Mita von Ahlefeldt
Schauspielerin
13.12.1891 Hamburg - 18.4.1966 Hamburg
Fast 50 Jahre spielte Mita von Ahlefeldt an Hamburger Theatern, und doch ist nur wenig über sie bekannt.
Nach dem Besuch des Lehrerinnenseminars begann sie mit 27 Jahren bei Mirjam Horwitz mit dem Schauspielunterricht. An den Kammerspielen am Besenbinderhof erhielt sie ihr erstes Engagement. Später wurde sie Mitglied des Thalia-Theaters. 1927 ging sie nach Riga und Reval. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie Stückverträge an vielen Hamburger Bühnen.
Sie spielte z. B. die Mutter Aase in Ibsens "Peer Gynt", oder auch die Mrs. Green in "Heimkehr der Helden" bei Ida Ehre in den neuen Hamburger Kammerspielen. Sie wirkte in verschiedenen Filmen, im Rundfunk und im Fernsehen mit.
Magda Bäumken
(geb. Vahlbruch, verh. Bullerdiek)
Schauspielerin am Ohnsorg-Theater:
1921 bis 1959
17.10.1890 Hamburg - 23.8.1959 Verona
Magda Bäumken, Tochter eines Klempnermeisters begann ihre Bühnenlaufbahn am Deutschen Schauspielhaus. Durch Zufall kam sie 1921 an die Niederdeutsche Bühne Hamburg, die sich seit 1946 Ohnsorg-Theater nennt.
1944 heiratete Magda Bäumken ihren Bühnenpartner Walther Bullerdiek.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sich verschiedene Schauspielerinnen und Schauspieler der Entnazifizierung unterziehen, darunter auch Magda Bäumken. Sie wurde rehabilitiert und spielte bis zu ihrem Tode am Ohnsorg-Theater. Sie wurde eine der bekanntesten Schauspielerinnen ihres Genres und verkörperte ein Stück niederdeutsche Bühnen-Tradition.
Karli Bozenhard
(Karoline, geb. Hücker)
Schauspielerin am Thalia-Theater von 1889 bis 1930 und von 1941 bis 1943
11.6.1865/1866 ? Wien - 1.2.1945 Hamburg
Die Tochter des Hausinspektors am Wiener Theater in der Josefstadt spielte schon mit 2 1/2 Jahren ihre erste Rolle in einem Kindermärchen. Mit 5 Jahren sang sie Couplets und spielte alle Hauptrollen in den Kindervorstellungen. Später reiste sie als "Wunderkind" mit eigenen Soloszenen und Vorträgen. Als sie ans Thalia-Theater nach Hamburg kam, spielte sie z. B. die Galottis und Heros, später die Anzengruber-Jungfrauen und schließlich die melierten, grauen und weißköpfigen guten und bösen Mütter.
Am Thalia-Theater lernte sie auch ihren Mann, den Schauspieler Albert Bozenhard kennen.
Karli Bozenhard wurde 1929, anläßlich ihres 40. Bühnenjubiläums, als erste Frau am Thalia-Theater zum Ehrenmitglied ernannt.
Gerda Gmelin
Prinzipalin, Schauspielerin
23.6.1919 Braunschweig - 14.4.2003 Hamburg
ausgezeichnet mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft des HH Senats, der Biermann-Ratjen-Medaille und dem Max-Brauer-Preis
Bereits mit 15 Jahren stand Gerda Gmelin auf der Bühne. 1959 übernahm sie gegen ihren Willen - doch "Gerdachen macht das schon" - das 1949 von ihrem Vater Helmuth Gmelin gegründete winzige "Theater im Zimmer" an der Alsterchaussee 30 als Chefin, Schauspielerin und Regisseurin. Die alleinerziehende Mutter zweier Söhne führte das Theater bis zu seiner Schließung 1999.
Die streitbare, unkonventionelle, mit Humor und schnoddriger Spontanität ausgestattete Prinzipalin führte auch zeitkritische und avantgardistische Stücke auf, für die sie überregionales Lob erntete. Gerda Gmelin, die gern in Männerrollen auftrat, spielte auch im Fernsehen - die ein wenig schroffen und respektlosen Typen. Ihre letzte im Dezember 2002 in der Winterhuder Komödie gespielte Rolle der "Winnie" in Becketts "Glückliche Tage" war eine ihrer Lieblingsrollen.
Martha Hachmann-Zipser
Schauspielerin am Deutschen Schauspielhaus von 1900 bis 1940
11.12.1864 Schmiedeberg/Schlesien - 30.12.1940 Hamburg
"Wenn man nicht mehr spielt, dann ist man alt". Fast 40 Jahre, bis kurz vor ihrem Tod, stand Martha Hachmann-Zipser auf der Bühne des Schauspielhauses. Begonnen hatte die Tochter einer Schauspielerin mit 15 Jahren am Torgauer Theater. Ab 1887 spielte sie in Berlin. Ihre Gastspielreisen führten sie durch Deutschland, Österreich, Ungarn bis nach New York. 1900 folgte sie ihrem schwer nervenkranken Kollegen und Ehemann Cord Hachmann ans Hamburger Schauspielhaus. Obwohl sie sich aufopfernd um ihren Mann kümmerte, fand sie noch die Kraft für ihre eigene Karriere.
Anläßlich ihres 70sten Geburtstages ernannte der Senat sie zur Hamburgischen Staatsschauspielerin, was um so bemerkenswerter ist, als dieser Titel zum erstenmal vergeben wurde.
Annie Kalmar (Anna Kaldwasser)
Schauspielerin am Deutschen Schauspielhaus von 1900 bis 1901
14.9.1877 Frankfurt am Main - 2.5.1901 Hamburg
Annie Kalmar starb jung an Schwindsucht, der Krankheit, die schon im 18. Jhd. als Ausdruck psychischer Leiden auftrat. Der Wiener Schriftsteller Karl Kraus sah die eigentliche Todesursache denn auch in der Nichtachtung des Talentes von Annie Kalmar. Publikum und Kritiker sahen in ihr nur die schöne Frau, an deren Anblick man sich entzückte. Karl Kraus verehrte Annie Kalmar sein Leben lang. 1924 widmete er ihr sein "Traumtheater".
Dort antwortet der Dichter auf die Frage, wie lange er die Schauspielerin kenne: "Seit jeher. Ich kannte eine, die mir für alle das Einssein des Weibes mit der Schauspielerin, die Übereinstimmung ihrer Verwandlungen, die Bühnenhaftigkeit einer Anmut, die zu jeder Laune ein Gesicht stellt, zum Bewußtsein gebracht hat."
Charlotte Kramm
(geb. Goldschmidt, verh. Maertens)
Schauspielerin am Thalia-Theater
15.3.1900 Berlin - 21.11.1971 Hamburg
Die Tochter eines Arztes kam 1932 ans Hamburger Thalia-Theater, wo ihr Mann Willy Maertens schon seit 1927 engagiert war. 1935 erhielt sie wegen ihrer jüdischen Abstammung Auftrittsverbot, was einem Hausverbot gleich kam. Sie überlebte die Judenverfolgung, weil der mit dem Paar befreundete Präsident der Reichstheaterkammer die schriftliche Aufforderung zum Beleg der arischen Abstammung Charlotte Kramms mit dem Vermerk "bereits erledigt" versah. Die zehnjährige Zwangspause war für Charlotte Kramm ein tiefer Einschnitt. Als sie 1945 ans Thalia-Theater zurückkehrte, musste sie den Sprung in ganz neue, ihrem Alter entsprechende Rollen tun. Sie erarbeitete sich erneut große Anerkennung und stand bis zu ihrem Lebensende auf der Bühne.
Philine Leudesdorff-Tormin
Schauspielerin
1.12.1892 Düsseldorf - 19.4.1924 Hamburg
Nur ein halbes Jahr Schauspielunterricht genügte und für Philine Tormin begann eine rasante Karriere. Über Theaterstationen in Berlin, Wien und Prag kam sie 1915 ans Thalia-Theater nach Hamburg. Schon bald gehörte sie zu den Großen in der Schauspielkunst. Sie war nicht nur die muntere Naive, sie entwickelte sich auch zu einer Charakterspielerin. Zugute kamen ihr das gewinnende Äußere, ihre braunen sprechenden Augen, die für den Gesichtsausdruck charakteristisch waren, ihr Sprechtalent und ein sprühendes Temperament. Viele, die sie kannten sprachen über sie, als habe es sich bei ihr nicht um ein reales, sondern um ein Geschöpf aus dem Reich der Poesie gehandelt. Ihre mädchenhafte Erscheinung, der zierliche Körper, die dunklen Locken unterstützten noch diesen Eindruck. Auch muss ihre dunkle melodische Stimme einen eigenen Reiz gehabt haben.
Verheiratet mit ihrem Kollegen Ernst Leudesdorff bekam sie zwei Kinder. Dass ihre Existenz, die nach außen so spielerisch wirkte, zum Teil mühsam errungen war, zeigt ein Brief der 19-jährigen: "Alles von der heiteren Seite auffassen, es ist ja manchmal schwer, aber man kann sich dazu zwingen, wenigstens versuchen." Philine Leudesdorff-Tormin starb im Alter von 31 Jahren an den Folgen einer Mandeloperation.



Photo: privat
Marga Massberg mit Albert Schweitzer, in dessen Spital in Lamborene sie 1 Jahr aktiv mitarbeitete
Marga Maasberg
Schauspielerin, Hörspiel- und Synchronsprecherin
21.5.1903 Hamburg - 12.11.1981 Hamburg
Als am 25. Dezember 1952 das Fernsehen zum ersten Mal in die deutschen Stuben sendete, war Marga Maasberg im vom NWDR um 20.10 Uhr ausgestrahlten Stück "Stille Nacht, heilige Nacht" in der Rolle der Kreszenz zu sehen. Zuvor war Marga Maasberg, nachdem sie drei Jahre privaten Schauspielunterricht bei Prof. Carl Wagner in Hamburg absolviert hatte, viele Jahre an verschiedenen Theatern und auch in Kabarettprogrammen aufgetreten. Für ihre schauspielerischen Leistungen wurde sie zum Ehrenmitglied des Hamburger Schauspielhauses ernannt.
1948 hatte sie ihr Kinofilmdebüt in dem Drama "Arche Nora". Im selben Jahr trat sie mit Erik Ode im Spielfilm "Stadtmeier und Landmeier" auf, spielte danach zum Beispiel 1952 mit Inge Meysel, Willy Maertens und Carl Voscherau in dem Film "Unter tausend Laternen" und trat ein Jahr später neben Maria Schell in dem Spielfilm "Der träumende Mund" auf. In den weiteren Jahren wirkte Marga Maasberg in vielen Fernsehproduktionen mit, so z. B. in den Kultserien "Gestatten mein Name ist Cox" und "Tatort". Auch in Eberhard Fechners Dokumentarspiel "Vier Stunden vor Elbe I" und in der Familienserie "Ida Rogalski" (mit Inge Meysel in der Titelrolle) trat sie auf.
Marga Maasberg wirkte in zahlreichen Hörspielen mit. Besonders bekannt und unvergessen wurde ihre Darstellung der Hexe Schrumpeldei, die sie mit knorriger Stimme in der gleichnamigen Kinderhörspielreihe, die zwischen 1973 und 1979 in elf Folgen produziert wurde, spielte. Hierbei geht es um eine kauzige, aber liebenswürdige Hexe und ihre ungeschickte Tochter.
Marga Maasberg wirkte in noch weiteren Märchenhörspielen mit, so in Hörspielaufnahmen der Märchen "Hänsel und Gretel", "Der Wolf und die sieben Geisslein" und "Die kleine Seejungfrau". Marga Maasberg arbeitete auch als Synchronsprecherin und lieh ihre Stimme u. a. Cathleen Nesbitt ("Paris um Mitternacht").
Lotte Mende
(Johanna Dorothea Louise Müller)
Schauspielerin am Carl-Schultze-Theater von 1864 bis 1874
12.10.1834 Hamburg - 5.12.1891 Hamburg
"Meine Eltern, aufgeklärter, wie so viele andere Bürgersleute, waren mit meinem Wunsch, mich der Bühne zu widmen, einverstanden, wohl auch mit aus dem Grunde, weil gerade damals die größte Armuth bei uns herrschte." Lotte Mende begann mit 16 Jahren mit der Schauspielausbildung. Im Rollenfach der munteren Liebhaberin spielte sie in vielen deutschen Städten. 1864 wurde sie am Carl-Schultze-Theater, dem damals bedeutendsten Komödienhaus an der Reeperbahn engagiert. Carl Schultze und Lotte Mende traten oft zusammen in auf Platt gespielten Hamburger Volksstücken auf. Lotte Mendes in über hundert Aufführungen rezitierte Satz aus den "Hamburger Leiden": "Was is mich das mit dich, mein Kind" wurde zum geflügelten Wort.
Cläre Popp
Puppenspielerin
21.3.1896 -26.7.1978 Hamburg
Während des Ersten Weltkriegs hatte Cläre Popp als Flugzeugmechanikerin gearbeitet. Sie wurde später Muse und Freundin des Schriftstellers Hans Leip und des Juweliers und Kunstmäzens Carl M. H. Wilkens. In seinem an der Ecke Neuer Wall/Jungfernstieg gelegenen Haus befand sich sein Juweliergeschäft. In dem Haus lebte er in einer bohememäßig ausgestalteten Wohnung. Das zur Wohnung ausgebaute Dachgeschoss stellte er gern Dichtern zur Verfügung. So lebte hier von 1921 bis 1931 Hans Leip, der diese Wohnung als seine "Himmelsecke" gezeichnete. Cläre Popp und Hans Leip hatten sich im Oktober 1919 kennen gelernt. Äußerlich soll sie, so Hans Leip, "eine Puppe von Pariser Schnitt, innerlich ironische, tüchtige Hamburgerin" gewesen sein.
Hans Leip trennte sich von seiner Frau Lina, mit der er erst seit einem Jahr verheiratet war und die im Februar 1920 die gemeinsame Tochter Grita gebar. Hans Leip gab sein Lehramt auf und wurde freiberuflicher Grafiker und Maler. Cläre Popp wurde seine Muse. Das Paar lebte 1920 einen Sommer lang in Övelgönne 56 bei der Lotsenfamilie Meyer. Im selben Jahr schrieb er für Cläre Popp, die er Muschemuj nannte, ein Liebesgedicht.
Zusammen mit Hans Leip und anderen gründete Cläre Popp 1920 das "Hamburger Puppenspiel". Die Idee dazu hatte Hans Leips Chef Hans W. Fischer, der Leiter des Feuilletons bei der "Neuen Hamburger Zeitung" gehabt, für die Hans Leip als Kunstkritiker tätig war. Das Puppentheater sollte kein Kaspertheater, sondern zwischen Dada und Expressionismus angesiedelt wissen. Zusammen bastelten Hans Leip und Cläre Popp Köpfe, Hände, Dekorationen, Kostüme. Im Raum 143 der Hamburger Kunstgewerbeschule baute der befreundete Architekt Kurt F. Schmidt eine Puppenbühne. Claire Popp, die während des Ersten Weltkrieges Mitarbeiterin bei der Puppenbühne von Albert Schlopsnies in München gewesen war und bei dem sie auch das Bauen und Entwerfen von Marionetten erlernt hatte, machte tatkräftig bei den Vorbereitungen für die erste Aufführung eines Puppenspiels mit.
Der Kostenplan für die Puppenbühne war sehr hoch angesetzt. "Von der angestrebten Summe kam aber lediglich ein Bruchteil zusammen, der gerade mal zur Fertigstellung der Puppenbühne und für eine Aufführung auf dem Künstlerfest ‚Die Gelbe Posaune der Sieben' am, 7. Februar 1920 im Curiohaus reichte." 1) Die Aufführung des Puppenspiels "Der betrunkene Lebenskelch oder wider Willen ins Grab zurück" musste jedoch abgebrochen werden, weil es im Festsaal zu unruhig und die Akteure zu betrunken waren. Zu weiteren Aufführungen kam es nicht mehr.
Das Ende der Liebe zwischen Hans Leip und Cläre Popp kam 1921, nachdem sich beide auf einer Puppenbühne erzürnt hatten. Cläre Popp fuhr ohne Abschied mit Wilkens nach Insbruck.
Im Alter wurde Cläre Popp sehr krank und soll, so Hans Leip: "bei ihrer Schwester von langen Halluzinationen erlöst worden" sein. 1)
Lit:
Rüdiger Schütt (Hrsg.): Hans Leip, Tage- und Nächtebuch der Hamburger Puppenspiele, Kiel 2005.
Charlotte Rougemont
Märchenerzählerin
22.01.1901 Hamburg - 11.02.1987 Hamburg
Schon als kleines Kind hatte sich Charlotte Rougemont in der Welt der Märchen, insbesondere der Volksmärchen wie zu Hause gefühlt.
Sie arbeitete schon lange als Medizinisch-Technische-Assistentin im Eppendorfer Krankenhaus, als ein Student sie mit zu einer Veranstaltung der Märchenerzählerin Vilma Mönckeberg-Kollmar nahm. Dieser Abend wurde zur Wende in ihrem Leben. Ihr, der Märchen fast nur vorgelesen worden waren, wurde plötzlich klar, dass Märchen, wenn sie ihren ganzen Zauber entfalten sollen, erzählt werden müssen; dass nur das laut gesprochene, den Einzelnen ansprechende erzählende Wort wirklich ergreift, allerdings wortgetreu der schriftlichen Fassung folgend
Am nächsten Tag lag bei einer mechanisch zu verrichtenden Arbeit im Labor ein Reclamband mit Grimms Märchen aufgeschlagen neben ihr. In jahrelanger, mühseliger Arbeit lernte sie neben ihrem eigentlichen Beruf viele Märchen der Welt auswendig - wobei ihr die Grimmschen Märchen immer besonders am Herzen lagen. Sie begann, in ihrer Mittagsstunde im Krankenhaus Bethesda Patienten die auswendig gelernten Märchen zu erzählen. Auch die Ärzte und Schwestern spürten die wohltuende Wirkung der Märchen auf die Patienten und riefen sie bald in dieses oder jenes Zimmer.
Bei den Bombenangriffen im Juli 1943 auf Hamburg wurde das Krankenhaus Bethesda und das Elternhaus Charlotte Rougemonts zerstört. Die Familie zog nach Flensburg, wo Charlotte Rougemont mit ihrem neuen Beruf der Märchenerzählerin begann. Hatte sie schon in den letzten Jahren in Hamburg ihren Kreis der Zuhörerenden über das Krankenhaus hinaus erweitert, Märchen in Altersheimen, bei Mütterabenden und in Kinderkreisen erzählt, so reiste sie jetzt per Bus oder auch oft auf mehrstündigen, beschwerlichen Fußmärschen durch Schleswig-Holstein, erzählte an der Westküste, auf den Inseln und Halligen, in den Kreisen Flensburg, Rendsburg, Schleswig, Eckernförde und in und um Hamburg. Sie erzählte in den Schulen (von der Dorfschule, über das Gymnasium bis zur Berufs- und Volksschule), in Kinder-, Müttererholungs- und Altersheimen, in Ferienheimen und Zeltlagern, bei den Landfrauen, im Frauengefängnis Fuhlsbüttel, im Jugendgefängnis Hanöfersand und auch in den Lazaretten. Fast immer gelang es ihr, auch anfänglich skeptische Jugendliche und Erwachsene zu fesseln. Charlotte Rougemont starb im Alter von 86 Jahren. Sie hatte zuletzt im Altenheim Rabenhorst in Hamburg gelebt.
Anna Simon
(geb. Schwarz)
Direktorin des St. Pauli-Theaters von 1941 bis 1964
3.8.1892 Hamburg - 16.12.1964 Hamburg
Als Tochter eines Straßenbauunternehmers war Anna Schwarz schon in ihrer Kinderzeit durch ihren Vater mit dem plattdeutschen Wesen bekannt geworden und hatte viel vom Geschäftsleben ihres Vaters mitbekommen. Dies kam ihr zu Gute, als ihr Ehemann Siegfried Simon, der Direktor des Ernst-Drucker-Theaters, 1924 plötzlich starb und sie - Mutter der zwei kleinen Kinder Kurt (1916-1975) und Edith (1918-192) - den Theaterbetrieb übernahm. Das Theater wurde ihre Lebensaufgabe. Sie kümmerte sich um alles. Später unterstützten sie ihre beiden Kinder. Kurt wurde Spielleiter, Edith übernahm den kaufmännischen Bereich. Während der NS-Zeit bekam das Theater den Despotismus des NS-Regimes zu spüren. 1941, zum hundertjährigen Bestehen des ältesten Volkstheaters Hamburgs, erließen die Nazis den Befehl, das Theater umzubenennen. Der Name "Ernst Drucker" war jüdischer Herkunft. Seit dieser Zeit heißt das Theater bis heute St.Pauli Theater. Außerdem wollten die Nazis Anna Simon das Theater nehmen, der jüdische Name Simon sollte nicht mehr auftauchen. Doch dazu kam es nicht, und Kurt Simon konnte trotz aller Repressalien die Spielleitung fortführen. Tatkräftig leitete Anna Simon das Theater auch durch die wirtschaftliche Krisenzeit der Nachkriegsjahre. Bis zuletzt stand sie als Direktorin vom morgens bis abends dem Theater vor.