 1924 Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauen. Als Gegnerin des Nationalsozialismus zog sich Emma Ender 1933 aus dem öffentlichen Leben zurück.
Klara Fricke (geb. Magers)
ehrenamtlich tätig im Sozialbereich
4.2.1871 Hamburg - 16.10.1951 Hamburg
Durch ihre wohlhabenden sozial engagierten Eltern und ihren ehrenamtlich in der Armenfürsorge tätigen Ehemann, beeinflusst, sah die kinderlose Klara Fricke ihr Betätigungsfeld in der Jugendpflege. Anfang des 20. Jhds. wurde sie zur Armen- und Waisenpflegerin ernannt. Sie war Leiterin eines Mädchenhortes auf St. Pauli, 1912 Mitbegründerin und ab 1915 Vorsitzende des Verbandes für Waisenpflege, Armenpflege und Vormundschaft, von 1916-1934 Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und von 1924-1933 Vorsitzende des Ausschusses zur Förderung der Jugendwohlfahrt. 1919 wurde sie als erste ehrenamtlich tätige Frau in die Vormundschaftsbehörde aufgenommen. In der NS-Zeit zog sie sich aus der ehrenamtlichen Arbeit zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Mitbegründerin des Hamburger Frauenrings.
Martha Golembiewski
Verfolgte des Nazi-Regimes
16.2.1900 Kreis Mühlheim - 25.9.1943 Hamburg
Martha Golembiewski starb im KZ-Fuhlsbüttel und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in einem, heute nicht mehr vorhandenen, Reihengrab beigesetzt. Ihre Akten weisen sie als "Wiedereindeutschungsfähige" aus. Obwohl bei Mühlheim geboren, scheint Martha Golembiewski in Polen gewohnt zu haben. Die 1939 im annektierten Polen lebenden Menschen wurden nach "Deutschstämmige", "Eindeutschungsfähige" oder "Fremdvölkische" eingeteilt. Wer ökonomischen Nutzen brachte, wurde "eingedeutscht" und ins Deutsche Reich verschleppt. Martha Golembiewski kam nach Hamburg, wo sie in der Isestraße 41 als Hausangestellte arbeitete. Ihre Inhaftierung ins KZ-Fuhlsbüttel veranlasste das "Ausländerreferat" II E.2. der Gestapo. Es gab als Inhaftierungsgrund oft "Arbeitsvertragsbruch" an, obwohl meist politische Gründe zur Inhaftierung führten.
Gerda Gühlk
Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft
11.05. 1920 - 16.12. 2003, Seebestattung
Gerda Gühlk war von 1966 bis 1971 SPD-Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. Dann schied sie aus familiären Gründen aus, denn neben ihrer politischen Tätigkeit hatte sie vier Kinder zu versorgen. Ihre politischen Schwerpunkte lagen in den Bereichen Haushalts-, Rechts- und Baupolitik. Sie arbeitete im "Parlamentarischen Unterausschuss Neubau Allgemeines Krankenhaus Othmarschen", in der Arbeitsgruppe "Strafrechtsreform" der SPD - Fraktion und bei der Neufassung der Hamburger Bauordnung mit. Als politischen Erfolg bezeichnete sie die Initiative zur Einbringung der Großen Anfrage "Aufhebung der Verjährungsfrist für Mord" (Die Strafbarkeit bleibt erhalten) als Gesetzesvorlage im Bundestag. Politische Aktivitäten, Privatleben und Kindererziehung konnte sie nur mit Zustimmung und Hilfe ihrer Familie befriedigend in Einklang bringen. Als Prämisse galt stets: notfalls haben die Belange der Kinder Priorität. Nach ihrem Ausscheiden aus der Bürgerschaft übernahm sie keine Funktion mehr. Gerda Gühlk hatte nach eigenen Aussagen das Glück gehabt, Emanzipation durch ihre gleichberechtigte Erziehung mit drei Brüdern geübt zu haben. Die alleinige Verantwortung für ihre Kinder in den Kriegs- und Nachkriegsjahren taten ein weiteres.





Erna Hoffmann
Opfer der Euthanasie
11.8.1892 Hamburg - 27.10.1942 Pfafferode
Ende April 1938 wurde Erna Hoffmann als eine von mehreren Hundert Patientinnen der "Irrenanstalt" Hamburg Langenhorn in das Krankenhaus für Behinderte und psychisch Kranke nach Rickling/Schleswig-Holstein verlegt, wo die Versorgung der PatientInnen u. a. kostengünstiger war. Die Hamburger "Irrenanstalten" Langenhorn und Friedrichsberg wurden zur Aufnahme "wertvollerer" Kranker benutzt, denn im Nationalsozialismus galten Behinderte und psychisch Kranke als "wertlos". Deshalb wurde die Vernichtung "unwerten Lebens", bewusst verursacht z. B. durch mangelhafte Versorgung und schlechte Behandlung als "normal" angesehen. 1941 sollte auch Rickling nicht mehr als Heim für Behinderte und psychisch Kranke dienen. So wurden am 25. und 28. Nov. 1941 170 Hamburger Patientinnen, die in Rickling untergebracht waren, darunter auch Erna Hoffmann, in die Heil- und Pflegeanstalt Pfafferode/Thüringen abtransportiert. Dort wurden Menschen direkt mit Gift getötet, oder man ließ sie durch Nahrungsentzug verhungern. Nur zehn der Frauen aus Rickling überlebten das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.
Erna Hoffmanns Schicksal steht für die Frauen, die zwischen November 1941 und dem Kriegsende 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt durch Nahrungsentzug verhungert sind.

Erna Hoffmann steht für eine große Anzahl Hamburger Frauen, die als Opfer der Euthanasie systematisch durch Nahrungsentzug getötet wurden. Deshalb wurde der kompakte Stein ausgehöhlt und mit Glassplittern gefüllt, die an die durchscheinenden verhungerten Körper erinnern sollen. Die Glasstäbe werden begrenzt und eingeschlossen durch Eisenstäbe, was das zwangsweise Eingesperrtsein dieser Frauen versinnbildlicht.
Elsa Jacobs
Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft (SPD) in der Ernannten Bürgerschaft: Februar 1946 - Oktober 1946
15.5.1885 Hamburg - 18.6.1966
Die Hausfrau Elsa Jacobs war von 1924 bis 1933 und ab 1945 Mitglied der SPD, fungierte dort u. a. als Distriktsfrauenleiterin, Außerdem war sie Mitglied des Elternrats der Siedlungsschule und Delegierte zum Schulbeirat.
Als die britische Militärregierung im Februar 1946, eine Volksvertretung bilden, deren Mitglieder sie selbst ernennen wollte, war es den Briten daran gelegen, dass zu den 81 Mitgliedern auch Frauen gehörten. Nach dem Willen der britischen Militärregierung sollte die Bürgerschaft die ganze Hamburger Bevölkerung repräsentieren und einen Querschnitt durch alle Kreise darstellen. Sieben der 81 Ernannten waren Frauen, darunter auch Elsa Jacobs, die von Emmy Beckmann als Vertreterin der Hausfrauen benannt worden war. Elsa Jacobs, die während ihrer Bürgerschaftszeit u. a. Mitglied des ständigen Eingabenausschusses der Bürgerschaft war, hatte das Bürgerschaftsmandat nur deshalb angenommen, weil ihr versprochen worden war, dass auch die Nöte und Sorgen der Hausfrauen Gehör finden würden. Als sie dann Abgeordnete musste sie feststellen: "Aber es sind so viele Nöte, die die Hausfrauen heute treffen, daß es ein wahres Martyrium ist. (…) Es ist nicht nur die Ernährung, sie haben für andere Dinge mitzusorgen. Die Haufrauen sind heute der Blitzableiter für alle Dinge."
Elsa Jacobs und ihre sechs Mitstreiterinnen in der Hamburgischen Bürgerschaft stellten die Existenznotwendigkeit der Hausfrauenarbeit heraus. Sie machten deutlich, dass die Erhaltung der Lebens-. Und Arbeitskraft der Menschen die Basis jeder Volkswirtschaft sei und dass sich Hamburg nicht aus dem Trümmerelend erholen könne, solange die Bevölkerung darbte. Dies erkannten auch die männlichen Abgeordneten, schon weil sie die Not am eigenen Leibe spürten. Sie würdigten deshalb die auf elementare menschliche Bedürfnisse ausgerichteten Beiträge ihrer Kolleginnen, griffen deren Anregungen auf und nahmen an den Diskussionen über Gesundheit und soziale Zustände engagiert teil, so dass in der ersten Nachkriegszeit diese sonst eher randständigen traditionellen "Frauenthemen" ins Zentrum parlamentarischen Interesses rückten." Mit dem Ende der Ernannten Bürgerschaft im Oktober 1946 schied Elsa Jacobs aus der Bürgerschaft aus.

Photonachweis G. Lindemann
Christel K.
Opfer häuslicher Gewalt
geb. 1939, ermordet am 6.5.1981 in Hamburg
Acht Monate Flucht vor ihrem gewalttätigen, alkoholabhängigen Ehemann endeten für Christel K. aus Herten am 6.5.1981 tödlich. Bereits ein Jahr zuvor hatte sie ihn mit ihren drei Töchtern verlassen; nun wollte sie sich scheiden lassen. Nachdem sie in Hamburg zuerst in ei-nem Frauenhaus untergekommen war, startete sie ein neues Leben in einer kleinen Wohnung in Hamburg-Jenfeld. Obwohl es eine Auskunftssperre gab, spürte ihr Mann sie auf. Da sie nicht weiterhin vor ihm flüchten, sondern ein normales, menschenwürdiges Leben führen wollte, ging sie mit ihren Töchtern nach einem erneuten, kurzem Aufenthalt im Frauenhaus zurück in ihre Wohnung. Eines Nachts drang ihr Ehemann durch ein Fenster in die Wohnung ein und erschoss Christel K. in ihrem Bett aus nächster Nähe mit drei Schüssen aus einem Kleinkaliberrevolver. Jeder Schuss war tödlich. Die Anwesenheit ihres neuen Lebensgefährten und die der drei Töchter, die im Nebenzimmer schliefen, hinderten ihn nicht an seiner Tat. Der Täter wurde am nächsten Morgen gefasst und kurz vor Weihnachten 1981 zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung zu 15 Jahren Haft wegen Mordes gefordert. Fünf Jahre später, im September 1986, wurde der Täter wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Er zog nach Gelsenkirchen, lernte dort eine Frau ken-nen, die sich nach wiederholtem Streit von ihm trennte. Daraufhin lauerte er ihr auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle auf. Als sie vor ihm flüchtete, schoss er von hinten mehrmals auf sie und gab dann aus unmittelbarer Nähe einen gezielten tödlichen Schuss auf den Kopf der am Boden liegenden Frau ab. Anschließend erschoss er sich auf einem nahe gelegenen Spielplatz.
Frauen: Opfer häuslicher patriarchaler Gewalt
Christel K. ist kein Einzelfall. Weltweit und somit auch in Deutschland ist häusliche patriarchale Gewalt die häufigste Ursache für körperliche Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen. Für Frauen ist das Risiko, durch einen Intimpartner Gewalt zu erfahren, weitaus höher als das, von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden. In Deutschland ist jede vierte Frau betroffen. Dabei spielen Bildung, Einkommen, Alter, soziale Schicht, kultureller oder religiöser Hintergrund kaum eine Rolle. Sie sind keine entscheidenden Ursachen für häusliche Gewalt. Häusliche patriarchale Gewalt gegen Frauen findet in allen Gesellschaftsschichten und Ländern statt und ist unabhängig davon, ob die weiblichen Opfer einen Migrationshintergrund besitzen oder nicht. Das gewalttätige Verhalten von Männern wird, bewusst oder unbewusst, als Mittel zur Ausübung von Macht und Kontrolle in einer patriarchal geprägten Gesellschaft eingesetzt.
Jährlich fliehen in Deutschland rund 40.000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser. Die Folgekosten für die Solidargemeinschaft, die Kosten für Justiz, Polizei, ärztliche Behandlung und Erwerbsarbeitsausfälle gehen in die Milliarden Euro.
Für viel zu viele Frauen endet jedoch die Flucht vor ihren gewalttätigen Ehemännern, Lebensgefährten aber auch Vätern, Brüdern und anderen männlichen Verwandten wie bei Christel K. tödlich. Wir können davon ausgehen, dass auch auf dem Friedhof Ohlsdorf Frauen, die Opfer häuslicher patriarchaler Gewalt geworden sind - sei es, dass sie getötet wurden, an den Folgen der Verletzungen starben, sich selbst in Folge der ihnen zugefügten Gewalt das Leben nahmen, an Krankheiten starben, deren Ursache in der erfahrenen Gewalt zu suchen ist - ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ihnen allen ist dieser Erinnerungsstein gesetzt worden. Christel K. steht symbolisch für diese Frauen.
Eingeweiht wurde der Erinnerungsstein am 25. November 2010. Dieser Tag ist der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Er wird seit 1981 weltweit durch Aktionen und Veranstaltungen von Frauenprojekten und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder begangen. Hintergrund für die Entstehung dieses Aktionstages war die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung von drei Frauen im Jahre 1960 in der Dominikanischen Republik durch Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo.
Lotte Klein-Fischer
Schauspielerin mit Auftrittsverbot in der NS-Zeit
13.6.1883 Hamburg - 24.7.1962 Garmisch-Partenkirchen
Lotte Klein-Fischer, Tochter eines Wiener Bankiers, die gegen den Willen ihrer Eltern eine Schauspielerinnenlaufbahn durchsetzte, war ein Idol. Backfische schnitten sich damals vor dem Ersten Weltkrieg, in Dresden ihren Namen aus dem Programm und verschlangen ihn auf Butterbrot.
Als Lotte Klein-Fischer am Dresdner Hoftheater engagiert war, lernte sie ihren späteren Ehemann, den Schauspieler und Regisseur Hanns Fischer kennen. 1923 kam das Paar ans Altonaer Stadttheater. Ab 1929 gehörte es zum Ensemble des Theaters, bis die Nationalsozialisten 1933 Lotte Klein-Fischer wegen ihrer jüdischen Herkunft mit Auftrittsverbot belegten und Hanns Fischer aus dem Amt trieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtete Willy Maertens sie ans Thalia-Theater, wo sie von 1946 bis 1962 engagiert war. Ihr Mann trat nur noch hin und wieder auf. Als er starb, stand Lotte Klein-Fischer bereits eine Stunde nach seinem Tod zur Generalprobe auf der Bühne und ließ es sich auch nicht nehmen, bei der Premiere am selben Abend aufzutreten.
Prof. Dr. Agathe Lasch
Erste Lehrstuhlinhaberin an der Universität Hamburg, als Jüdin von den Nazis deportiert und in den Tod getrieben
4.7.1879 Berlin - nach dem 12.8.1942 an unbekanntem Ort
Agathe Lasch erhielt ihre Ausbildung auf dem damals für Mädchen allein üblichen Weg der höheren Mädchenschule und des Lehrerinnenseminars. Frauen waren damals noch vom Abitur und akademischer Bildung ausgeschlossen. Während sie als Lehrerin arbeitete, machte sie 1906 ihr Abitur. Als 1908 in Preußen Frauen zum Studium zugelassen wurden, lehnte der Berliner Germanist Roethe die Zulassung von Agathe Lasch ab. Sie konnte erst ab ihrem 30. Lebensjahr Germanistik studieren. Nach all den Jahren der Entbehrungen und Demütigungen bekam sie endlich ein einjähriges Stipendium an der Heidelberger Universität. 1909 schrieb sie ihre Doktorarbeit über die "Berliner Schriftsprache". Aussichten auf eine wissenschaftliche Karriere bestanden im deutschen Kaiserreich für Agathe Lasch als Frau und Jüdin jedoch nicht. Sie ging deshalb 1910 an das führende amerikanische Frauencollege Bryn Mawn und unterrichtete dort deutsche Philologie. Deutschfeindliche Stimmungen nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs bewogen sie 1916 zur Rückkehr nach Deutschland. Ab 1917 war Agathe Lasch wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Deutschen Seminar des Kolonialinstituts und des Allgemeinen Vorlesungswesens in Hamburg. Als sie diese Stelle antrat, hatte sie bereits einen überragenden Ruf in der Germanistik, den sie sich 1914 mit ihrem Buch über die Mittelniederdeutsche Grammatik erworben hatte. Sie erhielt Arbeit am Hamburgischen (niederdeutschen) Wörterbuch und überarbeitete das Mittelniederdeutsche Wörterbuch. Nach Eröffnung der Universität Hamburg im Jahre 1919 war Agathe Lasch die erste Frau, die an der Universität habilitierte und 1923 zur Professorin ernannt wurde. Mit ihrer Berufung auf das Extraordinariat für Niederdeutsche Philologie im Dezember 1926 war sie die erste weibliche Inhaberin eines Lehrstuhls der Hamburger Universität. Als die Nationalsozialisten im Sommer 1933 Agathe Lasch entlassen wollten, reichten 30 Studierende und 14 schwedische Hochschullehrer eine Petition für die Verlängerung der Lehrbefugnis ein. So blieb Agathe Lasch zunächst an der Universität, doch im Juni 1934 wurde sie dann endgültig zwangsweise in den "Ruhestand" versetzt. Sie bekam Publikationsverbot. 1937 zog sie zu ihren Schwestern nach Berlin. Agathe Lasch wurde die Pension entzogen, sie durfte keine Bibliothek mehr betreten und ihre persönliche Bibliothek wurde beschlagnahmt. Am 12. August 1942 wurde Agathe Lasch mit ihren Schwestern von der Polizei abgeholt und mit unbekanntem Ziel abtransportiert.
Gertrud Lockmann (geb. Buschow)
aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime, Bürgerschaftsabgeordnete (SPD)
29.4.1895 Hamburg - 10.9.1962 Hamburg
Gertrud Lockmann, gelernte Buchhalterin und seit ihrem 17. Lebensjahr Mitglied der SPD, leitete gemeinsam mit ihrem Mann , mit dem sie ein Kind hatte und von dem sie sich später scheiden ließ, das Genesungsheim der Betriebskrankenkasse für staatliche Angestellte in Goslar. Da sie den offiziellen Kurs der SPD im Kampf gegen den Nationalsozialismus ablehnte, schloss sie sich 1931 der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an. 1933 verlor sie aus politischen Gründen ihren Arbeitsplatz, musste vor der Gestapo fliehen, tauchte ein Jahr lang unter und knüpfte Kontakt zur Widerstandsgruppe "Bästlein-Jacob-Abshagen". Als Bürgerschaftsabgeordnete von 1946-1950 und von 1957-1961 setzte sie sich für die Interessen der Hausfrauen ein. 1951 erhielt sie als zweite Hamburger Sozialdemokratin ein Bundestagsmandat.
Elfriede Lohse-Wächtler
Malerin; NS-Euthanasieopfer
4.12.1899 Dresden - 31.7.1940 Pirma
Aufgewachsen in einem bürgerlichen Elternhaus, versuchten die Eltern die künstlerische Laufbahn ihrer Tochter zu verhindern. 1915 begann sie ein Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule Dresden. Der Vater wollte, dass sie "Mode und weibliche Handarbeiten" studiere, was in seinen Augen einem "züchtigen Weibe" entsprach. Doch Elfriede Wächtler hatte ihren eigenen Kopf und wechselte 1916 das Fach, studierte "Angewandte Graphik", um freischaffende Künstlerin zu werden und verließ das Elternhaus. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Batikarbeiten. Elfriede Wächtler verkehrte in der Dresdner Boheme und war eine Anhängerin des Dadaismus. Sie schnitt sich die Zöpfe ab, trug Herrenhüte und Männerhosen, rauchte Pfeife und Zigarren und gab sich den männlichen Namen "Nikolaus", um dem Makel der damaligen verpönten "Frauenkunst" entgegenzuwirken. Sie fand Anschluss bei der Dresdner "Sezession Gruppe 1919". 1921 heiratete sie den Maler und Opernsänger Kurt Lohse - ein unglückliche Verbindung, er soll verschwenderisch und rücksichtslos gewesen sein. 1925 zog das Paar nach Hamburg. Ein Jahr später trennte es sich. Kurt Lohse zog zu seiner Freundin, die 1927 das erste von fünf Kindern mit ihm bekam. Für Elfriede Lohse-Wächtler, die aus wirtschaftlichen Gründen mehrmals abgetrieben hatte, ein tiefer Schock.
Elfriede Lohse-Wächtler lebte in finanziell engen Verhältnissen. Dennoch hatte sie in Hamburg eine ihrer kreativsten Schaffenszeiten. Zwischen 1927 und 1931 entstanden einige ihrer Hauptwerke in Öl, Pastell und Aquarell. Sie malte Portraits, Paarbeziehungen, Bilder aus dem Prostituierten- und Arbeitermilieu. 1929 erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und kam in die psychiatrische Klinik Hamburg-Friedrichsberg. Dort malte sie die "Friedrichsberger Köpfe", ca. 60 Zeichnungen und Pastelle als Kopf- und Körperstudien von psychisch Kranken. Die Bilder erhielten gute Kritiken. Elfriede Lohse- Wächtler wurde bekannt, was sich finanziell nicht auswirkte. Bis 1931 nahm sie an zahlreichen Ausstellungen teil u. a. in der Hamburger Kunsthalle. 1931 wurde sie obdachlos, übernachtete in Bahnhofswartehallen und kehrte schließlich in ihr Elternhaus zurück, wo die Spannungen mit ihren Eltern wieder auftraten. 1932 ließ ihr Vater sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf einweisen. Die Diagnose: Schizophrenie. Anfangs konnte sie noch schöpferisch tätig sein. Doch nachdem sich Kurt Lohse 1935 von ihr wegen ihrer "unheilbaren Geisteskrankheit" scheiden ließ, sie entmündigt und zwangssterilisiert wurde, zerbrach ihre Schaffenskraft. 1937 diffamierten die Nazis Elfriede Lohse-Wächtlers Kunst als "entartet". 1940 kam sie in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein und wurde dort im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion T4 getötet.
Prof. Dr. h.c. Johanna Mestorf
erhielt als erste Frau in Preußen, den Titel "Professor". Direktorin am Museum für vaterländische Altertümer in Kiel
15.4.1828 Bramstedt - 20.7.1909 Kiel
Johanna Mestorf war das vierte von neun Kindern des Arztes Jacob Heinrich Mestorf und seiner Ehefrau Anna Maria Sophia geb. Rosen. Der Vater widmete sich mit Leidenschaft der Altertumsforschung, was seine Tochter Johanna sicherlich beeinflusste. Er starb, als Johanna neun Jahre alt war. Die Mutter zog mit ihren Kindern - fünf lebten noch - nach Itzehoe. In Alter von 20 Jahren zog sie als Gesellschafterin und Erzieherin nach Schweden. Hier machte sie sich vertraut mit der Archäologie Germaniens und lernte nordische Sprachen. Wegen ihrer zarten Gesundheit musste sie Schweden nach einigen Jahren verlassen. Sie lebte zunächst als Begleiterin einer Gräfin in Italien und zog 1859 mit ihrer Mutter zu ihrem Bruder nach Hamburg. Hier beschäftigte sie sich vornehmlich mit Mythologie und Archäologie und übersetzte die archäologische Literatur Skandinaviens. Johanna Mestorf war Mitglied der Anthrophologischen Gesellschaft und später Gründerin seines schleswig-holsteinischen Zweigvereins. 1871 schickte sie der Hamburger Senat als seine Vertreterin zum Anthropologenkongress nach Bologna. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie in dieser Zeit als Sekretärin für ausländische Korrespondenz bei der Hamburger Lithographischen Anstalt C. Adler. Johanna Mesdorf war reine Autodidaktin. Sie hätte auch keine Universität besuchen können, denn Frauen durften erst ab der Jahrhundertwende an deutschen Universitäten studieren. Johanna Mestorfs wissenschaftliches Ansehen war bereits zu Beginn der 1870er Jahre so bedeutend, dass sie 1873 Kustodin am Museum für vaterländische Altertümer in Kiel wurde. Nach dem Tod ihres Vorgesetzten 1891 wurde sie zur Direktorin des Museums ernannt. Im Alter von 71 Jahren erhielt sie als erste Frau in Preußen, den Titel "Professor". Johanna Mestorf übersetzte Arbeiten nordischer Archäologen und Anthropologen und lieferte zahlreiche eigene Arbeiten, von denen besonders diejenigen über Moorleichen, weit bekannt wurden. Und sie schrieb z. B. Werke über "Urnenfriedhöfe in Schleswig-Holstein". 1903, drei Monate vor ihrem Tod, trat sie von ihrem Amt als Direktorin des Museums zurück.

Margarethe Meyer Schurz
Wegbereiterin des Kindergartens in den USA
27.8.1833 Hamburg - 15.3.1876 New York
Margarethe Meyer Schurz war die jüngste Tochter des vermögenden Hamburger Kaufmanns Heinrich Christian Meyer. Durch ihre älteren Schwestern Amalie (verh. Westendarp) und Bertha (gesch. Traun, verh. Ronge) kam sie früh mit den Fragen der Zeit um Demokratie, Freiheit, Bürgerrechte, Frauenbildung und Kindererziehung nach Fröbels Leitsätzen in Berührung. 1849/50 war sie eine Schülerin Friedrich Fröbels und besuchte die Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht. Sie heiratete den im Londoner Exil lebenden Anhänger der bürgerlichen Revolution von 1848 Carl Schurz, den späteren US-Innenminister. Das Paar wanderte in die USA aus, wo Margarethe Meyer Schurz in ihrem Wohnhaus in Watertown 1856 einen Kindergarten gründete. Später fand sie ein kleines Haus im Stadtzentrum - es wurde der erste Kindergarten in den USA. Mit ihm gab Margarethe Meyer Schurz den Impuls zu einem neuen und neuartigen Erziehungssystem in den USA und öffnete den Kindergarten-Gedanken einem ganzen Kontinent. Margarethe Meyer Schurz starb in New York nach der Geburt ihres fünften Kindes an Kindbettfieber. Ihr Leichnam wurde nach Hamburg überführt und in der Meyerschen Familiengruft beigesetzt, der Sarg 1914 auf dem Ohlsdorfer Friedhof umgebettet. Das einstige Kindergarten-Gebäude in Watertown wurde 1957 zu einem Museum.

Dr. Martha Muchow
Psychologin
25.9.1892 Hamburg - 29.9.1933 Hamburg
Ursprünglich Lehrerin, schloss Martha Muchow ein Studium der Psychologie ab und arbeitete am psychologischen Institut der Universität Hamburg, wo ihr Schwerpunkt in der Einführung eines sozialpädagogischen Praktikums in der LehrerInnenausbildung lag. Als sie nach Lehrtätigkeiten in den USA nach Hamburg zurückkehrte, hatten die Nazis die Macht ergriffen. Es folgten scharfe Auseinandersetzungen mit der Landesunterrichtsbehörde, weil Martha Muchow die Erziehungsmethoden der Nazis aus humanitären Gründen nicht mittrug. Deshalb sollte sie in den Schuldienst zurückkehren. In dieser Zeit starb auch noch ihre Mutter. Die Verzweifelte hatte keine Zeit zur Trauer und zum Rückzug. Täglich baten Verfolgte und Geächtete um ihren Beistand. Zwei Tage nach ihrer Suspendierung vom Institut unternahm sie einen Suizidversuch, an dessen Folgen sie verstarb.
Margarethe Münch (geb. Wille)
Gründerin und erste Leiterin der Hamburger Kinderpflegerinnenschule
12.4.1894 Hamburg - 13.1.1930 Hamburg
Margarethe Münch war das vierte von fünf Kindern einer 1898 im 30. Lebensjahr verstorbenen Hausfrau und eines Kaufmanns. Sie besuchte ab 1900 die höhere Töchterschule von Gude Kuk und bis 1911 das Kindergärtnerinnen-Seminar des Fröbel-Hauses. Nach verschiedenen Anstellungen übernahm sie 1914 die Leitung der Warteschule im Waisenhaus der Stadt Hamburg. Von 1915 bis 1916 folgte die Fachausbildung im Kindergärtnerinnen-Seminar des Fröbel-Hauses mit der staatlichen Prüfung zur Kindergärtnerin. Nach erneut verschiedenen Anstellungen arbeitete sie von April bis Dezember 1918 als Technische Lehrerin an der Kinderpflegerinnenschule des Fröbelvereins. 1919 erreichte sie nach einjährigem Besuch des Lyzeums der Klosterschule den Lyceal-Abschluss. Danach konnte sie die Fachausbildung zur Jugendleiterin im staatlichen Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin absolvieren und arbeitete anschließend als aufsichtführende Jugendleiterin für die Vereinigten Fröbelkindergärten.
Auf Anregung und mit der Unterstützung mehrerer Hamburger Bürgerinnen (u.a. Anna Warburg) erarbeitete sie ab Februar 1922 den Lehrplan für eine private Kinderpflegerinnenschule mit angeschlossenem Internat, durch deren Besuch Mädchen aus "einfachen" Verhältnissen eine Berufsausbildung ermöglicht werden sollte. Im Mai 1922 wurde die Hamburger Kinderpflegerinnenschule mit Margarethe Münch als Leiterin eröffnet.
Am 28.12.1923 heiratete Margarethe Münch den Bibliothekar Walter Münch. Trotz der Geburt ihrer Tochter Maria am 11.08.1924 arbeitete sie weiter als Lehrerin und Leiterin der Schule. Am 1.5.1927 übernahm die Berufsschulbehörde die Kinderpflegerinnenschule. Die Schulleitung verblieb bei Margarethe Münch bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1930.

Margarethe Münchs Tochter Maria Sturmhoebel (1924-2014) wurde im Garten der Frauen bestattet.
Elisabeth Pape
Gründerin des Verbandes für Altersschutz
5.9.1870 Hamburg - 15.2.1964 Hamburg
Elisabeth Pape setzte sich als Lehrerin (tätig von 1889-1929, dann Wechsel in die Verwaltung der Oberschulbehörde) für die Gleichberechtigung der Lehrerinnen ein. Sie unternahm als erste weibl. Lehrkraft auf eigene Kosten mit ihren Schülerinnen eine Klassenreise und konnte in den 20-er Jahren das vom Allgm. Deutschen Lehrerinnenverein schon lange geforderte Klassenlehreramt für Frauen in den höheren Klassen des Mädchenschulwesens durchsetzen. 1920 gründete sie den Verband für Altersschutz und ließ das Rentnerheim Fiefstücken errichten. Sie war Vorstandsmitglied des Hamburger Seehospitals Nordheim Stiftung in Sahlenburg, Ehrenmitglied des Verb. Dt. Landschulheime und erhielt 1952 für ihre Arbeit im Dienste der Wohltätigkeit das Bundesverdienstkreuz. Von 1921-1932 war sie Bürgerschaftsabgeordnete der Deutschen Volks Partei.
Anna Frieda Susanna Radel, geb. Johannsen
Journalistin
10.05.1869 Altona - 26.11.1958 Hamburg
Bekannt wurde Frieda Radel in Hamburg als Journalistin durch regelmäßige Artikel zu sozialpolitischen Forderungen der radikalen Frauenbewegung. Als Redakteurin und Herausgeberin u. a. der Hamburger Hausfrauenzeitung nutzte sie diese Öffentlichkeit für die Themen der Frauenbewegung, in der sie sich nach der Trennung von ihrem Mann engagierte. Sie hatte drei Töchter.
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich die Frauenrechtlerin ein gegen die Diskriminierung unehelicher Kinder und alleinerziehender Mütter; sie war aktiv in der Hamburger Ortsgruppe des Bundes für Mutterschutz und eine fachkundige Beraterin in der Wohnungsfürsorge.
Ein weiteres wichtiges Thema für sie war die Abschaffung der staatlichen Reglementierung der Prostitution. Hierzu engagierte sie sich im Hamburger Zweigverein der Internationalen Abolitionistischen Föderation. Frieda Radel war zudem Vorstandsmitglied des Hamburg-Altonaer Vereins für Frauenstimmrecht und dem Verein Frauenwohl, der für die Gleichberechtigung von Frauen auf allen Gebieten arbeitete.
Zur Vernetzung und politischen Bildung von Frauen organisierte sie die "Kaffeestunde der Hamburger Hausfrau", ein regelmäßiges politisches und kulturelles Großereignis in Hamburg, zu dem mehrere Tausend Besucher*innen kamen.
Frieda Radel war sehr gut vernetzt in Hamburg. Ihr Bekanntheitsgrad war bedeutend bei der Bürgerschaftswahl 1919, bei der zum ersten Mal Frauen aktiv und passiv wahlberechtigt waren. Als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei wurde Frieda Radel 1919 und 1923 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Dort arbeitete sie u. a. erfolgreich für die Abschaffung der staatlichen Reglementierung der Prostitution, was nach Jahren der gesellschaftlichen Diskussion und Auseinandersetzung 1923 ein großer politischer Erfolg für die radikale Frauenbewegung war.
1925 konzipierte Frieda Radel für die Nordische Rundfunk AG "Die Schule der Frau", die sie als freie Mitarbeiterin erfolgreich leitete. Zudem hielt sie Vorträge für den Frauenfunk der Deutschen Welle. Damit gehörte sie zu den Rundfunkpionierinnen.
Mit anderen gründete sie 1931 in Hamburg den ersten Zonta-Club in Deutschland. Zonta-Mitglieder weltweit verfolgen bis heute das Ziel der Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung der Frau - für Frieda Radel war dies immer ein Leitthema ihres politischen Handelns.
In den 1940er Jahren zog Frieda Radel von Hamburg nach Berlin und wurde nach dem Krieg 1947 Mitgründerin des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands. Bis 1950 war sie Mitglied der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Sie starb in Potsdam und wurde wenig später auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.
Sabine Hoffkamp
Margaretha Rothe
Medizinstudentin, leiste Widerstand gegen das NS-Regime
13.6.1919 Hamburg-15.4.1945 Leipzig
Margaretha Rothe, seit 1936 Schülerin der Lichtwarkschule, nahm zeitweilig am privaten "Lesekreis" der Lehrerin Erna Stahl teil. 1937, nach Aufhebung der Koedukation an der Lichtwarkschule wechselte Margaretha Rothe zur Klosterschule, an der sie 1938 Abitur machte. Als Medizinstudentin suchte sie am Universitätskrankenhaus Eppendorf Kontakt zu oppositionellen Kommilitonen und wagte den Schritt in den Widerstand. Sie druckte und verteilte Streuzettel mit Frequenzen und Sendezeiten ausländischer Rundfunksender. 1941/42 erweiterte sich ihr Freundeskreis, zu ihm stießen u. a. der Chemiestudent Hans Leipelt und Reinhold Meyer, Junior-Chef der Buchhandlung des Rauen Hauses am Jungfernstieg, wo sich im Keller nachts der Kreis traf. Durch Margaretha Rothes Kommilitonin Traute Lafrenz, die in München Kontakt zu Hans und Sophie Scholl hatte, gelangten einige Flugblätter der "Weißen Rose" nach Hamburg, wo der Freundeskreis sie verbreitete. Seine Treffen flogen durch Verrat auf. Seit Ende 1943 kamen Margaretha Rothe und über dreißig weitere Personen - später "Hamburger Zweig der Weißen Rose" genannt - ins Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel. Von dort wurde Margaretha Rothe im November 1944 über Berlin und Cottbus nach Leipzig transportiert, wo sie schwer erkrankt am 10.2.1945 ins Frauengefängnis Leipzig kam und von dort einen Monat später ins dortige Krankenhaus. Hier starb sie am 15.4. an den Folgen einer Lungentuberkulose.
Dieser Stein ist nach einer Idee einer Schülerin des Margaretha Rothe Gymnasiums aus Hamburg entworfen und hergestellt worden. Die Schülerinnen und Schüler hatten zum Leben und Wirken von Margaretha Rothe geforscht und dafür 2005 den Bertinipreis erhalten. Der Stein ist in der Mitte ausgehöhlt. Da Margaretha Rothe Widerstand gegen das NS-Regime leistete, indem sie in Hamburg die Flugblätter der Geschwister Scholl heimlich verteilte, wurde in die Steinaushöhlung eine aus Metall geformte Schwalbe hineingehängt. Diese Schwalbe versinnbildlicht ein zu einer Schwalbe gefaltetes Flugblatt der Geschwister Scholl, das aus der Öffnung, gemeint ist hier das Zellenfenster, hinter dem Margaretha Rothe saß, in die Freiheit fliegt.
Hedwig von Schlichting
Erste Oberin im AK Eppendorf, Gründerin des Schwesterns-Verein der Allgemeinen Staatskrankenanstalten
29.10.1861 Berlin - 14.11.1924 Hamburg
Ausgebildet als Krankenpflegerin kam die Tochter eines Generals 1894 ans AK Eppendorf, wurde dort die erste Oberin und baute einen eigenständigen Schwesternverband auf. Wegen ihres Durchsetzungsvermögens hinsichtlich ihrer Vorstellungen im Bereich des Pflegepersonals kam es zu Konflikten mit dem Krankenhausdirektor Prof. Rumpf. Da das Kollegium jedoch Hedwig von Schlichting in ihrer Funktionsausübung bestärkte, trat der Direktor von seinem Amt zurück. Ein Jahr später verließ Hedwig von Schlichtig 1902 das Krankenhaus, weil der zuständige Bürgerschaftsausschuss die Ursache des Konfliktes in der Doppelfunktion der Oberin als Leiterin des Schwestern-Vereins und der Schwesternschule sowie als Oberin des Krankenhauses sah.
Ingrid Schulze-Sievers geb. Sievers
Diplom-Volkswirtin
ausgezeichnet mit der Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes
4.8.1918 Königsberg - 15.12.1999 Hamburg
5 Monate nach der Gründung des Akademikerinnenbunds Hamburg e.V. (ABH) im Februar 1948 wurde Ingrid Schulze-Sievers dessen Mitglied und war während ihrer 51jährigen Mitgliedschaft über 30 Jahre, davon 12 Jahre als erste Vorsitzende, für ihn, sowie auf internationaler Ebene (Federation of University Women, IFUW) tätig. 9 Jahre arbeitete sie im Finance Committee der IFUW. Sie machte den ABH über die Landesgrenzen hinaus bekannt, arbeitete mit am Aufbau der Studentenberatung der Universität Hamburg, die bundesweit zum Modell wurde, setzte sich als zweite Kuratoriumsvorsitzende der "Stiftung Hamburger Studentinnenheime" für Frauenfördermaßnahmen ein und war dem Landesfrauenrat Hamburg eng verbunden. Durch ihre Wirtschaftskenntnisse, Sprachbegabung und Eloquenz erreichte sie viele Menschen und sorgte so für ein lebendiges Verbandsleben.
Erna Stahl
Reformpädagogin und Schulleiterin
15.2.1900 Hamburg-13.6.1980 Hamburg
Erna Stahl, seit 1928 begeisterte Pädagogin an der Lichtwarkschule, an der damals der ungewöhnliche Weg der Koedukation beschritten wurde, setzte ihren Unterricht oftmals in ihrer Wohnung fort. Nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 brachte sie ihren Schützlingen an diesen "Leseabenden" die "verbotene Literatur" nahe. 1935 wurde Erna Stahl an die Oberrealschule für Mädchen im Alstertal strafversetzt, wo sie ihre Kollegin Hilde Ahlgrimm kennen lernte und sich zwischen ihnen eine Lebensfreundschaft entwickelte. Ihre gemeinsamen Briefe unterschrieben sie mit "Stahlgrimm". Bis 1938 lud Erna Stahl ihre ehemaligen SchülerInnen, darunter Margaretha Rothe, zu ihren "Leseabenden" ein. Am 4.12.1943 wurde Erna Stahl verhaftet, kam u.a. für elf Monate in Einzelhaft und in verschiedene Gefängnisse, zuletzt nach Bayreuth, wo sie am 14.4.1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde und in Hamburg Leiterin der Oberschule für Mädchen im Alstertal (heute Gymnasium Alstertal) wurde. 1948 führte sie die Koedukation wieder ein. Durch den von ihr und Hilde Ahlgrimm 1950 konzipierten zweizügigen, mit Erstklässlern beginnenden "Schulversuch" innerhalb der Oberschule Alstertal wurde die erste frühe Form einer gemeinschaftlichen kooperativen Gesamtschule verwirklicht. Dies führte in einem neu erbauten Schulgebäude 1958 zur Gründung der Albert-Schweitzer-Schule (heute: Albert-Schweitzer-Gymnasium), die sie bis zu ihrer Pensionierung 1965 leitete.
Helma Steinbach
Gewerkschaftsfunktionärin
1.12.1847 Hamburg-7.7.1918 Glünsing/Lauenburg
Als Tochter einer verarmten Kaufmannsfamilie wuchs Helma Steinbach unter großen Entbehrungen auf. Eine vermutlich aus finanziellen Gründen geschlossene Ehe löste sie schon bald wieder auf. Helma Steinbach verdiente ihren Lebensunterhalt als Wirtschafterin, Näherin, Schneiderin, Plätterin und Vorleserin. Um sich politisch und allgemein zu bilden, ließ sich in vielen Betrieben die Arbeiterschaft von KollegInnen aus Büchern und Zeitungen vorlesen. Bei dieser Tätigkeit lernte Helma Steinbach den späteren Gewerkschaftsfunktionär und Reichstagsabgeordneten Adolf von Elm kennen. Mehr als dreißig Jahre sollte ihre Freundschaft dauern. Helma Steinbach agitierte die Arbeiterinnen, sich in Berufsfachvereinen zusammenzuschließen, wenn sie bessere Arbeitsbedingungen erreichen wollten und gründete 1890 den Zentralverein der Plätterinnen. Ende des 19. Jhds. forderte sie mit Erfolg die Gewerkschaften zur Aufnahme auch von weiblichen Mitgliedern auf. Helma Steinbach war 1899 die einzige Frau unter den Mitbegründern der Konsumgenossenschaft „Produktion“, derem Aufsichtsrat sie bis zu ihrem Tode angehörte. Nachdem 1908 duch die Abschaffung des Vereinsgesetzes den Frauen der Beitritt in Parteien nicht mehr verboten war, forderte Helma Steinbach die Frauen auf, nun Seite an Seite mit den Männern zu marschieren und weder Sonderrechte zu verlangen, noch eigene Arbeiterinnen- und Frauenbildungsvereine sowie Frauengewerkschaften zu gründen.
Hanna und Olga Stolten
Mitbegründerinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
17.12.1888-24.12.1942; 30.8.1885-20.12.1974 Hamburg
Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie führten die Schwestern Hanna und Olga nach dem Tod der Eltern einen gemeinsamen Haushalt. Olga, Mutter eines Kindes und Hausangestellte, war später als AWO- und Frauensekretärin im SPD- Bezirksvorstand HH tätig. Hanna, gelernte Verkäuferin, arbeitete als Fürsorgerin der Jugendbehörde.1933-1942 führten die beiden einen Zeitungskiosk. 1920 mitbegründeten sie die Ortsgruppe der AWO, deren Vorstand Hanna von 1930-1933 angehörte. Hanna war von 1926-1933 Erste Vorsitzende der Fachgruppe sozialistischer Fürsorgerinnen der Hamburger AWO, Olga von 1919-1925 Frauenleiterin des Distriks Barmbek. 1925 war Hanna und 1927 Olga Delegierte der SPD auf dem Reichsparteitag und der Reichsfrauenkonferenz. Hanna gehörte von 1928-1932 der Bürgerschaft an.
Käthe Tennigkeit geb. Schlichting
Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime
2.4.1903 Hamburg - 20.4.1944 Hamburg
Die Gymnastiklehrerin u.a. für die Frauengruppe der "Produktion" und Angestellte des Transportarbeiterverbandes und der Bäckergewerkschaft, für die sie die gewerkschaftliche Frauenarbeit leistete, war in der Zeit des Nationalsozialismus mit ihrem Mann Richard Mitglied der KPD-Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen. Das Ehepaar lebte in einem Haus am Moschlauer Kamp 24 in Berne. Dort fanden während der NS-Zeit illegale politische Schulungs- und Diskussionsabende statt. 1943 betreute Käthe Tennigkeit die bei ihnen illegal wohnenden, von der Gestapo gesuchten, Hafturlauber und Widerstandskämpfer Gustav Bruhn und Max Heyckendorf. Am 24.2.1944 nahm die Gestapo das Ehepaar in Haft. Käthe Tennigkeit starb im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel. Ihr Mann verstarb am 12.12.1944 im KZ Neuengamme. Sie hinterließen einen achtjährigen Sohn.
Margaretha Treuge
Direktorin der Sozialen Frauenschule in Hamburg
4.8.1876 Elbing - 2.4.1962 Hamburg
Nach dem frühen Tod der Eltern aufgewachsen bei Verwandten, besuchte Margaretha Treuge das Lehrerinnenseminar, absolvierte eine dreijährige Berufsausbildung, um die Befähigung zum Studium zu erhalten, studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie und wurde in Berlin Lehrerin. Sie schloss sich dem Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein an, schrieb eine „Einführung in die Bürgerkunde - ein Lehrbuch für Frauenschulen“, mit dem Schwerpunkt der Darstellung der kommunalen Selbstverwaltung, denn diese unterste politische Ebene hielt sie für Frauen, die ja erst seit kurzem das Wahlrecht besaßen, für besonders geeignet, da auf dieser politischen Ebene die Arbeit im sozialen Bereich oft im Vordergrund stand. 1920 übernahm Margaretha Treuge von Gertrud Bäumer die Leitung der Hamburger Doppellehranstalt Soziale Frauenschule und Sozialpädagogisches Institut. Die vom Senat 1926 verlangte Einrichtung von Nachschullehrgängen für männliche Angestellte der Wohlfahrtsbehörde fiel Margaretha Treuge sehr schwer. Für sie war die Sozialpädagogik ein typisch weibliches Berufsfeld. Im Herbst 1933 wurde Margaretha Treuge, die Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei war, von den Nationalsozialisten ihres Amtes enthoben. 1946 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Hamburger Frauenrings und initiierte 1949 mit anderen die Bildung der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen.
Gunda Werner: frauenliebende Frauen
Emily Ruete geb. Salme Prinzessin von Oman und Sansibar: Zuwanderin
2007 wurde das "Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle" begangen. Es erinnerte an die von der EU im Jahre 2000 verabschiedeten Gleichstellungsrichtlinien und das deutsche Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Diese Gesetze verbieten Diskriminierung auf Grund der ethnischen Herkunft, der sexuellen Orientierung, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder des Alters. Wesentlich älter sind die Rechtsvorschriften für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Doch Gesetze allein reichen nicht aus, um Diskriminierungen zu verhindern. Die Menschen müssen sensibilisiert werden für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung, um diesen sozialen Gruppen die gleichen Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe zukommen zu lassen. Darum erinnert der Verein Garten der Frauen e.V. mit seinen historischen Grab- und den Erinnerungssteinen immer wieder an Frauen, die wegen ihrer Religion, Weltanschauung, Behinderung oder ihres Geschlechts diskriminiert wurden. Mit dem Erinnerungsstein für Gunda Werner und Emily Ruete will der Verein Garten der Frauen e.V. ein Zeichen für die Chancengleichheit homosexueller Frauen und Männer und von Zuwanderinnen und Zuwanderern setzen.
Der Stein ist als Säule gestaltet, auf der Symbole geformt wurden. Auf dem abgeschrägten oberen Teil der Säule befindet sich eine drehbare Steinkugel. Sie soll die Weltkugel darstellen und somit das Thema Migration/Zuwanderung verdeutlichen. Stellvertretend für alle Zuwanderinnen und Zuwanderer wird dabei an die Prinzessin von Oman und Sansibar erinnert.
Mit diesem Erinnerungsstein steht das erste und einzige Denkmal in Hamburg, das die Antidiskriminierung von Migrantinnen und Migranten zum Thema hat.
Auf der Steinkugel, die die Weltkugel symbolisiert, sind rundherum Schmetterlinge eingraviert. Der Schmetterling ist das Symbol der Lebenserneuerung, das Prinzip der ewigen Wandlung. Seine Flügel erinnern dabei an die Doppelaxt. Die auf der Weltkugel abgebildeten Schmetterlinge entsprechen den doppelaxtförmigen Schmetterlingsdarstellungen auf mykenischen Vasen. Die Doppelaxt ist seit der Neuen Frauenbewegung gleichzeitig auch ein Symbol für frauenliebende Frauen, in Erinnerung an den reinen Frauenstaat von Lesbos. Somit verdeutlicht das Symbol der Schmetterlinge das Thema "frauenliebende Frauen" und steht für die Antidiskriminierung von Homosexuellen. Mit diesem Erinnerungsstein steht das erste und einzige Denkmal in Hamburg, das die Antidiskriminierung von Homosexuellen zum Thema hat.
Emily Ruete geb. Salme Prinzessin von Oman und Sansibar
Zuwanderin
30.8.1844 Sansibar - 29.2.1924 Jena
Geboren als Tochter des Sultans von Oman und Sansibar und von Dschilsidan, einer seiner 75 Nebenfrauen, lebte Salme nach dem Tod ihrer Eltern - sie war damals 15 Jahre alt - auf einem ihrer Landsitze, wo sie ihren späteren Mann, den Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete kennen lernte. Wegen ihrer Liebe zu einem Fremden erlitt Salme Repressalien. 1866 verließ sie ihre Heimat, erhielt christlichen Religionsunterricht, wurde auf den Namen Emily getauft und heiratete Heinrich Ruete. Das Paar bekam drei Kinder. Ihr jüngstes Kind war drei Monate alt, als Heinrich Ruete starb. Die deutschen Ehegesetze erlaubten der Frau nicht die Selbstverwaltung ihres Erbes. Emily erhielt zwei Vormünder. Durch ihren Übertritt zum Christentum hatte sie nach muslimischem Recht auch die Ansprüche auf ihre heimische Erbschaft verloren. Sie versuchte mit Arabischunterricht Geld zu verdienen, später mit der Veröffentlichung ihrer von ihr auf Deutsch verfassten Memoiren. 1872 verließ sie Hamburg. Zuletzt lebte sie in Jena. Ihr Leichnam wurde neben ihrem Mann auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Die Hoffnung, ihre Heimat wiederzusehen und sich mit ihrer Familie zu versöhnen, gab Emily nie auf. Ihr Gefühl der Heimatlosigkeit beschrieb sie so: "Ich verließ meine Heimat als vollkommene Araberin und als gute Mohammedanerin und was bin ich heute? Eine schlechte Christin und etwas mehr als eine halbe Deutsche."
Gunda Werner
Streiterin für Frauenrechte und Frauenbildung
8.7.1951 Hamburg - 22.1.2000 Hamburg
Geboren in einer Nachkriegslaubenkolonie erlernte Gunda Werner den Beruf der Werbekauffrau und erstritt sich bei ihrem Lernherrn das Recht, im Büro Hosen zu tragen. Am Hansa-Kolleg holte sie auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte dann Philosophie und Theologie. In dieser Zeit entdeckte Gunda Werner die Frauen für sich. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Helga Braun beteiligte sie sich maßgeblich am Aufbau des Frauenbildungszentrums DenkTräume, organisierte mehrere Frauenwochen mit, arbeitete als Referentin für Frauenprojekte im Senatsamt für die Gleichstellung, trat in der Kabarettgruppe "Frauen lachen gemeinsam e.V." auf und baute die FrauenAnstiftung mit auf - eine politische, weltweit Frauenbildungsarbeit betreibende Stiftung. Bei deren Überführung in die Heinrich-Böll-Stiftung kämpfte Gunda Werner für den Erhalt des frauenpolitischen Stiftungsprofils. In den letzten Jahren vor ihrem Tod, der auch die elfjährige Liebesbeziehung mit ihrer Lebensgefährtin Annette Hecker beendete, wirkte sie als Referentin für Geschlechterdemokratie in dieser Stiftung und setzte u. a. durch, dass die Herstellung der Chancengleichheit für Frauen und Männer zu den vertraglich festgelegten Aufgaben aller Mitarbeitenden gehört. Als intellektuelle und leidenschaftliche Querdenkerin erfuhr Gunda Werner immer wieder schmerzlich, als "zu anders" wahrgenommen und sogar angefeindet zu werden - auch von Frauen. Deshalb stritt sie für Demokratie, Minderheitenschutz und Respekt im Umgang miteinander.
Zitronenjette und Vogeljette
Hamburger "Originale"
Menschen, die nicht der Norm entsprechen, scheinen häufig gleichsam Faszination wie auch Gefühle der Abwehr hervorzurufen. Mit der Etikettierung dieser Menschen als "Originale" weist die Bevölkerung ihnen einen Platz zu. Dennoch bleiben diese "anderen" Menschen durch den ihnen zugewiesenen Platz als "Original" außerhalb der Gesellschaft.
Originale werden zwar berühmt, viele von ihnen aber gleichzeitig auch verlacht. Dieses Los hatte auch die Zitronenjette zu tragen. Die Bevölkerung machte sich über ihre Kleinwüchsigkeit, ihren so genannten Schwachsinn und ihre Alkoholkrankheit lustig.
Auch Vogeljette wurde zum Hamburger Original. Auch sie galt als "anders" und nicht einzuordnen, wurde deshalb auffällig und als verrückt erklärt.
Vogeljette
(Lydia Adelheid Hellenbrecht)
13.12.1844 Hamburg - 30.1.1920 Hamburg
Gewandet in einem langen schwarzen Kleid, das Gesicht durch einen hauteng getragenen weißen Schleier fast verdeckt, auf dem Kopf ein Häubchen, traf man Vogeljette auf St. Georgs Plätzen an, wo sie die Vögel mit Brotwürfeln fütterte, die sie zuvor in einen mitgebrachten, mit Wasser gefüllten kleinen Eimer, gestippt hatte. Viele empfanden Vogeljettes Verhalten als ver-rückt und meinten, Vogeljette glaube, ihr verstorbener Mann sei als Spatz wiedergeboren worden. Im Alter von 30 Jahren hatte Vogeljette den 20 Jahre älteren Schreiber Johann Hellenbrecht geheiratet. Neun Jahre später starb er an der Cholera. Seitdem ging Vogeljette in Trauerkleidung und fütterte die Vögel aus Tierliebe. Damit glaubte sie, dem Andenken ihres verstorbenen Mannes gerecht zu werden, da auch er sehr tierlieb gewesen war. Sie kannte die Nachrede der Leute, ließ sich aber nicht beirren.
Zitronenjette
(Johanne Henriette Marie Müller)
18.7.1841 Dessau - 8.7.1916 Hamburg
Mit einem Korb voller Zitronen zog Zitronenjette durch Hamburgs Straßen und Kneipen. Sie war arm und lebte vom Verdienst ihrer verkauften Zitronen.Viele ihrer Kundinnen und Kunden hauten beim Bezahlen der Ware Zitronenjette übers Ohr. Und auch nur wenige dachten daran, was man ihr seelisch antat, wenn sie zum Gespött der Straßenjugend wurde, die grölend hinter ihr herlief. Verkaufte Zitronenjette abends in den Kneipen ihre Zitronen, machten sich die Kneipenbesucher einen Spaß daraus, ihr ein großes Glas Schnaps zu spendieren. Die Folge war: Zitronenjette wurde alkoholkrank. 1894 wurde sie von der Polizei in die "Irrenanstalt Friedrichsberg" eingeliefert, wo sie bis zu ihrem Tode lebte.
Ihr Leiden gab Stoff für eine Lokalposse, die 1900, noch zu Zitronenjettes Lebzeiten, aufgeführt wurde. Erst in Paul Möhrings 1940 vefasstem feinfühligen Theaterstück wurde ihr angemessen gedacht.