Im Garten der Frauen bestattete weibliche Vereinsmitglieder
Für den Verein Garten der Frauen sind die in den Gemeinschaftsgräbern im Garten der Frauen bestatteten Frauen genauso bedeutend und erinnerungswürdig wie die Frauen, die zu Lebzeiten oder postum eine Berühmtheit erlangten und deren historische Grabsteine bzw. Erinnerungssteine im Garten der Frauen stehen. Der Verein Garten der Frauen macht keinen Unterschied zwischen Frauen, die - nach welchen gesellschaftlichen Kriterien auch immer - als bedeutend betrachtet werden und denen, deren Leistungen von der Gesellschaft als weniger erwähnenswert angesehen werden. Denn wir alle sind Teil eines großen Ganzen. Alles und alle sind gleichwertig mit allen verbunden. Und so stellt sich uns nicht die in unserer heutigen Zeit besonders im Politik- und Wirtschaftsbereich sowie im Showgeschäft oft gestellte Frage: wer ist wichtig und wer weniger. Alles und alle sind mit allen verbunden. Und damit alles und alle schlussendlich ein Ganzes bilden, ist es wichtig, "…. dass uns auch nicht eine fehle", frei nachdem bekannten Gutenachtlied "Weißt Du wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Gott der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet, an der ganzen großen Zahl" des Predigers Wilhelm Hey (1789-1854).
Seit Herbst 2000 sind folgende weibliche Vereinsmitglieder im Garten der Frauen bestattet worden (Stand: Januar 2013). Wir erinnern an:
Elke Albertsen
(31.12.1953 Nordhackstedtfeld - 18.06.2009 Hamburg)
55 Jahre, Diplom-Bibliothekarin
"Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!" (Augustinus)

Als drittes von elf Kindern wuchs Elke auf einem Bauernhof in Nordfriesland auf. Sie besuchte zunächst die Grundschule in Haselund und dann die Theodor-Storm-Schule in Husum, wo sie 1972 ihr Abitur machte. In Hamburg studierte sie an der Fachhochschule für Bibliothekswesen und arbeitete als Diplom-Bibliothekarin 30 Jahre lang in der Dokumentation vom Deutschen Überseeinstitut, heute German Institute of Global and Area Studies, zuständig für Asien, zeitweilig auch für Nahost.
Im Berufsalltag setzte sich Elke neben ihren regulären Aufgaben lange und mit viel Courage als Betriebsrätin ein. Ihre Offenheit, Geradlinigkeit und Tatkraft haben die Arbeit im Informationszentrum mit geprägt. Auch als sie aufgrund ihrer Krebserkrankung schon nicht mehr im Betrieb arbeiten konnte, trafen beim Betriebsrat noch ihre Recherchen z.B. zu Laserdruckern oder zur Ergonomie am Arbeitsplatz ein. Elke verband über Jahre und Jahrzehnte ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit Kolleginnen und Kollegen, auch mit Ehemaligen.
1986 lernte Elke während eines Urlaubs in Griechenland ihren späteren Ehemann kennen. Die Insel Thassos wurde zu ihrer zweiten Heimat. 1991 wurde in Hamburg die Tochter geboren. 1992 entdeckte Elke über die Volkshochschule den Folkloretanz, der sie nicht mehr los ließ. Sie genoss die Musik und die gemeinsame Bewegung in der Gruppe. Besonders die griechischen und osteuropäischen Tänze hatten es ihr angetan. Sie übersetzte viele Liedtexte und recherchierte zu den Tänzen.
Elke war akribisch genau und sehr gewissenhaft. Sie war in ihrem privaten Umfeld eine gefragte Korrekturleserin und Lektorin. Sie fand nicht nur alle Fehler, sondern verfolgte auch den Inhalt der Texte genau und lieferte Vorschläge für stilistische oder inhaltliche Verbesserungen.
Elke war immer politisch interessiert und engagiert. Ihr Hauptinteresse galt lange Zeit Nordafrika. Sie studierte Zeitungen, auch französischsprachige, übersetzte und archivierte Artikel. Als aktive Gegnerin der Atomenergie geriet sie 1986 in den "Hamburger Kessel": Eine Protestdemonstration gegen das AKW Brokdorf wurde gleich beim Start in Hamburg auf dem Heiligengeistfeld von der Polizei stundenlang eingekesselt. Elke wurde auf eine weit entfernte Polizeiwache gebracht und kam erst nach mehr als zwölf Stunden frei!
Elke hat zeitweise in Frauengruppen mitgearbeitet und die Hamburger Frauenwoche mit vorbereitet, eine jährlich stattfindende politische Bildungsveranstaltung.
Das unerbittliche Krebsleiden, dem Elke seit 2004 tapfer alle Kraft, alles Wissen und allen Widerstand entgegensetzte, beendete ihr überaus aktives und engagiertes Leben weit vor der Zeit.
Herta Bahn
(8.5.1916 - 15.02.2006) 89 Jahre, Hausfrau
Elfriede ("Elfi") Bock, geb. Sindel
(12.02.1929 - 06.06. 2012)
83 Jahre, Sekretärin und Kursleiterin
Elfriede Bock stammte aus einfachen Verhältnissen. Ihr Vater war Fernfahrer und kommentierte die Geburt seiner Tochter mit "Och, nur 'n Mädchen...".
Sie lernte, sich zu behaupten. Als Vierzehnjährige überlebte Elfi nur knapp den Hamburger Feuersturm - ein lebenslanges Trauma. Mit achtzehn erwarb sie den LKW-Führerschein. Lediglich zur Rechtsanwaltsgehilfin ausgebildet, stieg sie auf zur Direktionssekretärin eines großen Konzerns. Ihre Begeisterung für das Akkordeon führte sie bis in das bundesweit beliebte "Ahoi Akkordeon-Orchester". Sie spielte jahrzehntelang auf großen Bühnen.
Nach ihrer Heirat (1959) brachte Elfi zwei Kinder zur Welt. Unter ihre - am Ende unglückliche - Ehe zog sie nach 27 Jahren den Schlussstrich. Als Kursleiterin im Winterhuder Kulturzentrum "Goldbekhaus" schuf sie sich ein eigenes Leben. Sie unterrichtete Schneidern, Zeichnen, Seidenmalen und weitere künstlerischen Techniken. Parallel dazu nahm sie ihrerseits Unterricht bei führenden Hamburger Malern, arbeitete ehrenamtlich in Erwerbslosenzentren und organisierte Malreisen. Aquarelle und Skizzen aus dieser Zeit zeigen Motive in Litauen, England, Frankreich, Italien, Spanien und Nordafrika.
Am Goldbekhaus war Elfi 1987 Mitbegründerin eines der ersten deutschen Alten-Theater: "Die Herbstzeitlosen". Im Jahr 1999 wurde sie Mitglied der Hamburger Autorengruppe "literadies", der sie bis zu ihrem Tod angehörte.
Angehörige und Freunde vermissen eine großartige Frau mit Humor, Hilfsbereitschaft und warmherziger Offenheit.
Brigitte Breuch
(05.04.1944 - 24.08.2009) 65 Jahre, Steuerberaterin
Anja Drenkhahn
(19.06.1966 - 13.08.2014)
48 Jahre, Abteilungsleiterin im Bereich Kundenservice und Betrieb bei den Generali Versicherungen
Geboren auf Finkenwerder, fühlte sich Anja ihr ganzes Leben lang der Hansestadt eng verbunden und hat sie immer als Lebensmittelpunkt behalten. In ihrem Berufsleben als Versicherungskauffrau hat sie als erfolgreiche Abteilungsleiterin einen anderen Ton in die oft harte Ellenbogenmentalität der Arbeitswelt gebracht. Sie war für ihre Mitarbeiter da, offen, rücksichtsvoll und ehrlich. Mit der ihr eigenen Wärme und Lebensfreude hat sie die Menschen rückhaltlos angenommen.
Ihr Leben war geprägt von außerordentlich viel Freude und Spaß, ohne je Freundschaften und Lebenspartnerschaften zu vernachlässigen. Es trieb sie immer wieder in ferne Länder, in denen sie sich vollkommen vorurteilslos mit fremden Kulturen befasste.
Daneben war der Fußball ihre große Leidenschaft, ihr Herz gehörte dem HSV. Bis zuletzt hat sie das Fußballgeschehen mitverfolgt, im Freundeskreis zu Hause bei der WM 2014 mitgefiebert und den Sieg der Nationalelf - den 4. Stern - gefeiert.
Anja Drenkhahn war eine Sonne. Sie hat Licht, Wärme, Freude und Lachen in das Leben derer gebracht, die mit ihr zu tun hatten: Sie war mitreißend fröhlich, humorvoll bis zum Schluss und lebte das Leben mit einer Intensität und Leidenschaft, die selten geworden ist. Für sie war das Leben ein Fest, das bis zum Schluss genossen werden soll. Anja hat im Hier und Jetzt gelebt, hat mit vollen Händen gegeben und wenig für sich selbst verlangt. Sie hat die Menschen geliebt und vorbehaltlos akzeptiert.
Denen, die Anja lieben, wird sie unendlich fehlen, denn ein Mensch wie Anja ist selten in unserer Zeit: Warm, lebensfroh, herzensstark und voller Sonne. Anja hat das Leben als einzigartiges Ereignis betrachtet, hat den Zauber des Lebens mit ihrem Lachen deutlich gemacht.
Vieles von dem, was Anja für ihre Freunde ausgemacht hat, wird bleiben.
Sie hat in ihrem kurzen Leben viele Spuren hinterlassen. Spuren überschäumender Freude und Spuren umfassender Wärme.
Anja, Dein einzigartiges Lachen wird immer zu hören sein.
Christiane Ehmer-Schaarschmidt
(28.02.1933 - 14.01.2016) 82 Jahre, Musikerin
Edith Engel
(17.06.1920 - 27.09.2010) 90 Jahre, Apothekenhelferin
Emma Fürst
(2.12.1922 - 5.7.2016) 93 Jahre, Personalleiterin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Mobil Cil A. G.
Ruth Fischer
(31.03.1924 -07.09.2007) 83 Jahre, Verwaltungsangestellte
Anneliese Grasfeder
(07.08.1925 - 10.03.2012) 86 Jahre, Schulleiterin
Elli Grunewald
(01.01.1938 - 17.06.2015 ) 77 Jahre, Krankenschwester/Pflegedienstleitung
Ines Habekost
(13.11.1962 - 24.07.2001)
38 Jahre, Sachbearbeiterin in der Buchhaltung
Ines Habekost wurde am 13. November 1962 in Hamburg Fuhlsbüttel geboren. Nach dem Realschulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Verkäuferin und bildete sich aufgrund ihres Fleißes und ihrer steten Einsatzbereitschaft zur Einzelhandelskauffrau weiter. Später arbeitete sie in Hamburg bei Unternehmen des Kaffeehandels sowie des Autoleasings in der Buchhaltung. Ines war eine lebensfrohe und aufgeschlossene Frau. Sie nahm gern an Preisausschreiben verschiedenster Art teil und zog sehr oft das "Glückslos". Ines las gern und bereiste viele Länder. Auf einer dieser Reisen lernte sie den Mann kennen, der für ihren weiteren - leider nur noch kurzen - Lebensweg wichtig war. Zur gleichen Zeit erkrankte Ines an einem Tumor, an dessen Folgen sie trotz mehrerer Operationen und Therapien am 24. Juli 2001 in Neuwiedenthal verstarb. Bis zu ihrem Lebensende bewahrte sie sich ihre Hoffnung auf Genesung und schmiedete Pläne für die Zukunft.
Luise Haddorp
(10.12.1922 - 21.07.2010) 87 Jahre, Lehrerin
Andrea Hennemann
(12.07.1957 Hamburg - 23.10.2000 Hamburg)
43 Jahre, Lehrerin in der Erwachsenenbildung
Andrea K. Hennemann begann 1976 nach bestandenem Abitur Germanistik, Geschichte und Pädagogik auf Höheres Lehramt an der Universität Hamburg zu studieren. Während des Studiums war sie Mitbegründerin der Historikerinnen-Initiative zur Frauengeschichtsforschung. Nach dem 2. Staatsexamen in Zeiten von Lehrerarbeitslosigkeit nicht in den Schuldienst übernommen, wurde sie 1986 Psychodrama-Assistentin und Lehrerin in der Erwachsenenbildung. Zusammen mit anderen Frauen entwickelte sie ein Erwachsenenbildungskonzept speziell für Frauen in sozial benachteiligten Stadtteilen und wurde 1987 Mitbegründerin und Koordinatorin von "Frauen lernen im Stadtteil" in Neuwiedenthal. Sie reiste zu Bildungskongressen nach Tallinn und Stockholm, um das erfolgreiche Konzept vorzustellen. Zuhause sah sie sich zunehmend mit Stellenkürzungen konfrontiert. Die enorme Arbeitsverdichtung und der Kampf um die Bereitstellung der erforderlichen Mittel erschöpften sie sehr.
Seit ihrer Jugend trieb sie Sport. Paddeln, Skifahren und alle Ballsportarten konnten sie begeistern. Auch Musik bedeutete ihr viel. Sie spielte Gitarre zuhause und Klarinette in einer Frauenbigband. Bei der Gründung des Hamburger Frauenmusikzentrums war sie aktiv dabei.
Andrea Hennemann war auch Rutengängerin, Radiästhetin und Baubiologin. Sie erforschte die Bedeutung und Wirkung alter Symbole und wurde zu einer meisterlichen Labyrinthbauerin.
1999 wurde bei ihr ein Eierstock-Krebs diagnostiziert und operiert. Trotz sehr schlechter Prognose lebte sie noch 16 Monate und setzte sich noch einmal intensiv mit ihrer Familiengeschichte auseinander. Ein (zunächst vor ihr verleugneter) Suizid in der Familie während ihrer Pubertät und die darauffolgende Scheidung der Eltern, Wut, Verlustgefühle, Trauer, Loyalitäts- und Abgrenzungskonflikte hatten tiefere Spuren hinterlassen als erwünscht und erwartet. Ihr Leben lang war sie bestrebt, "starke teams" zu bilden, die ihr als Jugendliche gefehlt hatten - bei der Arbeit, im Sport, beim Musikmachen.
Sie starb zuhause, wie sie es sich gewünscht hatte, und ließ ihre Lebensgefährtin und eine Sterbeamme bis kurz vor ihrem letzten Atemzug teilhaben an ihrem Weg in die Anderswelt und ins Licht.
Dagmar Henningsen
(15.02.1957 Gießen - 21.01.2012 Hamburg)
54 Jahre, techn. Autorin
Zeit Deines Lebens warst Du eine Rebellin und Kämpferin: Gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit, für Freiheit und Toleranz - und auch gegen Deine Krankheit. Du wolltest mit dazu beitragen, eine bessere und gerechtere Welt zu schaffen. Dabei hast Du Dich nie verbogen oder verbiegen lassen, warst gradlinig und ohne Vorurteile. Du hast zugehört und verstanden, gesehen und gehandelt, respektiert und verziehen.
Denen, die Dir wichtig waren, warst Du Freundin und Vertraute, gleichgütig, ob es Dir gut ging oder schlecht. Die, die Du geliebt hast, hast Du bedingungslos geliebt, ohne Wenn und Aber. Du hast unser aller Leben so unendlich bereichert: mit Deinem Lachen und Deinem Vertrauen, Deiner Aufrichtigkeit und Deiner Liebe. Du hinterlässt eine große Lücke, aber keine Leere.
Danke für alles.
Renate Hurttig
(6.10.1940 - 01.08.2001) 60 Jahre, Mutter
Margarethe Knobloch
(16.01.1912 -0 3.12.2007) 95 Jahre, Fürsorgerin
Ingrid Kupfer
(6.6.1931 - 2.5.2014) 82 Jahre, Krankengymnastin
Elisabeth Lüdecke
(13.08.1911 Hamburg - 10.09.2003 Hamburg)
92 Jahre, Schneiderin
Elisabeth Lüdecke wuchs mit ihren zwei Geschwistern in einem Schlachtereihaushalt auf. Ihr Vater war Schlachtermeister am Grindel, ihre Mutter eine "höhere Tochter aus guten Haus". Sie war es nicht gewohnt, einen Betrieb mitzuführen. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Elisabeth Lüdecke eine Lehre als Schneiderin. Zeitweilig arbeitete sie in einer Buchdruckerei. Im Alter von Anfang 30 heiratete sie einen Werkzeugmeister und bekam zwei Kinder (1941 und 1944). Mitten im Krieg, während sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war, trennte sich der Ehemann von der Familie, um mit einer jüngeren Frau zusammenzuleben. Als nun alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern versuchte Elisabeth Lüdecke ihren Lebensunterhalt mit Arbeiten in einer Knopflochfabrik an der Sternschanze und durch die Untervermietung eines Zimmers in ihrer Wohnung zu bestreiten. Später arbeitete sie bis zu ihrer Berentung als Reinigungskraft in Behörden. Während des Zweiten Weltkriegs versuchte sie mit anderen Frauen die auf die Hausdächer abgeworfenen Phosphor-Brandbomben zu löschen. Dazu schleppten die meist durch Hunger und Entbehrung gezeichneten Frauen mit Wasser gefüllte große Zinkwannen auf die Dächer der meist fünfstöckigen Häuser. Während und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde Elisabeth Lüdecke zur Hüterin der großen Straßenbäume im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, die in den eiskalten Wintern gern für Brennholz abgeholzt wurden. Elisabeth Lüdecke und andere bildeten deshalb Schutzwachen, um solchen Baumfrevel zu verhindern. Elisabeth Lüdecke war ein geselliger Mensch, sie pflegte Freundschaften und war religiös aktiv in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Gemeinde am Grindel. Privat lebte sie über Jahrzehnte ein so genanntes Bratkartoffelverhältnis mit einem Mann, der bei seiner Schwester lebte. Er kam fast täglich zu Besuch und beide verbrachten ihre Freizeit miteinander, so unternahmen sie z. B. Ausflüge.
Dagmar Luttheroth
(10.12.1923 - 25.11.2014) 90 Jahre, Chefsekretärin
Christine Markner
(27.12.1957 Braunschweig - 08.08.2007 Hamburg)
49 Jahre, Ärztin
Ab 1978 studierte sie in Ulm Medizin und arbeitete ab 1984 als Ärztin im UKE. Dort machte sie auch ihren Facharzt im Bereich Neurologie. Bald darauf übernahm sie eine Stelle als Oberärztin in Flechtingen. PatientInnen und ÄrztInnen schätzten sie als eine gewissenhafte und verantwortungs-volle Medizinerin. Sie strahlte eine unge-wöhnliche Lebensfreude und Kraft aus. Menschen, die ihr begegneten, ließen sich von dieser Energie anstecken. Großen Anteil nahm sie am Leben Anderer und war immer als Ansprechpartnerin da. Gerne tanzte sie Ballett und Flamenco und widmete sich mit Leidenschaft verschie-denen Kunstrichtungen. 2002 erfüllte sie sich ihren Wunsch einer eigenen Praxis und ließ sich als Neurologin in Altona nieder. Zeitgleich zu ihrer Selbstständigkeit verschlechterte sich ihre seit Jahren bestehende Krebserkrankung.
In den letzten sechs Jahren ihres Lebens unternahm sie, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, viele Reisen nach Chile, Kuba, Australien, Jamaika und immer wieder nach Teneriffa. Vielleicht ahnte sie, dass ihr nicht mehr so viel Lebenszeit bleiben würde. Im Sommer 2007 brach sie zu ihrer letzten Reise nach Teneriffa auf. Einen Tag nach ihrer Rückkehr verstarb sie am 8.8.2007 in Hamburg.
Viel zu früh endete das Leben einer beeindruckenden Frau.
Erika Markner
(18.05.1934 - 14.10.2009) 75 Jahre, Industriekauffrau
Birgitt Marzahn
(08.06.1943 - 21.11.2011) 68 Jahre, Arztsekretärin
Marga Mees
(17.04.1930 Cuxhaven - 25.01.2011 Berlin)
80 Jahre, Anwaltssekretärin
Die Rollen ihres Lebens:
Offizierstochter, "Stubenälteste" im Geschwisterkreis, Gründungsmitglied im Freundinnenzirkel "Die LAMMARs", Ehefrau und Mutter, Schwester, Cousine und Patentante, Freundin, Berufstätige, Sportlerin und Rucksacktouristin, Konzertgängerin, Schauspielerin bei den "Herbstzeitlosen", Mitglied im Staatsbürgerinnen-Verband und Gärtnerin im Garten der Frauen.
Leben Stationen
1930 - 1937
Geboren als erstes von vier Kindern des Marineoffiziers Otto Stooß und seiner Frau, der Lehrerin Edda Stooß geboren. Kindheit in Cuxhaven, Flensburg und Kiel.
1937 - 1945
In Kiel Besuch der Volksschule. Im Jahr 1941 Verlust des Vaters bei einem Bombenangriff auf den Kreuzer "Prinz Eugen" im Hafen von Brest.
1945 - 1950
Umzug mit Mutter und Geschwistern nach Gütersloh; Aufnahme im Pfarrhaus von Pastor Paul Gronemeyer, einem Verwandten. Dort Besuch der weiterführenden Schule und Abitur.
1950 - 1962
Umzug zu den Großeltern nach Hamburg Besuch der Höheren Handelsschule. Arbeit als Anwaltsgehilfin in der Kanzlei Utescher.
1953 Verlobung mit dem Referendar Jürgen Mees. 1955 Heirat in Gütersloh. Bezug der ersten gemeinsamen Wohnung in Hamburg Nienstedten. 1958 Geburt des Sohnes Jan, zwei Jahre später Geburt des zweiten Sohnes Kay.
1962 - 1973
Umzug nach Hamburg-Wellingsbüttel. Betreuung der Kinder, während der Ehemann bei der Landeszentralbank Karriere macht. Gemeinsam mit dem Ehemann Aufstieg in die "Hamburger Gesellschaft".
1974 -1976
Wechsel des Ehemanns zur Düsseldorfer Industriekreditbank. Umzug der Familie nach Düsseldorf. Betreuung der Kinder.
1976 - 1990
Rückkehr nach Hamburg, um die schwerkranke Mutter zu pflegen. Im Jahr 1978 Scheidung auf eigenes Betreiben Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit als Büroleiterin eines Rechtsanwaltbüros. Engagement im Staatsbürgerinnenverband und im Seniorentheater "Die Herbstzeitlosen".
1990 - 2006
Ruhestand. Reisen mit Freundinnen und Familie. Weiterführung des Engagements bei Staatsbürgerinnen und im Seniorentheater. Mitarbeit im Garten der Frauen.
2006 - 2011
Umzug nach Berlin in die Nähe des älteren Sohnes. Zunächst noch eigenständige Lebensführung, ab 2009 bedingt durch Parkinson und einsetzende Demenz Unterbringung in einem Pflegeheim.
Lebensende im Hospiz Steglitz als letztes der vier Geschwister aus der Stooß-Familie.
Angelika Meinert-Gebhardt
(16.4.1951 - 28.11.2013) 62 Jahre, kaufmännische Angestellte
Gertrud Meißner
(26.09.1911 - 20.12.2007)
96 Jahre, Sozialpädagogin
Vor 1945 als Jugendleiterin zunächst in Ausbildungsseminaren für Erzieherinnen, später als Sozialpädagogin in Kinderbetreuungsstätten tätig. Frau Meißner war überzeugt von dem Grundgedanken, dass jeder Mensch von seinen Anlagen her handlungs- und wesensbestimmt ist, und dass es gilt, die positiven Seiten der Veranlagung fördernd zu entwickeln. Dies versuchte sie allen ihr am Herzen liegenden Menschenschicksalen mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften zeit ihres Lebens zukommen zu lassen.
Sie interessierte sich nachhaltig für Menschen mit sozial ungünstigen Ausgangspositionen und versuchte, deren Schicksale positiv zu beeinflussen. Beispielhaft dafür sind ihre Pflege- und Adoptivkinder, im hohen Alter noch die Unterstützung einer bosnischen Flüchtlingsfamilie.
Ein Grundgedanke ihres Wirkens wird durch den von ihr gewählten Spruch bestimmt: "Ich bin nie dem Glück hinterher gerannt - das Glück kam immer zu mir." Für Gertrud Meißner war das Menschliche das Wesentliche im Leben das Glück, einander zu begegnen, Freude zu bereiten und Hilfe zu geben, wo es für sie geboten schien. "Alles wirkliche Leben ist Begegnung" zitierte sie 2005 in einem Jahresrückblick.
Käthe Mentzl
(01.10.1909 - 07.11.2002) 93 Jahre, Einzelhandelskauffrau
Dagmar Bettina Meyer
(17.08.1955 - 24.03.2011) 55 Jahre, wissenschaftliche Angestellte der Freien und Hansestadt Hamburg
Margret Meyer
(07.08.1939 - 14.12.2014) 75 Jahre, Lehrerin
Elisabeth Mitzlaff
(16.5.1915 - 6.6.2014)
99 Jahre, Schauspielerin unter dem Künstlerinnennamen Elisabeth Vehlbehr
Sie spielte unter Gründgens am Hamburgermeyer Schauspielhaus. Heirat 1953 mit dem Architeken Hans Mitzlaff (1910-1997) in Mannheim. Ein Sohn. Spielte auch noch in Mannheim Theater am Nationaltheater so in dem Stück "Hedda Gabler" 1960.
Erna Nahrwold
(28.9.1917 Westerhorn/Krs. Pinneberg - 19.3.2014 Bad Krozingen/Breisgau) 96 Jahre alt, Bankangestellte
Dora Nauth
(10.08.1923 - 30.06.2012) 88 Jahre, Verwaltungsangestellte
Sabine Niemeyer
(06.01.1944 Hameln - 31.10.2000 Celle)
56 Jahre, Diplom-Bibliothekarin
Sabine Niemeyer war die älteste der drei Töchter von Joachim und Hildegard Niemeyer. Die Familie kehrte 1949 nach Hamburg zurück, wo Sabine 1964 das Abitur machte und nach dem Studium des Bibliothekswesens ab 1967 als Diplom-Bibliothekarin in Nordhorn, Rendsburg und Celle arbeitete. Ein Studium der Geschichte konnte sie wegen der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nicht abschließen. Von Geburt an litt sie an einem inoperablen Hirntumor, von dem sie seit ihrem 10. Lebensjahr wusste und mit dessen Folgen sie leben musste. Dies hat weder ihr berufliches Engagement noch ihre Zuwendung zur Familie und dem großen Freundeskreis eingeschränkt. Sie verfolgte musische (Tanzen), wissenschaftliche (Gender-Studies) und literarische (Fontane) Interessen. Sabine starb an den Folgen einer zuletzt unausweichlichen Operation.
Wanda Paulmann
(07.06.1914 - 11.01.2015) 100 Jahre, Lehrerin
Gisela Petersen
(06.04.1945 Bassum - 27.04.2013 Hamburg)
68 Jahre, Heilpädagogin
Gisela Petersen war eine kämpferische Frau. Der Umweltschutz, Gerechtigkeit und das soziale Miteinander lagen ihr am Herzen. Sie engagierte sich in der Anti-AKW-Bewegung, in Eine-Welt-Läden, in der ev. Kirche, bei den Grünen, in der DLRG und bei Attac und lebte ihre Überzeugungen auch im Alltag. Weiterhin war sie Mitglied des Reinickendorfer Bezirksparlamentes.
Nach Kindheit und Jugend in Hamburg-Bahrenfeld arbeitete sie zunächst als Krankenschwester und Heilpädagogin in Krankenhäusern und dann in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Ihre beiden Söhne zog sie als alleinziehende Mutter in Berlin-Tegelort auf, wo sie in der Gemeinde den ersten "Eine-Welt-Laden" aufbaute.
Sie war eine aktive Schwimmern und Radfahrerin; am liebsten urlaubte sie auf Sylt. 2002 zog sie nach Hamburg zurück. Sie lebte zuletzt in dem von ihr mitinitiierten Wohnprojekt "autofreies Wohnen" in Barmbek. Sie verstarb nach längerer Krankheit 2013 an Krebs.
Helga Pilarczyk
Opernsängerin
12.3.1925 Schöningen - 15.9.2011 Hamburg
Ursprünglich wollte Helga Pilarczyk Pianistin werden und nahm Klavierunterricht am Konservatorium Braunschweig. Sie setzte ihre Klavierstudien an der Hamburger Hochschule für Musik fort, gleichzeitig studierte sie Gesang in Braunschweig und Hamburg und ließ sich in rhythmischem Tanz ausbilden.
1951 gab sie ihr Debüt als Opernsängerin am Staatstheater in Braunschweig. und war dort bis 1954 festes Ensemblemitglied. Mit der Spielzeit 1954/1955 wechselte sie als Dramatischer Sopran zur Hamburgischen Staatsoper. Dort war sie bis einschließlich der Spielzeit 1966/1967 fest engagiert.
Helga Pilarczyk sang in Hamburg fast alle wichtigen Fachpartien und entwickelte sich zur führenden Interpretin Moderner Musik, insbesondere der Zwölftonmusik des 20. Jahrhunderts.
Ihre Glanzrollen, mit denen sie auch international erfolgreich gastierte, waren vor allen anderen die Marie in Wozzeck und die Titelrolle in Lulu von Alban Berg. Außerdem gehörten das Monodrama Erwartung und der Gedichtzyklus Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg zu ihren wichtigsten Gesangsstücken.
Helga Pilarczyk hatte Gastverträge am Opernhaus Zürich (1955-1958), an der Deutschen Oper Berlin (1956-1960) und ab 1964 auch an der Deutschen Oper am Rhein. Sie trat an der Covent Garden Opera in London, beim Holland Festival, beim Maggio Musicale in Florenz, beim Glyndebourne Festival, an der Washington Opera, an der Mailänder Scala, bei der Musik-Biennale in Zagreb, bei den Wiener Festwochen, an der Lyric Opera in Chicago und an der Metropolitan Opera in New York auf.
1967 zog sie sich aus familiären Gründen weitgehend von der Opernbühne zurück, um sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Fortan trat sie nur noch selten auf, so 1969 an der Kölner Oper, 1982 am Theater in Bremen und am Théatre du Chatelet in Paris. 1988 war sie in Hamburg und London in Arnold Schönbergs Oratorium Die Jakobsleiter zu hören. Ab 1975 nahm Helga Pilarczyk Lehraufträge wahr und unterrichtete kontinuierlich.
Für ihre musikalischen Verdienste wurde Helga Pilarczyk in Hamburg zur Kammersängerin ernannt.
Rosamunde Pietsch
Weibliche Schutzpolizei, erste weibliche Kommissarin Hamburgs
20.2.1915 - 19.5.2016
Johannes-Brahms-Platz 1
Kirchenallee Polizeirevier
Eine der ersten Polizistinnen der "weiblichen Polizei" war Rosamunde Pietsch. Als 1945 der erste Lehrgang für die neu einzurichtende Abteilung der uniformierten weiblichen Schutzpolizei einberufen wurde, gehörte sie dazu.
Die Polizeiabteilung "weibliche Schutzpolizei", die 1945 auf Intervention der britischen Militärregierung eingerichtet worden war, hatte damals ihren Sitz im 9. Stock das DAG-Hauses am Johannes-Brahms- Platz 1. Dort residierte damals die Innenbehörde.
Die Leitung der "weiblichen Schutzpolizei" übernahm Miss Sofie Alloway. Die nach dem Vorbild von Scotland Yard geführte "Weibliche Schutzpolizei" hatte ihre Aufgabengebiete im Jugendschutz, in der Gefahrenabwehr für Minderjährige, in der Ahndung von Sittlichkeitsdelikten und in der Verfolgung von Straftaten Jugendlicher unter vierzehn Jahren sowie Straftaten von Frauen.
"Rosamunde Pietsch wollte wie ihr Vater zur Polizei gehen. Ihr Ausbildungswunsch blieb unerfüllt, weil der Vater als SPD-Mitglied 1933 seinen Beruf verlor und nur eine kleine Pension erhielt, die für eine Familie mit drei Kindern nicht ausreichte. Die Mutter ging Reinemachen und auch Rosamunde, als älteste Tochter, musste mitverdienen. Sie arbeitete als Hausgehilfin in verschiedenen Stellungen und während des Zweiten Weltkrieges in einer Munitionsfabrik, dem Hanseatischen Kettenwerk.
Der Vater war, fast 60jährig, gegen Kriegsende noch zur Wehrmacht einberufen worden. Als Unbelasteter wurde er nach der Befreiung vom Nationalsozialismus sofort aus Dänemark zurückgeholt, um in Hamburg beim Aufbau der deutschen Polizei mitzuhelfen. Dadurch erfuhr Rosamunde, dass die Engländer eine weibliche Schutzpolizei nach englischem Muster einrichten wollten. Bereits im August 1945 konnte sie sich zur Ausbildung melden. Für die Bewerbung gab es keine Altersgrenzen. Die einzige Bedingung war, unbelastet zu sein und möglichst eine sozialfürsorgerische Ausbildung genossen zu haben. Als Aufgaben für die weibliche Schutzpolizei war vor allem der Schutz von Kindern und Jugendlichen vorgesehen, dazu gehörte das Aufgreifen umhertreibender Jugendlicher und die Untersuchung von festgenommenen Frauen.
Seit 1927 gab es in Hamburg eine kleine Zahl von Kriminalbeamtinnen, die nach 1945 weiter im Amt blieben. Eine von ihnen übernahm nun die Auswahl von 30 Anwärterinnen für die weibliche Schutzpolizei. Viele der Ausbildungsbewerberinnen hatten sich gemeldet, um ein Dach über den Kopf und eine warme Mahlzeit zu bekommen. Es waren Flüchtlinge aus dem Rheinland und Krankenschwestern, die aus irgendwelchen Lazaretten kamen. Ihnen gegenüber hatte Frau Pietsch als Hamburgerin durch die Anbindung an ihre Familie gewisse Vorteile.
Am 25. Oktober traten die 30 Frauen auf dem Kasernenhof Zeisestraße in Altona zur Einberufung an. Jede erhielt ihren Namen mit einer Sicherheitsnadel angeheftet. Der englische Oberst musterte alle von Kopf bis Fuß; es ging zu wie beim Militär. Die Polizeischülerinnen mussten die Kleidung selbst mitbringen: Baskenmütze, Trainingshose, Schuhe und Handschuhe. Die Frauengruppe war in einem wiederaufgebauten Kasernenblock untergebracht, in dem es feucht und kalt war; Wolldecken für die Betten gab es nicht. Unter den 300 Anwärtern waren die 30 Frauen in der Minderzahl. Sie erhielten die gleiche Ausbildung wie die Männer. Es gab keine reinen Frauenklassen; je 5 Schülerinnen wurden einer Klasse zugeteilt. In acht Wochen lernten sie das Wichtigste über Festnahme, Inverwahrnahme, Strafprozeßordnung, Anordnung einer Untersuchung. (…)
Nach Beendigung des Lehrgangs wurden je zwei der Polizistinnen einer Revierwache zugeteilt. Untergebracht warehn sie zunächst bei der weiblichen Kriminalpolizei auf der Drehbahn, später zogen die Schutzpolizistinnen um in die Kirchenallee. Zuerst wurden sie in Zivil eingesetzt, bis im November 1946 die Uniformen ankamen. (…)
Das Einsatzgebiet von Frau Pietsch war die Umgebung des Hauptbahnhofs mit den verschiedenen Bunkern (…). Besonders berüchtigt war die Jahnhalle, eine große Turnhalle, die sich dort befand, wo heute die Busse abfahren. Mitten durch die Halle führte eine ‚Wolldeckenallee': an aufgespannten Wäscheleinen hingen Betttücher und Wolldecken, dahinter lebten Familien, ebenfalls durch Decken voneinander abgetrennt. Wenn Personen wegen Haftbefehls gesucht wurden, mussten immer zuerst die Bunker durchgekämmt, die Ausweise kontrolliert werden, nachts mit Taschenlampen. Morgens saßen die beiden Polizistinnen zusammen mit ihren männlichen Kollegen in der Revierwache am langen Tresen, dann kamen auch schon Bunkerinsassen, barfuß, eine Wolldecke umgehängt, und erstatteten Anzeige darüber, was man ihnen in der Nacht gestohlen hatte.
Die Lokale am Hauptbahnhof, Reichshof, Europäischer Hof, waren unbeschädigt und von den Engländern besetzt. Davor fanden sich von frühmorgens an Scharen von Kindern ein, die die Engländer anbettelten, Kippen sammelten, um zu Hause den Tabak herauszunehmen und auf dem Schwarzmarkt zu bringen. Die Engländer wiesen die Polizei an, diese Belästigung abzuschaffen. Ja, aber wie? Als die Polizistinnen noch keine Uniform hatten, kam es immer wieder zu großen Aufläufen, wenn sie ein Kind erwischt hatten und dieses wie am Spieß schrie. Bis sie dann ihren Ausweis hervorgekramt hatten, war das Kind entwischt. (…)
Ähnlich war es beim Kohlenklau. Man wusste, dass die Kohlenzüge über Tiefstaak durch den Hamburger Hauptbahnhof fuhren. Da standen dann überall strafunmündige Kinder, von ihren Eltern geschickt, um für die Familie zu sammeln. Wie war da dem Befehl zur Verhinderung des Kohlediebstahls nachzukommen? In Gewissenskonflikte kamen die Polizistinnen ebenfalls bei der Jagd auf Hamstergut. Frau Pietsch empfand es als reine Schikane, wenn sie zusehen mussten, wie die Engländer ‚das in die Elbe schütteten'. Obendrein wurde die deutsche Polizei von ihren Landsleuten beschimpft.
52 Wochenstunden arbeiteten die Polizistinnen. Zum Streifendienst mussten sie sich beim Wachhabenden melden und wurden dann eingeteilt: Kinder und Jugendliche aufgreifen und zur Wache bringen. Nach zwei Stunden meldeten sie sich zurück, zogen schnell Zivilkleider an, um den Kriminalbeamtinnen zu helfen. Meist ging es um kleine Kriminalfälle in den Laubenkolonien: Apfelklau, Holzklau (…). Danach hetzten sie wieder zur Wache, wieder zwei Stunden Streife (…). Dazu kam schichtweise eine ganze Woche sehr anstrengender Nachtdienst von einem Sonntagabend bis zum nächsten; am Montag begann die Spätschicht um 16 Uhr. Die Schwerstarbeiterkarte, die Polizistinnen zustand, wies 50 gr Fleisch, 50 gr Butter, 100 gr Weißbrot auf. Zum Hunger kam der Mangel an Hygiene. Bei ihren Streifen durch die Lager fing sich Frau Pietsch Läuse, die sich ein einmal mit Petroleum loswurde.
Mit der britischen Militärregierung ergab sich eine besondere Art der Zusammenarbeit im Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten. Den Polizistinnen fiel die Aufgabe zu, die bei den Razzien festgenommenen Frauen zur Untersuchung zu bringen. Eine Kollegin von Frau Pietsch wurde für mehrere Wochen verpflichtet, mit den Engländern Streife zu gehen. Sie fureh dann irgendwohin, z. B. vor die Staatsoper, griffen zehn bis fünfzehn Frauen auf und führten sie einfach ab zur Untersuchungsstelle Altona. Die Betroffenen protestierten und schimpften, beschimpften auch die deutsche Polizistin. Frau Pietsch erinnert sich daran, dass bei jeder Fuhre eine bis zwei Kranke waren. Die Gesunden wurden sofort wieder entlassen, mit den Kranken fuhren die Polizistinnen, in Begleitung der Engländer, ins Krankenhaus Ochsenzoll. Die deutschen Polizistinnen mussten auch hin und wieder bei der Besatzungsmacht arbeitende deutsche Zivilangestellte nach Schmuggelware - Kakao, Kaffee, Schinken (…) - durchsuchen. Und wieder wurden sie beschimpft.
Auch bei Schwarzmarktrazzien in den Zentren Talstraße, bremer Reihe, Eppendorfer Park, wurden Polizistinnen eingesetzt. Eine Kollegin von Frau Pietsch erhielt Disziplinarstrafe, weil sie einer weinenden Frau mit Kind das beschlagnahmte Päckchen Zigaretten wieder zurückgegeben hatte. All dieses war höchst unangenehm (…).
1948 wurde Frau Pietsch als einzige Frau zusammen mit 48 Männern für die höhere Beamtenlaufbahn ausgesucht. Die Ausbildung dauerte 5 Jahre. [1953 war Rosamunde Pietsch die einzige Frau, die als Kommissarin ausgebildet wurde. 1954 avancierte sie zur Leiterin der 45 Frauen starken "Weiblichen Schutzpolizei" und gründete 1961 die so genannte Jugendschutztruppe. Mit jeweils einem Erzieher brachten sie "Ausreißer" nach Hause und durchsuchten Lokale auf dem Kiez nach Jugendlichen. 1975 schied Polizeihauptkommissarin Rosamunde Pietsch, die seit 1946 bis zu ihrem Tod Mitglied der SPD war, aus dem Polizeidienst aus. Dreizehn Jahre später löste sich die "Weibliche Schutzpolizei" als eigene Dienststelle auf.]
Rückblickend lautet ihr Urteil: Die Polizistinnen haben die Vorstellung von der Polizei als rein männliche Institution verändert. Hamburg hat die weibliche Schutzpolizei beibehalten, weil sie gut war. Polizistinnen wussten besser mit eingelieferten betrunkenen, randalierenden Frauen umzugehen, haben sie nicht zusätzlich provoziert, wie Männer das gewohnt sin dzu tun. Frauen können auch ‚umhertreibende' Mädchen besser verstehen, verletzte Kinder einfühlender vernehmen. Was Frau Pietsch in den turbulenten Nachkriegsjahren gelernt hat, wies ihr die Richtung für ihre spätere Arbeit, die sie vor allem dem Jugendschutz gewidmet hat, verstehend, vorbeugend, helfend." 1)
Der "Weiblichen Schutzpolizei" waren Streifengänge mit männlichen Kollegen der Revierwachen verboten. Auch durften die Polizistinnen weder den Straßenverkehr regeln noch einen Streifenwagen fahren. Sie mussten ihren Dienst zu Fuß versehen, und es war ihnen nicht erlaubt, eine Waffe zu tragen, weil sie daran nicht ausgebildet wurden. Eine Änderung trat erst 1976 ein, nachdem sich eine Beamtin der Wache St. Pauli über die Vorschriften hinweggesetzt hatte: Bei einem Streifengang mit ihrem Kollegen hatte sie einen Streit zwischen drei - wie es damals hieß - "Südländern" und einem Taxifahrer beobachtet. Als ihr Kollege eingreifen wollte, zog einer der "Ausländer" eine Pistole. Erst der lautstarke Einsatz seiner Gummiknüppel schwingenden Kollegin rettete den Polizisten aus seiner Bedrängnis und bewirkte einen Antrag auf gleichberechtigte Ausbildung aller Polizistinnen an der Waffe. Doch nicht alle waren mit dieser Neuerung einverstanden.
Viele männliche Kollegen diskriminierten die an der Waffe ausgebildeten Polizistinnen als "Flintenweiber".
Quelle:
1) Werkstatt der Erinnerung (WdE)/Fst 42, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg. Abgedruckt in: Inge Grolle: Frauen nach dem Krieg 1945-1950. Geschichte - Schauplatz Hamburg. Hamburg 1994, S. 40-41.
Theodore Reincke
(14.1.1956 - September 2013) 57 Jahre, Hebamme, Mitbegründerin der Hebammenpraxis im Rosengarten
Katharina Röpke
(29.12.1935 - 31.10.2012) 76 Jahre, Lehrerin
Susanne Rosenberg
(17.11.1966 - 16.08.2003) 36 Jahre, Beamtin
Gertrud Rossow
(08.11.1914 - 25.12.2011) 97 Jahre, Hausfrau
Antje Ruhe
(05.04.1944 - 13.07.2015) 71 Jahre, Gemeindepädagogin im kirchlichen Dienst
Gerda Scheibner
(12.03.1919 - 05.06.2010) 91 Jahre, kaufm. Angestellte
Erika Schlundt
(22.06.1917 - 11.11.2007) 90 Jahre, Büroangestellte
Annelene Schmidt
(09.01.1932 - 11.01.2011) 79 Jahre, Lehrerin
Barbara Schneider
(28.08.1946 - 20.02.2003) 56 Jahre, Geschäftsführerin in der Mitarbeiterfortbildung im Seniorenbereich
Prof. Dr. med. Thea Louise Schönfelder
Psychiaterin und Hochschullehrerin. Erste Frau, die in Deutschland auf einen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie berufen wurde
16.2.1925 Hamburg - 25.7.2010 Hamburg
bestattet im Garten der Frauen
Thea Louise Schönfelder wurde in Hamburg als Tochter des damaligen sozialdemokratischen Innensenators Adolph Schönfelder und seiner Frau Minna geboren. Ihre Jugend stand unter dem Zeichen der Verfolgung ihres Vaters durch das nationalsozialistische Regime, und die Erfahrung der Gefährdung ihrer Familie blieb für sie lebensgeschichtlich prägend. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte Thea Louise Schönfelder Medizin und wurde 1957 Fachärztin für Psychiatrie. 1970 wurde sie, als erste Frau in Deutschland, auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf berufen, den sie bis zu ihrer Emeritierung innehatte. Dank ihres Einsatzes wurde 1971 zusätzlich zur bestehenden Kinderstation eine Jugendstation eingerichtet. Schwerpunkte ihrer klinischen Arbeit waren zum einen familientherapeutisch orientierte Behandlungsansätze, zum anderen körper- und symbolbezogene Therapiemethoden (Konzentrative Bewegungstherapie), mit deren Hilfe es ihr möglich war, Zugang zur inneren Welt auch verschlossenster Patientinnen und Patienten zu finden und Kontakt und Verständigung mit gänzlich verstummten Menschen herzustellen. Ihre Arbeit mit Familienskulpturen bereitete den Weg für die heutige Technik der Familien- und Systemaufstellung. 1987 zog sich Thea Louise Schönfelder aus ihren institutionellen Aufgaben in ein selbstbestimmtes Privatleben zurück. Sie war weiterhin in Fortbildung und Supervision tätig, zusätzlich entfaltete sie neue Interessen und Tätigkeitsbereiche: sie beschäftigte sich intensiv mit Kreativem Schreiben, leitete dazu Seminare in der Seniorenakademie, sang im Chor der Seniorenkantorei St. Nikolai und wirkte in Altentheater-Projekten am Deutschen Schauspielhaus und am Ernst-Deutsch-Theater mit. Dabei setzte sie sich bewusst und gestalterisch mit dem Prozess des Alterns und dem Tod auseinander. Sie war vielen Menschen eine zuverlässige, warmherzige Freundin und kluge Beraterin. Voll Freude lebte sie ihre Rolle als Großmutter. Sie hinterlässt eine Spur aus Liebe.
Erika Schwill
( 08.09.1932 - 25.12.2008) 76 Jahre, Photographin
Margarete (Gretel) Spatz, geb. Ast
(08.10.1919 Reppen/Rzepin - 30.12.2001 Hamburg)
82 Jahre, Sparkassenangestellte
Margarete Ast wuchs in einem Familienunternehmen auf, in dem sich alles um Leder drehte: Ledereinkauf und -handel, Schuhherstellung und -verkauf sowie -reparatur.
Nach dem Volksschulabschluss, dem Besuch einer Haushaltungsschule und einer Höheren Handelsschule arbeitete sie im elterlichen Unternehmen. Das "Pflichtjahr" führte sie 1937/38 in eine großbürgerliche Familie nach Berlin - ein Wendepunkt in ihrem Leben.
Zurück im Elternhaus verweigerte sie die ihr zugedachte Rolle: Haushalt und Schuhverkauf. Sie begann eine Ausbildung zur Sparkassenangestellten und stieg dort in eine Führungsposition auf. Ihre Mutter verübelte ihr diesen Berufsweg sehr und mied fortan den Kontakt mit ihr.
1941 lernte sie den späteren Vater ihres Kindes kennen. Er verschwieg zunächst, dass er bereits verheiratet und Vater eines Kindes war. Mit ihm und weiteren Verwandten flüchtete sie im Januar 1945 nach Berlin. Später zog sie mit ihm nach Karlshafen, wo er Arbeit als Müllermeister gefunden hatte. Margarete Ast wurde schwanger und hoffte auf die Scheidung ihres Lebensgefährten von dessen Ehefrau. Doch wenige Wochen vor der Geburt der gemeinsamen Tochter verschwand der angehende Vater.
Nach der Geburt ihres Kindes wurde Margarete Ast bei einem Arztehepaar einquartiert. "Flüchtlingsfrau und ein uneheliches Kind ‚am Bein' - der Makel schlechthin", so Margarete Spatz später. Da Teilzeitarbeit nicht möglich war, konnte sie nicht als Sparkassenangestellte tätig werden. So arbeitete sie als Zimmermädchen und Kellnerin.
Nebenbei lernte sie den zwanzig Jahre älteren Witwer und Geschäftsmann Herrn Spatz kennen. Nach der Heirat verdiente sie weiterhin eigenes Geld. Sie wollte finanziell nicht von ihrem Ehemann abhängig sein und ihrer Tochter eine gute Schul- und Ausbildung ermöglichen.
1968 nach Beendigung des Studiums ihrer Tochter hörte Margarete Spatz auf mit der "Schufterei" wie sie sagte. Wenige Jahre später wurde sie Witwe und konnte gut von ihrer Rente leben.
53 Jahre lebte sie in Karlshafen, beheimatet fühlte sie sich dort nicht. Die letzten drei Lebensjahre verbrachte sie in einem Schenefelder Altenheim. Dort starb sie, aufrecht auf der Bettkante sitzend mit einem Stück Zartbitterschokolade auf der Zunge. Ihre letzten Worte: "Jetzt will ich aufstehen."
Elfriede Spielmann
(27.06.1936 - 08.04.2008) 71 Jahre, Oberschwester im Krankenhaus
Traute Stawitzki
(16.07.1926 - 28.06.2015) 88 Jahre, Sozialpädagogin/Fachlehrerin
Ulrike Barkati Steinebach
01. 02. 1961 Accra/Ghana - 16. 07. 2011 Santa Cruz de Tenerife
50 Jahre, Erzieherin
Barkati (die Gesegnete) ist Ulrike Steinebachs Sannyasi-Name. 1984 ließ sie sich in die Sanyas-Gemeinschaft in Oregon, USA aufnehmen. Seit ihrem 20. Lebensjahr hing sie der Osho-Bewegung an. Geboren im Februar 1961 in Accra/Ghana kam sie im Sommer 1961 mit ihren Eltern zurück nach Deutschland. Nach dem Abitur besuchte sie in Hamburg die Fachschule für Sozialpädagogik.
Barkati Steinebach wusste schon immer, was sie beruflich einmal werden wollte. Sie wollte für Kinder da sein. Von 1987 bis 1993 war sie als Erzieherin in einem städtischen Hamburger Kinder- und Jugendheim und von 1996 bis 1997 als Erzieherin im Jugendheim Madhouse in Augsburg tätig. Zwischendurch absolvierte sie Zusatzausbildungen, so von 1991 bis 1995 ein Vier-Jahres-Therapietraining an der "Humaniversity" Institut für Therapie und Selbsterfahrung in Egmond/Holland und von 1994 bis 1996 übernahm sie die Assistenz und Leitung von therapeutischen Gruppen und Mediationen. Nachdem sie resigniert feststellte, dass ihre ganze Liebe und ihr Einsatz aus den Kindern keine idealen Menschen machten, kündigte sie und wurde von 1997 bis 1999 Geschäftsführerin der Diskothek Zorba the Buddha in Köln. Mit hohem Arbeitsaufkommen und persönlichem Einsatz begleitete sie die Diskothek durch die Insolvenz. Der Vorgang verlangte ihr so viel Kraft ab, dass sie sich nach einem Nine-to-five-Job sehnte und so arbeitete sie von 2000 bis 2004 in Köln als Call-Center-Agentin.
Im Jahr 2000 erhielt sie die Diagnose Darmkrebs. In einem Brief an Freunde und Familie hielt sie ihre Gedanken vor der ersten großen Operation fest: "Nun, ich möchte meinen Frieden. Ich schließe die Augen und stelle mir jedes Gesicht all derer vor, die jetzt an mich denken, die mit mir sind, die Liebe und Kraft schicken. Zu jeder einzelnen Person webe ich einen feinen Faden von meinem Körper aus - ich spinne ein festes Netz, sodass ich spüren kann, wie mein gesamter Körper gehalten, getragen wird wie in einem Sicherheitskokon." Kurz vor ihrer Krebserkrankung lernte sie ihren späteren Mann Markus kennen. Das Paar heiratete am 17. August 2002. Nach neun Jahren Ehe wünschte sich Markus für seine krebskranke Frau nur noch eines: dass sie ohne Schmerzen und Quälerei gehen könne.
Angelika Stisser
(26.09.1946 - 10.02.2003) 56 Jahre, Diplom-Bibliothekarin
Brigitte Strauß
(13.01.1945 - 28.08.2012) 67 Jahre, Gesundheitsberaterin
Irene Stück
(21.01.1932 Grünlas/Kr. Elbogen (Tschechische Republik) - 20.05.2010 Hamburg)
78 Jahre, Archäologische Zeichnerin
Irene Stück war in Neustadt-Glewe wohnhaft und arbeitete bis zu ihrem Ruhestand als freiberufliche archäologische Zeichnerin im früheren Museum für Ur- und Frühgeschichte im Schweriner Schloss. Insbesondere zeichnete sie maßstabgerecht Kleinwerkzeuge aus Stein, verschiedene Scherben, Haushalts- bzw. Vorratsgefäße und auch Urnen mit entsprechenden Schmuckbeigaben. Diese Dinge wurden in den Kreisen Mecklenburgs (Ludwiglust, Sternberg, Güstrow, Parchim usw.) bei archäologischen Grabungen gefunden. Viele ihrer Zeichnungen wurden in Büchern und Broschüren über Bodendenkmalpflege in Mecklenburg veröffentlicht. Sie hatte viel Spaß an dieser schönen Arbeit. Ihre Hobbys waren der Garten und die Natur. Oft fuhr sie gemeinsam mit ihrem Ehemann durch die Lewitz, ein großes Naturschutzgebiet und beobachtete Tiere und Pflanzen. In ihrer Freizeit malte sie aber auch sehr schöne Aquarell- und Ölbilder, meist mit Naturmotiven. Eine schwere Krankheit riss sie plötzlich aus diesem Leben. Wir gedenken ihr hiermit in großer Dankbarkeit. Sie fehlt uns sehr. Reinhard Schmidt
Maria Sturmhoebel
(11.8.1924-11.9.2014) 90 Jahre, Lehrerin, Tochter von Margarethe Münch
Ellen Templin
(09.07.1948 - 22.12.2010) 62 Jahre, Domina
Aufgewachsen in einem nach außen scheinenden idyllischen Umfeld im Süden Deutschlands waren Ellens frühe Jahre von Missbrauch und Gewalt geprägt. Jahrelang musste sie so die Gewaltexzesse ihres Vaters überleben, enttäuscht und missbraucht von einer Person, die ihr Schutz und Sicherheit geben sollte, unfassbar begreifend, dass niemand eingriff, bis sie nach einer Ewigkeit die Pubertät erreichte und uninteressant wurde für krankhafte Machtbedürfnisse. Sie konnte dies nur überleben, in dem sie stark wurde und für sich im Inneren zugleich die kleine, lebensbejahende Ellen rettete, mit einem stark ausgeprägten Gefühl für Gerechtigkeit und dem Willen, dafür einzutreten. Nach der Schule durchlief sie erfolgreich eine Ausbildung zur Industriekauffrau und wurde für eine große, internationale Ölfirma tätig. Doch der Schatten ihrer nicht existenten Kindheit verfolgte sie nach wie vor, so dass sie flüchten musste, in das weit entfernte Berlin. Hier lernte sie ein völlig neues Umfeld kennen und sie fühlte sich zum ersten Mal richtig frei. Doch unter diesem Glanz, der sie nun umgab, entdeckte sie nach und nach Strukturen, die ihr nur zu gut bekannt waren.
Über all die Zeit war sie trotz ihrer prägenden Erfahrungen immer auch versucht, das Gute im Menschen zu finden, und so war sie auch mehrmals verheiratet oder lebte in festen Partnerschaften. Ihr Weg führte sie sogar bis in den Iran, dem sie gerade noch rechtzeitig vor der Machtergreifung der islamistischen Fundamentalisten entkommen konnte. Zurück in Berlin musste Ellen einen Weg finden, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Kontakte führten sie in eine Welt ein, deren grundlegende Säulen ihr vertraut waren, es war eine Welt, in der Macht und Gewalt die primäre Rolle spielten, vermischt mit Geld. Das kannte sie schon, denn auch ihr Vater gab ihr eine Art von Schweigegeld für all das, was er ihr antat. Zudem, egal was Ellen anfasste, sie war gut darin, denn sie besaß nicht nur eine ungewöhnlich gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, sondern auch einen analytischen Verstand. Und so gelang es ihr nach einigen Lehrjahren schon recht bald Eigentümerin des seiner Zeit erfolgreichsten Domina-Studios in Berlin zu sein.
An ihrem Beispiel lässt sich gut erkennen, dass die frühen Jahre prägend dafür sein können, was im späteren Leben passiert. Wer nun denkt, dass sie diesen Weg ging, um sich zu rächen, der irrt. Natürlich empfand Ellen all die Dinge, die die Klientel erwartete, als krank, doch sie behandelte trotzdem jeden, der ihre Regeln beachtete, die dafür da waren, dass die beschäftigten Frauen so sicher wie möglich tätig werden konnten, wie einen Menschen.
So konsequent und überzeugend sie als Domina war, so konsequent war Ellen auch im Kampf für das Wohl der Frauen in ihrem Umfeld. Letztlich musste Ellen Zeit ihres Lebens einen Kampf damit führen, was sie erleben musste und diesen führte sie zugleich auch für andere mit. Prostitution in ihren vielfältigen Facetten war in ihren Augen niemals freiwillig, und so kämpfte Ellen auch gegen all die Tendenzen und Strukturen, die die Prostitution entweder romantisierten oder sie gar mit einem Beruf gleichsetzten. Diesen feministischen Kampf führte sie bis zu ihrem viel zu frühen Lebensende.
Renate Tertel
(29.06.1938 - 17.06.2003) 64 Jahre, Krankenpflegerin
Elisabeth Töllner
(24. 6.1933 - 13. 1.2016) 82 Jahre, Lehrerin
Annemarie Topel, geb. Kohn
(01.04.1940 in Memel - 26.09.2014 in Hamburg) 74 Jahre, Kauffrau
Dr. Elke Turner
(13.01.1964 Dortmund - 21.12.2001 Hamburg)
37 Jahre, Ärztin
Ihr Medizinstudium wie auch ihr drittes Staatsexamen schloss Elke Turner als eine der besten ab. Während ihrer Tätigkeit als Ärztin im Praktikum am Institut für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz an der Universität Dortmund forschte und schrieb sie ihre Promotion, die sie 1992 an der Universität Münster mit dem selbst gewählten Thema "In-vitro Untersuchungen zum Prostaglandinstoffwechsel an Organ- und Zellkulturen" beendete. Sie arbeitete als Radiologin am Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus in Boberg. Sie war unglaublich liebenswert. Wer sie zur Freundin hatte, konnte sich ganz auf sie verlassen. Sie lachte mit Dir und konnte die Welt erklären, die sie stets mit eigenen Augen sah. Dr. Elke Turner verstarb nach langem mutigen Kampf gegen die Krankheit Krebs. Ihren großen Wunsch, Fachärztin zu werden, konnte sie nicht mehr verwirklichen.
Dr. Irina Venzky-Stalling
(01.03.1955 Oldenburg - 06.04.2008 Hamburg)
53 Jahre, Psychologin
Du warst Zeit deines Lebens ein suchender Mensch- auf der Suche nach dem weißen Einhorn. Ob du es gefunden hast, wissen wir nicht, gefunden hast du aber Menschen, die dich lieben und vielleicht sind dies die weißen Einhörner, die du immer gesucht hast.
Du hattest viele Wünsche, Träume und Hoffnungen, einiges ist offen geblieben, aber auch vieles erfüllte sich.
Deine Fröhlichkeit, dein spezieller Humor und deine Heiterkeit gehen über deinen Tod hinaus und werden immer mit uns sein.
Das Leben mit dir war intensiv und wunderbar und dafür danken wir dir.
Liselotte Voggenreiter
(24.6.1929 - 16.12.2013) 84 Jahre, Hausfrau
Doris Wildner
(10.09.1940 - 28.08 2011) 71 Jahre
Karin Wilsdorf
(11.10.1944 - 12.06.2015 ) 70 Jahre, Mitinhaberin des Frauenhotels Hanseatin
Beate Witt
(07.12.1949 - 03.06.2015) 65 Jahre
Ursula Witt
(25.08.1936 - 24.01.2013) 76 Jahre, Fotoredakteurin